Interview

«Männer tragen grössere Taschen aus dem Geschäft»

Olivier Burger ist Chef des grössten unabhängigen Schweizer Modeunternehmens. Im Interview verrät er seine Pläne und sagt, warum Feldpausch von der Zürcher Bahnhofstrasse verschwindet.

«Es braucht mehr Parkplätze in Zürich»: PKZ-Chef Olivier Burger im PKZ Men an der Bahnhofstrasse.

«Es braucht mehr Parkplätze in Zürich»: PKZ-Chef Olivier Burger im PKZ Men an der Bahnhofstrasse. Bild: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

An der Bahnhofstrasse geben Sie in diesen Tagen das Burger-Geschäft auf. Künftig gibt es nur noch zwei PKZ-Filialen an der berühmten Einkaufsmeile. Lief es schlecht?
Nein. Die Konzentration auf zwei Häuser und die Marke PKZ gibt uns mehr Kompetenz und verringert die Werbeausgaben. Dadurch steigt natürlich auch die Flächenproduktivität. Wir haben künftig an der Bahnhofstrasse 4000 Quadratmeter Ladenfläche. Plusminus ist das die gleiche Fläche wie bisher, da wir PKZ Women um 500 Quadratmeter vergrössern können. Mehrere Marken unter einem Dach anzubieten, ist nach unserer Ansicht sehr zukunftsträchtig. Viele Leute wollen nicht ein Geschäft nach dem anderen abklappern.

Trotzdem – die Bahnhofstrasse scheint kein gutes Pflaster mehr für Modehäuser zu sein: Sie geben Burger auf, Migros hat Schild gekauft, und Fein-Kaller gibt es seit 2011 nicht mehr.
Die Bahnhofstrasse befindet sich in einem Wandel, der schon vor längerer Zeit begonnen hat. Insbesondere hat die Zahl der Uhren- und Schmuckgeschäfte stark zugenommen. Nicht erfolgreich sind wenig profilierte Konzepte, die sich an alle richten. Auch die Mieten sind erheblich gestiegen. Wer an einer Toplage wie der Bahnhofstrasse erfolgreich sein will, muss sehr produktiv sein. Für die Burger-Filiale bezahlten wir allerdings einen fairen Mietzins.

Geben Sie die Burger-Filiale auch auf, weil der Onlinehandel stark zulegt?
Dies ist ein Grund. Der Onlineteil wird sich noch mehr auf die Innenstädte auswirken. Es braucht automatisch weniger Ladenflächen. Unser Onlineshop wächst stark und hat allein letztes Jahr um 30 Prozent zugelegt. In der Schweiz werden 6 Prozent im Modebereich online erwirtschaftet. In England beträgt dieser Anteil bereits 20 Prozent.

Beim Onlinehandel stellen sich neue Probleme – verschmutzte Waren oder Kleider, die nur für einen Anlass bestellt und dann wieder retourniert werden.
Wir sind positiv überrascht, wie die Waren retourniert werden. Unsere Kunden sind diszipliniert. Wir hatten auch in den Läden schon Kundinnen, die am Samstag ein Abendkleid gekauft und am Montag zurückgebracht haben. Die Retourenquoten im Onlinehandel steigen aber tendenziell an. Frauen bestellen etwa für ihre Männer, die nicht gern shoppen gehen, eine Auswahl Kleider nach Hause. Was nicht gefällt, wird anschliessend retourniert.

Mit der Konzentration auf die Marke PKZ verschwindet der Name Feldpausch. Schwingt da nicht auch Wehmut mit?
Doch. Wir haben grosse Achtung vor diesem 1927 gegründeten Unternehmen, das wir vor 17 Jahren übernahmen. Vor kurzem habe ich Gretel Leonhardt-Feldpausch einen Brief geschrieben und sie über die Neuerungen informiert. Darauf rief sie mich an und beglückwünschte mich zu diesem Schritt. Die Kundinnen sagen, es sei gar nicht so wichtig, was über der Tür stehe. Ausschlaggebend seien Sortiment und Personal.

