«Liebi ist ein schlechter Verlierer»

Stadtrat Martin Waser (SP) nennt die neuste SVP-Attacke gegen den Hafenkran einen «formalistischen Leerlauf», der nur Geld koste.

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Der Hafenkran kostet 80'000 Franken mehr als geplant. Weshalb gelangten Sie nicht ans Parlament, als klar wurde, dass das Projekt teurer würde?
Der Grund für die Mehrkosten von 80'000 Franken sind technische Probleme, die nicht vorauszusehen waren. Weil ein anderes Kranmodell nach Zürich kommt als ursprünglich geplant, wird die Montage und Demontage am Limmatquai teurer. Und weil wir im Stadtrat wussten, dass die zusätzlich benötigten Mittel den Rahmen des Projekts gesprengt hätten, bot ich Hand für diese private Finanzierung.

Roger Liebi wirft Ihnen nun vor, damit den Gemeinderat über die effektiven Kosten des Hafenkrans im Dunkeln gelassen zu haben.
Es macht doch keinen Sinn, etwas zu budgetieren, was sowieso von Dritten bezahlt wird. Das wäre ein Nullsummenspiel. Budgetrechtlich erfüllen wir alle Vorgaben. Was Roger Liebi jetzt macht, ist ein formalistischer Leerlauf, der nur Geld kostet. Ich schütze die Stadt Zürich vor einem materiellen Schaden – was will die SVP denn noch mehr? Liebi ist ein schlechter Verlierer, dem Mann fehlt Humor und Gelassenheit.

Haben Sie Ihr Versprechen vertraglich festgehalten?
Ja, es gibt ein unterschriebenes Dokument. Ich bin ganz bestimmt kein Zechpreller.

Würden Sie eine Rüge akzeptieren?
Dafür gibt es keinen Grund. Wenn schon, müsste man Roger Liebi rügen, weil er mit der Regel bricht, nicht mit Vertraulichem aus der Rechnungsprüfungskommission an die Medien zu gelangen. Das ist kein faires Spiel. Ich gehe davon aus, dass alles korrekt gelaufen ist. Alles andere ist Nebengetöse, die Karawane zieht weiter.

Weshalb ist Ihnen der Hafenkran so viel Geld wert?
Für mich ist entscheidend, dass wir auch in Zeiten, wo die Mittel knapper werden, in Kultur investieren. Sonst wäre das ein Armutszeugnis für Zürich. Und deshalb bin ich auch bereit, persönlich Verantwortung zu übernehmen. Ich will, dass dieses Kind endlich geboren wird. Befürworter und Kritiker haben ein Recht darauf, endlich zu erfahren, was wirklich passiert, wenn der Hafenkran steht.

Ihr Versprechen könnte für Sie teuer werden. Auf was müssten Sie verzichten?
Meine Frau und ich stammen aus einfachen Verhältnissen und schwimmen nicht im Geld. Da wir aber in den letzten Jahren etwas Geld auf die Seite gelegt haben, werden wir nicht darben müssen. Ausserdem sind wir optimistisch, dass andere mitmachen werden. Es gibt schon einige Zusagen von Spendern, auch von Fans des Hafenkrans, die nicht in Zürich wohnen. Wir hoffen also, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Wie erreichen Sie die Leute, die Ihnen beim Stemmen des Betrags helfen sollen?
Über die Medien, ich twittere, gebe Interviews. Morgen zum Beispiel bin ich mit meiner Frau auf TeleZüri. Aber ich hüte mich davor, als Bettler aufzutreten. Man soll den Hafenkran unterstützen, weil man ihn lässig findet.

Der Hafenkran ist Ihr Baby. Kritik dafür einstecken musste aber vor allem Ruth Genner, Ihre Nachfolgerin im Tiefbaudepartement. Haben Sie deswegen ein schlechtes Gewissen?
Nein, Entscheide mitzutragen, die ein Vorgänger getroffen hat, gehört zum Amt eines Stadtrats. Das garantiert Kontinuität. Ausserdem wissen alle, dass ich den Hafenkran «verbrochen» habe. Ich habe ihn ja auch als Sozialvorsteher der Öffentlichkeit vorgestellt.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb eine temporäre Kunstaktion die Gemüter dermassen erhitzen kann?
Kunst ist ein dankbares Streitthema, die Kontroverse gehört dazu. Und natürlich sind 600'000 Franken viel Geld. Doch der Hafenkran wird sämtliche Zürcherinnen und Zürcher unterhalten, und zwar gratis. Dabei sollte man nie vergessen: in einem Jahr wird alles vorbei sein, und nur noch eine Erinnerung. Das hat was Poetisches.

Wo steht momentan der Hafenkran?
Zur Geschichte gehört, dass der Kran erst noch freigelegt werden muss. Ich werde den Künstlern jetzt sicher nicht die Geschichte verpfuschen.

Und wie transportieren Sie den Stahlriesen an die Limmat?
Natürlich wird er vor dem Transport zerlegt. Sonst stünde auf seinem Weg quer durch Europa bald keine Autobahnbrücke mehr.

Spendenkonto für Hafenkran: 61-359 723-3, Vermerk «maritime Lovestory».

Erstellt: 15.01.2014, 17:09 Uhr

Martin Waser (SP) ist Sozialvorsteher der Stadt Zürich. (Bild: Sophie Stieger)

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