Letzter FDP-Stapi ist für Mauch

Ausgerechnet der bürgerliche Ex-Stadtpräsident Thomas Wagner setzt sich für die SP-Kandidatin Corine Mauch ein. FDP-Parteifreund Filippo Leutenegger lässt er im Stich.

Überraschung im Wahlkampf: Alt-Stadtpräsident Thomas Wagner (FDP, Mitte) spricht sich für Corine Mauch (SP, rechts) aus und gegen Parteifreund Filippo Leutenegger.

Überraschung im Wahlkampf: Alt-Stadtpräsident Thomas Wagner (FDP, Mitte) spricht sich für Corine Mauch (SP, rechts) aus und gegen Parteifreund Filippo Leutenegger. Bild: TA

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Er war der letzte bürgerliche Stadtpräsident Zürichs: Thomas Wagner (FDP), Präsident der Gesellschaft Schweiz - China, Ehrenbürger von Kunming. 24 Jahre war er Stadtrat von Zürich, von 1982 bis 1990 amtete er als Stapi, ehe er von Josef Estermann (SP) abgelöst wurde. Seither regiert in Zürich eine rot-grüne Mehrheit.

Das bürgerliche Dreamteam «Top 5» soll dieses Ungleichgewicht bei den Wahlen im Februar sprengen, angeführt von Nationalrat Filippo Leutenegger (FDP), der gleichzeitig Stapi werden will. Gelingt dem Nationalrat der Coup gegen die amtierende Sozialdemokratin Corine Mauch, wäre 24 Jahre nach Thomas Wagner in Zürich erstmals wieder ein Freisinniger an der Macht.

Doch nun verwehrt ausgerechnet Wagner seinem Parteifreund Leutenegger die Unterstützung. Der 70-Jährige ist Mitglied im Komitee von Corine Mauch. «Sie ist die geeignetere Persönlichkeit für das Stadtpräsidium», sagt Wagner. Mauch kenne die Dossiers, sei kulturell offen und habe eine positive Haltung zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Zürich. «Es freut mich, dass sie sich für die Greater Zurich Area einsetzt und auch Kontakte ins Ausland pflegt.» Wagner meint damit etwa die Städtepartnerschaften mit San Francisco und Kunming in China. Letztere hat er 1982 als Stapi initiiert, wofür er zum Teil heftig kritisiert wurde. «Corine Mauch ist an der Aufgabe als Stadtpräsidentin gewachsen», sagt Wagner.

«Leutenegger wirkt polarisierend»

Filippo Leutenegger hingegen habe politisch und inhaltlich wenig Spuren hinterlassen, sagt Wagner. «Wenn, dann sind diese meistens SVP-lastig.» Leutenegger wirke oft polarisierend und habe einen Hang zum Opportunismus. «Filippo Leutenegger war ein sehr guter ‹Arena›-Moderator des Schweizer Fernsehens.» Wählt Wagner, der von 1969 bis 2002 im Rathaus bürgerliche Politik machte, im Februar Rot-Grün? «Nein, ich wähle liberale Persönlichkeiten auf der FDP-Liste», sagt Wagner. Doch Exekutivwahlen, speziell Stadtratswahlen, seien eben Persönlichkeitswahlen.

FDP-Kandidat Filippo Leutenegger mimt in der Sache den Coolen. Er habe überhaupt kein Problem damit, dass Wagner seine Gegnerin unterstütze. «Wir sind eine liberale Partei, ich nehme das gelassen.» Er kenne Wagner «seit Ewigkeiten», sagt Leutenegger, politisch oder geschäftlich habe er aber nie mit ihm zu tun gehabt. Die Aussage stimmt so nicht ganz. Als im Fernsehen über das Projekt HB-Südwest (Eurogate) gestritten wurde, interviewte Moderator Leutenegger den Politiker Thomas Wagner.

Corine Mauch kommentiert die Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager nüchtern. Sie freue sich über die offizielle Unterstützung durch Thomas Wagner und ihre beiden Vorgänger Josef Estermann und Elmar Ledergerber (beide SP). «Ich schätze dieses Vertrauen in meine Arbeit.» Neben ehemaligen Zürcher Politgrössen sitzen auch aktive Parlamentarier in Mauchs Komitee. So zum Beispiel die SP-Nationalrätinnen Jacqueline Badran und Jacqueline Fehr oder die grünen Nationalräte Bastien Girod und Balthasar Glättli. Zu Mauchs prominenten Fürsprechern aus der Kulturwelt gehören unter anderen der Schriftsteller Urs Widmer und die Sängerin Sophie Hunger.

Erstellt: 07.01.2014, 12:02 Uhr

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