Sie leiten Ihren Betrieb in der vierten Generation. Spüren Sie da einen Druck auf Ihren Schultern lasten?
Ich habe es nie als eine Belastung empfunden. Wir arbeiten in einem sehr schönen, vielfältigen Beruf. Dafür braucht es Leidenschaft und Freude.

Sie haben zwei Söhne. Steht bereits die fünfte Generation bereit?
Es braucht Freude am Beruf, eine gute Ausbildung und einen beruflichen Leistungsausweis. Bevor sie diese drei Sachen nicht im Rucksack haben, ist der Generationenwechsel kein Thema. Die Firma muss gut geführt sein, egal ob von einem Familienmitglied oder nicht. Das Unternehmen wird aber auch künftig im Familienbesitz bleiben.

Wie halten Sie sich selber modisch auf dem Laufenden?
Ich war kürzlich in Berlin, da fanden 12 Textilmessen gleichzeitig statt. Das ist aber nur das eine. Wir spüren und sehen natürlich auch die Trends auf der Strasse. Ich wohne in Wollishofen und fahre regelmässig beim Schulhaus Freudenberg vorbei, wo meine Kinder in die Schule gingen. Dort ist es interessant, zu beobachten, wie die Jungen sich kleiden.

Die neue PKZ-Women-Filiale erhält ein Restaurant. Genügt Mode allein nicht mehr?
Heute ist das Erlebnis beim Einkaufen enorm wichtig. Man soll sich im Laden wohlfühlen. Wir haben in den Filialen Style-Pad-Lounges eingeführt. Dort kann man verweilen, sich online über unsere Angebote informieren oder Zeitungen lesen. Der Bedarfsteil geht stark zurück. Die meisten haben volle Kleiderschränke. Man muss mehr bieten als ein weiteres neues, weisses Hemd. Nur die Kleider hinzustellen, funktioniert nicht mehr.

Frauen kaufen mehr Mode ein als Männer. Sind sie auch die einfacheren Kunden?
Hört man sich bei unserem Verkaufspersonal um, gelten Männer als die einfacheren Kunden. Männer gehen weniger häufig einkaufen, etwa drei- bis viermal pro Jahr. Die Frau kauft zwei- bis dreimal pro Monat ein. Frauen sind, was die Mode anbelangt, besser informiert und auch anspruchsvoller. Sie wählen auch häufiger selber aus. Männer tragen meistens grösseren Taschen aus dem Geschäft. Frauen sind Spontankäuferinnen, Männer Bedarfskäufer.

Was läuft besonders gut?
Diesen Winter haben wir extrem gut Lederleggings verkauft. Das stretchige Leder macht eine tolle Figur und ging weg wie warme Weggli.

Viele internationale Marken eröffnen ihre eigenen Shops. Drohen Sie dadurch grosse Namen zu verlieren?
Wir sind zufrieden mit unserem Marken-Portfolio, und die Lieferanten sind glücklich mit uns. Wir pflegen langjährige Beziehungen. Eröffnet eine Marke an der Bahnhofstrasse ihren eigenen Shop, verlieren wir dadurch keinen Umsatz.

Wie wird sich die Bahnhofstrasse weiterentwickeln?
Ich hoffe wie bisher. Insgesamt finde ich die Entwicklung toll. Alle grossen Marken sind in dieser Einkaufsstrasse präsent, und dies bei einer Bevölkerung von nur 400'000 Einwohnern. Verbessern könnte man die Parkplatzsituation.

Wollen Sie mehr Parkplätze in der Innenstadt?
Das Angebot ist zu klein. Es braucht mehr Parkplätze, diese können auch unterirdisch sein. Am sogenannten historischen Kompromiss festzuhalten, ist hirnrissig. Eine blöde Beschränkung. Zürich wächst, und da muss sich auch die Infrastruktur anpassen.

