Manor ist nicht mehr erwünscht

Die Warenhauskette droht ihr Flaggschiff an der Luxusmeile zu verlieren. Hauseigentümerin Swiss Life will im Oscar-Weber-Gebäude neu Shops und Büros unterbringen. Dagegen wehrt sich Manor vor Gericht.

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Auf den Manor an der Bahnhofstrasse warten goldene Zeiten. Diesen Eindruck weckt zumindest die Medienmitteilung, welche die Warenhauskette gestern verschickte. Am kommenden Wochenende wird im Oscar-Weber-Haus an der Bahnhofstrasse 75–79 gefeiert:

«Neuer Look, neue Brands, noch mehr Lifestyle-Shopping – nach einem Jahr Umbau und der Erneuerung aller Etagen bei laufendem Betrieb erstrahlt Manor in der Zürcher Bahnhofstrasse in neuem Glanz. Insgesamt 12 Millionen Franken wurden in das Warenhaus investiert, das sich nun noch grossstädtischer und glamouröser präsentiert.»

Manor kann marktüblichen Mietzins langfristig nicht zahlen

Diese Aussichten drehen sich ins Gegenteil, wenn man mit der Swiss Life spricht, der das Gebäude gehört. Immobilienchef Martin Signer sagt: «Wir glauben nicht, dass ein Warenhaus an unserem Standort langfristig einen marktüblichen Mietzins zahlen kann.» Mit kleineren Shops und Büros erziele man höhere Mieten. «In unseren Immobilien steckt das Geld der Versicherten, ihnen sind wir verpflichtet», sagt Signer. Manor bezahle heute nur «einen Bruchteil» der marktüblichen Miete. Deshalb plant Swiss Life in Zukunft ohne Manor als Mieter.

Der Lebensversicherer hat am vergangenen Freitag das Gesuch für den Umbau des Gebäudes eingereicht. Laut Signer werden die Arbeiten rund 100 Millionen Franken kosten. Im Parterre und im ersten Stock will der Konzern acht bis zehn Ladenlokale einrichten, die je nach Bedarf der Mieter auch ins Kellergeschoss hinunterreichen. In den Etagen zwei bis fünf sind Büros im hochpreisigen Segment vorgesehen: für Anwälte, Berater, Treuhänder, denen die repräsentative Adresse «Bahnhofstrasse» wichtig ist. Zuständig für den Umbau ist das Architekturbüro Spühler Partner, das bereits das ehemalige Grandhotel Bellevue instand gesetzt hat. Zwei Jahre wird der Umbau dauern. Äusserlich wird sich das Gebäude wenig verändern, die Fassade wird lediglich aufgefrischt. Grössere Eingriffe wären auch gar nicht möglich: Das Haus ist im Inventar der Denkmalpflege eingetragen.

30 Jahre alter Vertrag läuft aus

Der Umbau komme jetzt, weil der Mietvertrag mit Manor nach 30 Jahren am 31. Januar 2014 auslaufe, sagt Signer. «Danach wollen wir sofort mit den Arbeiten beginnen.»

Dagegen wehrt sich Manor. Der Konzern ist gegen Swiss Life vor Gericht gegangen. Eine Sprecherin schreibt, sie könne lediglich bestätigen, dass es bei der Miete mit Swiss Life «gewisse Differenzen» gebe: «Diese werden zurzeit vom Zürcher Mietgericht geklärt.»

Zu den Gründen des Prozesses sagt Manor nichts. Swiss Life hingegen gibt Auskunft: Im Vertrag gebe es eine Option auf Verlängerung um 5 Jahre bis 2019, sagt Martin Signer. Swiss Life habe Manor eine Offerte zu heutigen Marktpreisen gemacht, und das Warenhaus habe abgelehnt. «Uns wird vorgeworfen, unser Angebot zähle nicht als echte Offerte – weil der Mietzins darin viel höher ist als bis jetzt.»

