Letzte Hürde für den Chipperfield-Bau

Am 25. November stimmt die Stadt Zürich über die Erweiterung des Kunsthauses ab. Der Neubau kostet die Stadt 88 Millionen Franken, die Ausstellungsfläche wird nahezu verdoppelt.

Die Eingangshalle des neuen Kunsthauses: Sie ist öffentlich zugänglich und verbindet auch den Heimplatz mit dem Garten der Kunst.

Die Eingangshalle des neuen Kunsthauses: Sie ist öffentlich zugänglich und verbindet auch den Heimplatz mit dem Garten der Kunst. Bild: Visualisierung: David Chipperfields Architects

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine solch gewichtige Kulturvorlage gab es in der Stadt letztmals vor 32 Jahren: Die 62 Millionen Franken für die Renovation und Erweiterung des Opernhauses wurden vom Volk angenommen, sie lösten aber auch die Jugendunruhen aus. Heute fördert die Stadt die Kultur viel breiter, ähnliche Folgen sind nicht zu erwarten. Mit durchschnittlich rund 300 000 Besucherinnen und Besuchern jährlich gehört das Kunsthaus zu den führenden Kulturhäusern der Stadt. Zum Vergleich: Das Opernhaus hatte in der Spielzeit 2010/11 knapp 250 000 Besucher, das Schauspielhaus 170 000, das Hallenstadion im Jahr 2010 340 000 Konzertbesucher und der Zoo 1,7 Millionen Eintritte.

Vom Erweiterungsbau am Heimplatz verspricht sich das Kunsthaus eine Erhöhung der Besucherzahl auf jährlich etwa 400 000. Der Stadtrat will die Attraktivität Zürichs als Kulturmetropole qualitativ stärken und international profilieren, so wie London mit der Tate Modern, Bilbao mit dem Guggenheim-Museum und Bern mit dem Zentrum Paul Klee.

Museen sind nun mal gross

Der Bau, der das alles schaffen soll, stammt vom Londoner Stararchitekten David Chipperfield, der 2008 den Wettbewerb vor den einheimischen Schwergewichten Gigon/Guyer gewonnen hat. Sein Kubus ist aus dem gleichen Sandstein wie das alte Kunsthaus und mit diesem durch eine unterirdische Passage verbunden. Mit 62 Meter Breite und 21 Meter Höhe sei das ein «big building», räumte Chipperfield ein, als er sein Projekt vorstellte. Aber Museen seien nun mal gross.

Mit dem Neubau kann das Kunsthaus seine Ausstellungsfläche auf 11 500 Quadratmeter nahezu verdoppeln und künftig 20 Prozent seiner Werke zeigen. Heute sind es bloss 10 Prozent. Im Neubau findet die bekannte Sammlung Bührle mit 150 Gemälden des französischen Impressionismus Platz, die immer noch in einer Privatvilla an der Zollikerstrasse untergebracht und letztmals wegen eines dreisten Diebstahls in die Schlagzeilen geraten ist. Weiter kommen in den Neubau: Kunst ab 1960, mittelgrosse Wechselausstellungen und eine frei zugängliche Eingangshalle mit Kunstappetizern, die auch als Zugang zum Garten der Kunst hinter dem Neubau dient. Der Garten am Fuss der alten Kantonsschule soll täglich zwischen 6 und 23 Uhr geöffnet sein – so steht es in der Abstimmungszeitung.

Opfer des Neubaus sind die beiden alten Turnhallen von 1880 und 1902, die mit lateinischer Schrift das Volk ermahnen: Non est vir fortis, qui laborem fugit – ein starker Mann flieht nicht vor der Arbeit. Der Heimatschutz wollte die Turnhallen retten, die der Stadtrat aus dem Denkmalschutz entlassen hatte. Doch das Verwaltungsgericht stufte das öffentliche Interesse an der Kunsthauserweiterung höher ein als das öffentliche Interesse an der Erhaltung der Turnhallen.

88 Millionen von Sponsoren

Der Neubau kostet 206 Millionen Franken, wovon die Stadt und die Kunsthausgesellschaft mit ihren Gönnern und Sponsoren je 88 Millionen Franken übernehmen. 30 Millionen steuert der Kanton aus dem Lotteriefonds bei. Weiter soll die Stadt 5 Millionen zahlen für Ausgaben und Ausfälle in der Übergangszeit sowie um 7,5 Millionen Franken erhöhte Unterhalts- und Betriebsbeiträge. Diese betragen neu jährlich 17,6 Millionen Franken. Im Gemeinderat stimmten nur die SVP, die AL und ein Teil der Grünen dagegen. Im Herbst 2017 soll der Neubau eröffnet werden.

Erstellt: 19.10.2012, 09:52 Uhr

Bildstrecke

Das Vorprojekt zum neuen Kunsthaus

Das Vorprojekt zum neuen Kunsthaus Das Projekt für den Erweiterungsbau des Architekten David Chipperfield hat seine definitive Gestalt angenommen.

Artikel zum Thema

Kunsthaus Zürich – Defizit wegen Erweiterungsbau

Der geplante Erweiterungsbau schlägt mit 313'000 Franken zu Buche. Jedoch bescherten namhafte Ausstellungen dem Kunsthaus Zürich 2011 sein zweitbestes Besucherergebnis. Mehr...

Kunsthaus erhält vom Kanton 30 Millionen

Der Kantonsrat unterstützt den Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses uns stellt zudem das nötige Grundstück im Wert von 15 Millionen zur Verfügung. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...