«Lasst mal den Profi ran», sprach Jesus

Werbung für kirchliche Berufe im Zürcher Tram: Ein Wort auf dem Plakat befremdet.

Hochprofessionell: Kirchlicher Aushang im Tram.

Hochprofessionell: Kirchlicher Aushang im Tram. Bild: Teilscreenshot

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Eben im Züritram ein Werbeplakat. Es zeigt eine junge Frau, 28-jährig, die für Berufe in der katholischen Kirche wirbt. Die junge Frau, eine Luzerner Religionspädagogin, sagt über die eigene Arbeit: «Sinn vermitteln, die Botschaft verkünden. Als Profi. Das macht es aus.»

Jung-und-Modern-Speak

Nun haben beide grossen Konfessionen bekanntlich seit langem ein Schwundproblem. Die Zahl der Kirchenbesucher nimmt permanent ab. Auch die Sprache der Pfarrer habe daran schuld, sagen Kritiker. Viele Seelsorger seien Kanzelschwurbler, die an ihrem Publikum vorbeiredeten, fand unlängst im Tagi der Bestsellerautor Erik Flügge. Er sagt: «Gott verreckt am Kirchensprech.»

Von der jungen Frau kann man das nicht behaupten. Ihre Sätze sind kurz, direkt, prägnant. Aber natürlich hat auch das bemüht Jugendliche und Flotte – der Jung-und-Modern-Speak – seine Tücken. Ein Wort im Plakatspruch klingt jedenfalls seltsam ins Ohr und hallt nach: «Profi» tönt nach Fussballliga. Oder auch nach der Werbung eines Putzinstitutes: «Schoggiverschmierte Tapete? Ein Fall für uns Profis!»

Der Amateur aus Palästina

Mit dem christlichen Bekenntnis ist es so eine Sache, es geht um Glaube, Liebe, Hoffnung, um Kopf, Bauch und Seele. Die Idee der Professionalität will dazu nicht so recht passen. Unvorstellbar, dass Jesus an der Küste von Genezareth vom Boot gestiegen und zur wartenden Menge gesagt hätte: «So Leute, jetzt erklärt euch der Profi mal, was Sache ist.»

Jesus Christus war ein Amateur. Ein Von-Gleich-zu-Gleich-Typ. Ein Improvisator der Menschlichkeit. Genau das macht ihn und seine Botschaft sympathisch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2016, 10:04 Uhr

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