Mieterstreckung von 2 Jahren möglich

Wahrscheinlich ist, dass dieser Rechtsstreit noch Jahre dauern wird – sollte Manor vor Mietgericht verlieren, kann die Warenhauskette den Entscheid weiterziehen und so den Umbau blockieren. Dazu hat Manor einen zweiten juristischen Pfeil im Köcher: die Erstreckung. Das Warenhaus könne eine Verlängerung des Vertrags erzwingen – mit der Begründung, dass eine «Härte» vorliege, sagt Anwalt Armin Zucker, Präsident des Verbands der Geschäftsmieter. Dies, weil der Mietvertrag bereits über 10 Jahre läuft und weil es für das Warenhaus sehr schwierig ist, ein Ersatzgebäude zu finden. «Realistisch ist in Zürich eine Erstreckung von ungefähr 2 Jahren», sagt Zucker. In diesem Bereich scheint auch ein Kompromiss möglich. Sowohl Manor als auch Swiss Life sagen, sie seien an einer Lösung interessiert, die für beide Seiten stimme.

In diesem Licht macht auch der 12-Millionen-Umbau des Warenhauses Sinn: Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Manor-Logo von der Fassade des Hauses abgeschraubt wird.

Erstellt: 25.09.2013, 07:24 Uhr

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Die Besitzverhältnisse: Der Apple-Shop bleibt auch nach dem Umbau am Oscar-Weber-Gebäude. (Bild: Grafik TA)

Was geschieht mit dem Apple Store?

Manor ist nicht der einzige Mieter im Oscar-Weber-Haus, der von den Plänen der Swiss Life betroffen ist. Ex Libris und die Parfumerie Marionnaud werden ihre Flächen räumen, McDonald’s und der Kosmetik-Shop Lush können bleiben: «Wir werden um sie herumbauen», sagt Martin Signer von Swiss Life.

Ein Spezialfall ist der Apple Store. Das Geschäft befindet sich an der Bahnhofstrasse 77, zwischen Manor und Marionnaud. Dieser Hausteil gehört nicht der Swiss Life, sondern der alteingesessenen Zürcher Familie Nörr. Heute hat Swiss Life den Gebäudeteil gemietet und an Apple (Parterre, Untergeschoss) beziehungsweise Manor (obere Stockwerke) weitervermietet. Auch diese Verträge laufen am 31. Januar 2014 aus. Danach will die Familie Nörr ihren Hausteil vom restlichen Gebäude abtrennen: In die oberen Stockwerke – die heute Teil des Manor-Warenhauses sind – sollen Trennwände eingezogen werden. Das Haus erhält eine eigene Heizung, ebenso Wasser und Strom. «Wir wollen uns reautonomisieren», sagt ein Vertreter der Familie. Swiss Life hatte angeboten, den Hausteil zu kaufen oder mit einem anderen Objekt zu tauschen, aber die Familie entschied sich dagegen.

Das sei keine Frage der Rendite-Maximierung, sondern der Tradition. «Das Haus gehört seit über hundert Jahren unserer Familie. Frühere Generationen der Nörrs haben darin gewohnt und das grösste Lodengeschäft der Schweiz betrieben», sagt das Familienmitglied. Mit dem Umbau habe man es nicht eilig. Sollten sich Swiss Life und Manor auf einen Kompromiss einigen, werde die Familie mitziehen.

Im Apple Store drängen sich heute die Kunden. «Wir gehen davon aus, dass Apple gerne mehr Fläche für sich beanspruchen würde», sagt Martin Signer von Swiss Life. Wird also aus dem NörrHaus ein Apple-Haus? Der Vertreter der Familie sagt, ein Ausbau des Ladens sei nicht ausgeschlossen. Man führe Gespräche mit dem US-Konzern, aber wegen des Verfahrens zwischen Swiss Life und Manor sei heute vieles unklar: «Wir warten ab.» Apple selbst gab gegenüber dem TA keinen Kommentar ab. (ms)

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