Reklamieren Kunden wegen fehlender Parkplätze?
Natürlich. Einige sagen, sie fänden keinen Parkplatz oder müssten viel zu weit laufen. In Zürich müssen wir aufpassen, dass wir nicht die gute einheimische Kundschaft verlieren. Man muss sich den Kundenbedürfnissen anpassen.

Wünschen Sie sich mehr Verkehr in der City?
Nein. Ich wäre sogar dafür, dass das Tram in der Bahnhofstrasse unterirdisch verkehren würde. Diese neuen Parkplätze können ebenso wie die Strassen in der Innenstadt unter dem Boden sein. Natürlich kostet das Geld, aber in Zürich fehlt dazu der Mumm. Ich begrüsse auch den autofreien Münsterhof.

Haben Sie Expansionspläne ins Ausland, nach Asien?
Das ist durchaus denkbar. Unser eigene Marke Paul Kehl, die wir vor etwa fünf Jahren wieder zum Leben erweckten, würde sich dafür eignen. Ich darf auf Geheiss des Amtes für geistiges Eigentum aber Paul Kehl nicht als «Swiss Trade Mark» bezeichnen. Wir würden dem Kunden damit vorgaukeln, dass die Ware in der Schweiz hergestellt sei. Paul Kehl existiert seit 1881. Swiss Design darf ich auf die Kleider schreiben. Dies ist ein Beispiel dafür, wie wir uns hierzulande selber behindern.

Erstellt: 04.02.2014, 09:59 Uhr

Artikel zum Thema

Millionen für «Grünes Ruhekissen» an Bahnhofstrasse gestoppt

Hintergrund Die Pestalozziwiese beim Globus hätte die wichtigste Einkaufsmeile Zürichs aufwerten sollen. Doch nun hat das Stadtzürcher Tiefbauamt die 4,5 Millionen Franken teure Neugestaltung sistiert. Mehr...

«Das war ein Schock für die Manor-Mitarbeiter»

Interview Manor an der Bahnhofstrasse ist in der Existenz bedroht, weil die Miete auf 19 Millionen Franken steigen soll. Jetzt mag Generaldirektor Bertrand Jungo nicht mehr länger schweigen. Mehr...

«Ein Konstrukt der Zürcher»

Interview Oprah Winfrey versus Bahnhofstrasse: Gesellschaftskolumnist Mark van Huisseling über Arroganz. Mehr...

Olivier Burger

PKZ-Chef
Olivier Burger, 59, ist seit 1993 Chef und Alleinbesitzer der PKZ-Gruppe. Dazu zählen die Modehäuser PKZ, Burger, Feldpausch, Blue Dog und Paul Kehl. Der Konzern erzielt einen Umsatz von 200 Millionen Franken, beschäftigt knapp 700 Mitarbeiter und betreibt in der ganzen Schweiz 50 Filialen. Zum Geschäft gehört auch die Onlineplattform www.thelook.com.

Olivier Burger konzentriert sich künftig auf PKZ und Paul Kehl, die anderen Marken verschwinden. Die Feldpausch-Filiale an der Bahnhofstrasse wird umgebaut und in PKZ Women umbenannt. Die Burger-Filiale an der Bahnhofstrasse schliesst in diesen Tagen. PKZ steht für Paul Kehl Zürich, der das Unternehmen 1881 gründete. Nach Kehls Tod 1910 übernahm Paul Carl Burger die Geschäfte. 1974 wurde die Kleiderproduktion eingestellt. Seither konzentrierte sich das Unternehmen auf den Handel.

Seit fünf Jahren entwirft und produziert es wieder unter der Marke Paul Kehl eine eigene Kollektion. PKZ ist eines der letzten Schweizer Modegeschäfte an der bekannten Zürcher Einkaufsmeile. Burger ist in zweiter Ehe mit Hilda Burger-Calderón verheiratet und hat zwei Söhne, die 23 und 25 Jahre alt sind.
(bg)

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Zum Wiehern: Ein Pferd scheint sich in Feldberg im Schwarzwald über die weisse Pracht zu freuen. (18. November 2019)
(Bild: Patrick Seeger) Mehr...