Mauch rät geplagten Gewerblern zu einer Strassenparty

Eine vergessene Ausnahmeregel soll baustellengeschädigten Läden in Zürich helfen, ihre Geschäfte wieder in Gang zu bringen.

Eine der über 50 Zürcher Baustellen 2015: Die Birmensdorferstrasse. Bild: Urs Jaudas

Eine der über 50 Zürcher Baustellen 2015: Die Birmensdorferstrasse. Bild: Urs Jaudas

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Der Zürcher Stadtrat überrascht mit einer unorthodoxen Lösung für jenes Problem, das derzeit die halbe Welt umtreibt: Wie bringt man die Wirtschaft wieder in Schwung, wenn es mal nicht mehr rundläuft? Das eine Lager schwört bekanntlich auf staatliche Investitionen, das andere auf eisernes Sparen. Der dritte Weg, den die Zürcher nun aufzeigen: ein Strassenfest – oder noch besser: eine ganze Reihe von Strassenfesten. Das geht aus einer Kolumne von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) hervor, die heute im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen ist.

Das Problem in Zürich ist freilich auch ein ganz anderes als im Rest der Welt. Statt um Finanzblasen und Konjunktureinbrüche geht es hier um die vielen Baustellen, die die Schaufenster der Läden verstellen und die Kunden fernhalten. Sei es am Bellevue, am Albisriederplatz oder an einem der anderen über 50 Orte in Zürich, wo die Strassen aufgerissen und neu geteert werden: Wann immer die Stadt die Maschinen auffahren lässt, sind ihr die Klagen der Gewerbler gewiss.

Normalerweise sind solche Feste tabu

Stadtpräsidentin Mauch äussert in ihrer Kolumne Verständnis dafür. Der Stadtrat wolle den Gewerbetreibenden helfen, die Geschäfte nach solchen einschränkenden Bauarbeiten wieder zum Laufen zu bringen, und zwar mit einer «speziellen Wiederankurbelungsmassnahme»: Jene, die unter längeren Tiefbauarbeiten gelitten haben, dürfen danach ein Strassenfest veranstalten, um ihre Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen. Dies als Ausnahme – normalerweise sei der öffentliche Raum nämlich für kommerzielle Strassenfeste tabu.

Diese Regel sei im Prinzip nichts Neues, sie sei aber in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten, heisst es beim Präsidialdepartement auf Anfrage. Während einer Gemeinderatsdebatte Mitte Juni kamen das Parlament und die Stadtregierung deshalb überein, man müsse sie den betroffenen Gewerblern in Erinnerung rufen.

Skepsis beim Gewerbeverband

Selbst Nicole Barandun, Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbands, wusste nichts von dieser Möglichkeit. Allzu viel verspricht sie sich nicht davon. «Ich halte das eher für einen Gag – durch ein Strassenfest sind die Einnahmeausfälle kaum wettzumachen.» Zudem eigne sich die Massnahme nicht für alle Gewerbetreibenden gleichermassen: Für einen Restaurantbesitzer etwa könne es sich lohnen, ein Fest zu organisieren, für einen Schreiner hingegen weniger.

Wichtiger seien in Anbetracht der Bauerei in der Stadt Zürich zwei andere Punkte. Erstens, dass während der Bauzeit der Zugang zu den Geschäften gewährleistet und gut sichtbar sei, auch für die Lieferanten. Zweitens, dass die Arbeiten rechtzeitig angekündigt und nicht kurzfristig wieder verschoben würden, damit die Geschäfte ihre Betriebsferien darauf abstimmen können.

Erstellt: 08.07.2015, 12:06 Uhr

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