Manege frei für die Frauen

Der Circus Monti gastiert auf dem Sechseläutenplatz – und überzeugt zum 30-Jahr- Jubiläum mit jungen und starken Artistinnen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie sich die Schlangenfrau vorne in der Manege verrenkt, das sieht so ungesund aus, dass manche im Publikum kaum hinsehen können. «Hat die überhaupt eine Wirbelsäule?», fragt jemand. Als sie am Ende ihrer Vorführung einen Hexenschuss vortäuscht, nur um dem Premierenpublikum gleich darauf die Zunge rauszustrecken, ist das Lachen gross. Anaëlle Molinario (27) ist eine Meisterin der Kontorsion, der Kunst des Körperverbiegens. Die zartgliedrige Französin betört das Publikum aber nicht nur mit ihrer Biegsamkeit, sondern auch mit ihrem Charme.

Das passt zu Franz Hohlers Worten vor der Vorführung: «Für mich ist der Circus Monti ein Zirkus der leisen Töne, der den Spagat zwischen humoristisch und spektakulär schafft.» An der Premiere am Mittwochabend drängt sich die Prominenz auf dem Sechseläutenplatz, wo die gelben Zelte des Circus Monti aufgespannt sind. Es ist nach dem Gastspiel des Circus Knie erst das zweite Mal, dass die speziell für Zirkusse angebrachten Löcher im Quarzitboden genutzt werden, drei Tage statt des üblichen Halbtages dauerte der Aufbau. Am Eingang treffen wir Nationalrat Hans Fehr (SVP), der den Aufstieg vom kleinen Familienzirkus zum mittelgrossen Unternehmen bewundert, beim Anstehen plaudern vor uns Adolf Muschg und Charles Clerc. Und kurz vor Beginn der Vorstellung, als die Lichter schon aus sind, eilt Kathy Ricklin (CVP) hinein und zwängt sich aufs Holzbänkchen.

Alles ist perfekt eingespielt

Der Circus Monti, 1985 gegründet von Guido Muntwyler, tourt dieses Jahr zum 30. Mal durchs Land. Bevor es im März losging, hatten die 17 Artistinnen und Artisten über zwei Monate im Winterquartier Gruppennummern geprobt, welche die einzelnen Darstellungen verbinden. Auch die Musik für die sechsköpfige Liveband wurde extra komponiert. Jetzt im August sind die Abläufe des Programms «Bonjour la vie!» perfekt eingespielt. Nahtlos geht es von einem Kunststück zum anderen, wir staunen noch über die Zaubernummer mit den rasend schnellen Kleiderwechseln, als schon die nächsten Artisten mit ihren Diabolos hantieren und mit den mit einer Schnur verbundenen Holzstöcken die sanduhrförmigen Kegel mühelos und in einem Affentempo durch das Zelt werfen und fangen. Dazwischen blödeln zwei Clownfrauen («Mir sind die Alte, mit de vile Falte»), deren Gesinge zwar gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem unverzichtbar ist.

Es ist ein Programm der jungen und starken Frauen. Man sollte die beiden Finninen Sanni Lehtinen (26) und Nella Niva (24) nicht unterschätzen, wenn sie aufgeregt schnatternd die Manege betreten. Kaum turnen sie am Trapez und schwingen sich gegenseitig durch die Lüfte, ist klar, warum sie Oberarme haben, für die Fitnesstrainer töten würden. Oder die Zürcher Seiltänzerin Katharina Dröscher (24), die so sicher über das Seil tanzt und springt, als gelte die Schwerkraft nur für den Rest der Menschheit.

Der Circus Monti gastiert noch bis zum 21. September auf dem Sechseläutenplatz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2014, 07:22 Uhr

Artikel zum Thema

Befleckt

Der neue Sechseläutenplatz ist nach den Auftritten des Circus Knie von Flecken übersät. Was die Stadt deswegen zu tun gedenkt. Mehr...

Eine Familie lebt für den Zirkus

Die Muntwylers touren seit 28 Jahren mit ihrem Circus Monti und frischen Ideen durch die Lande. Mehr...

«Unser Verhältnis zum Tierschutz ist gestört»

Die Tiere in Schweizer Zirkussen werden gemäss einem Bericht gut behandelt. Fragezeichen gibt es aber weiterhin beim einstigen Sorgenkind Circus Royal. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Sweet Home Zeit, sich ums Esszimmer zu kümmern

Tingler Schreiben Sie Tagebuch?

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...