Letzigrund-Streit spitzt sich zu

Implenia gibt im Streit um Millionen-Nachforderung zum Letzigrundbau nicht nach: Der Baukonzern zieht die Klage gegen die Stadt weiter. Hängig sind weitere vier Verfahren.

Offensichtlichste Zeugen des Zerwürfnisses zwischen der Stadt und Implenia: 2010 aufgestellte Stützen, auch «Minarette» genannt.

Offensichtlichste Zeugen des Zerwürfnisses zwischen der Stadt und Implenia: 2010 aufgestellte Stützen, auch «Minarette» genannt. Bild: Nicola Pitaro

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1390 zu 2: Das ist das Skore nach dem Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Von 1392 nachträglichen Projektänderungen beim Bau des Letzigrundstadions anerkannte das Gericht zwei als nachzahlungswürdig. Es geht um insgesamt knapp 23 Millionen Franken, welche die Baufirma Implenia von der Stadt Zürich als Bauherrin verlangte. 340'000 Franken soll sie gemäss Urteil erhalten.

Implenia verzichtet nach der Durchsicht des 219-seitigen Urteils auf 3 Millionen, nicht aber auf die restlichen 20 Millionen. Deshalb zieht der Konzern die sogenannte Werklohnklage ans Obergericht weiter. «Implenia ist weiterhin überzeugt, dass die Stadt Zürich für die in Auftrag gegebenen und ausgeführten Projektänderungen aufkommen muss», schreibt Implenia in einer Medienmitteilung vom heutigen Montag.

Hohe Gerichtskosten

Die Stadt stellt sich auf den Standpunkt, dass die aufgeführten Punkte – etwa zusätzliche Gerüste oder Elektroantriebe für die Kiosk-Klappen – zum im Jahr 2005 vereinbarten Pauschalpreis von 98 Millionen für die neue Arena gehören.

Das Bezirksgericht verfügte, dass Implenia der Stadt 370'000 Franken Prozessentschädigung zahlen und 98,5 Prozent der Gerichtskosten von 490'000 Franken übernehmen muss.

Die Stadt nimmt den Weiterzug zur Kenntnis, so Matthias Wyssmann, Sprecher des Hochbaudepartements. Sie sei zuversichtlich, auch vor Obergericht zu obsiegen, da das Urteil des Bezirksgerichts «sehr eindeutig» sei. Das Betrübliche sei, dass das Verfahren die Verwaltung weiterhin auf Trab halten wird, sagt Wyssmann.

Vier weitere Verfahren

Beim eilig hochgezogenen Letzigrund ist die Situation verkachelt. Das zeigten sehr anschaulich die 31 Stützen (im Volksmund: Minarette), welche die Stadt 2010 installierte, um das Dach zu stabilisieren. Diese Stützen sind denn auch Teil eines weiteren Verfahrens, das noch vor Bezirksgericht hängig ist. Es geht dabei um 12 Millionen, welche Implenia als sogenannte Gewährleistungsgarantie hinterlegt hatte und welche die Stadt abgerufen hat, als sie das Stadion kurzzeitig schloss und die erwähnten Stützen installierte. Auch hier klagt Implenia, die meint, sowohl die Stützen als auch die Schliessung seien unnötig gewesen.

Um 1,8 Millionen geht es bei einem weiteren hängigen Verfahren, das ebenfalls das Stadion betrifft. Hier macht Implenia eine ungerechtfertigte Mängelrüge geltend. Die Stadt kritisierte Mängel in dieser Höhe, welche Implenia zwar bearbeitete, aber gleichzeitig bestritt.

Auch tobt weiterhin ein Krach wegen Wasser auf dem Dach – zum zweiten Mal nach 2010. Die Stadt hat deswegen kürzlich ein separates Verfahren, genauer: ein Schlichtungsbegehren beim Friedensichter, angestrengt. Hier hat die Stadt vorsorglich die Worst-Case-Summe von 10 Millionen eingegeben.

Eine weitere hängige Klage schliesslich betrifft Bauarbeiten am Parkhaus Hardau. Hier hat die Stadt Implenia-Nachforderungen von 250'000 Franken zurückbehalten, welche Implenia zugute hat. Die Stadt verrechnete die Summe mit den Stadiongeldern. Dabei ist Letzteres umstritten. Das Obergericht hat in diesem Fall gegen die Stadt entschieden. Diese zog das Urteil wiederum weiter ans Bundesgericht, das noch nicht geurteilt hat.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2015, 12:47 Uhr

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