Löwenbräu-Hochhaus steht schief

Der Wohnturm Löwenbräu Black in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes hat sich nicht wie berechnet gesenkt. Deshalb müssen jetzt Decken und Böden der teuren Eigentumswohnungen aufwendig nivelliert werden.

3 Zentimeter in Schieflage: Der Löwenbräu Black Tower von den Viaduktbögen aus gesehen.

3 Zentimeter in Schieflage: Der Löwenbräu Black Tower von den Viaduktbögen aus gesehen. Bild: Sophie Stieger

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Mehrere Millionen Franken zahlen sie. Und eigentlich sollten die Käufer der teuren Eigentumswohnungen jetzt die verschneiten Dächer von Zürich-West durch die Kipp-Hub-fenster betrachten können. Doch statt Weihnachten im schicken Turm Löwenbräu Black zu feiern und zu «wohnen, wo Zürich am spannendsten ist» (Verkaufsbroschüre), müssen sie sich mindestens bis nächsten Sommer oder Herbst gedulden. Und sicher ist auch dieser Einzugstermin im nächsten Jahr nicht. Weder Bauherrin PSP Swiss Property noch Generalunternehmer Steiner wollen ihn garantieren.

Turm ist steifer als geplant

Doch die Wohneigentümer in spe sind froh, wenigstens einen möglichen Bezugstermin zu kennen. Lange Zeit sei man hingehalten worden und habe keine Informationen von der PSP erhalten, sagt eine Käuferin, die anonym bleiben möchte. Der Unmut über die Informationspolitik liess die Käufer zusammenrücken: Sie bildeten eine IG Käuferschaft. Am Mittwochabend informierten PSP und Steiner auf Druck der IG über die Hintergründe der Verzögerungen.

Schuld ist in erster Linie der Turm, der sich nicht wie berechnet gesenkt hat. Eigentlich hätte das 70 Meter hohe Gebäude, das mit seiner Auskragung an ein Periskop erinnert, sich in Richtung Limmatstrasse um rund 6 Zentimeter senken sollen. «Jetzt sind es rund 3 Zentimeter weniger als geplant, was bei solchen Bauten durchaus vorkommen kann», sagt Piero Ruprecht, Leiter der Bautreuhand der PSP. Der Grund dafür ist nicht etwa die Beschaffenheit des Bodens, sondern das Gebäudetragwerk. Es sei steifer ausgeführt worden, als man angenommen habe. Im Mai wurde der Stahlblock, auf dem die Auskragung bisher lastete, teilweise entfernt. Seither hat sich der Turm praktisch schon in die Endposition gesenkt. Auch wenn er laut Ruprecht noch ein wenig nachgeben kann.

Verlust an Raumhöhe

Weil der Turm – wenn auch nur wenig – schief steht, wirkt sich das auf die Innenräume aus. Die schrägen Böden und Decken müssen nivelliert werden. An der Infoveranstaltung erregten die geplanten Gipsplatten, welche die Decken begradigen sollen, den Unmut der Käufer. Weil sich das Gebäude noch senken kann, wird bei den Platten eine Fuge offen gelassen. «Diese Fuge ist als hässlich bezeichnet worden», sagt die Informantin. Wegen der Gipsplatte und weil der Boden entsprechend leicht erhöht werden muss, sind die Räume auch nicht mehr ganze 2,6 Meter hoch wie geplant. Die PSP rechnet mit einem Verlust von 2 bis 3 Zentimetern. Einige Käufer hätten angekündigt, den Vertrag annullieren zu wollen. Davon weiss zumindest Ruprecht nichts. Niemand sei bisher vom Verkaufsvertrag zurückgetreten.

Die PSP sagt, ihr seien wegen der Ausbesserungen weder ein Schaden noch zusätzliche Kosten entstanden. Mit grösster Wahrscheinlichkeit muss der ausführende Generalunternehmer Steiner für die Mehrkosten geradestehen. Dieser will sich nicht dazu äussern. Die Kosten dürften erklecklich sein. Solche Zusatzarbeiten verursachten Mehrkosten, die eine Million Franken übersteigen könnten, sagt der Baurechtsexperte Simon Schaltegger.

Auch die neuartigen Kipp-Hub-Fenster strapazierten den Zeitplan. Die Testphase habe länger gedauert als geplant, sagte Stephan Lüdi von der PSP an der Informationsveranstaltung. Die Fenster wurden eigens nach Plänen der ausführenden Architekturbüros Gigon/Guyer und Atelier WW gebaut.

Die PSP räumte an der Veranstaltung ein, bei der Informationspolitik Fehler begangen zu haben. Aber zu viele Fragen wollte man am Mittwoch den Eingeladenen auch nicht zugestehen. Am Ende der Vorträge hat Lüdi laut der Informantin gesagt: «Drei Fragen haben noch Platz, der Risotto wartet.» Diese Aussage sei nicht gut angekommen. Man habe den Eindruck erhalten, PSP wolle etwas vertuschen.

Teuerste Wohnungen noch frei

Von den 58 Wohnungen sind bisher 45 verkauft. Die gleichen Zahlen teilte PSP bereits vor eineinhalb Jahren mit. Ruprecht bestätigt, dass seit längerer Zeit keine weiteren Wohnungen mehr verkauft worden sind. Nervös mache dies PSP aber nicht. Er sei überzeugt, die restlichen Wohnungen verkaufen zu können. Mit den Verzögerungen am Bau habe der Verkaufsgang nichts zu tun. Es wird wohl am Preis liegen. Zu haben sind noch die teuersten Wohnungen in den oberen Etagen. Darunter auch eine 455 Quadratmeter grosse Loft.

Preise gibt PSP keine bekannt. An dieser Lage dürfte der Quadratmeter mindestens 20'000 Franken kosten, was einen Verkaufspreis von 9,1 Millionen Franken ergäbe. Weil sich für das ursprünglich geplante Penthouse kein Käufer finden liess, sind daraus zwei Einheiten von 330 und 400 Quadratmeter entstanden.

Erstellt: 07.12.2012, 07:25 Uhr

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