Maulkorb für den neuen Männerlobbyisten

Kaum ist der kantonale Männerbeauftragte Markus Theunert im Amt, liefert er unfreiwillig Schlagzeilen. Er darf sich dazu nicht äussern.

Die Boulevard-Medien hätten ihn unzulässig zugespitzt zitiert: Der Männerbeauftragte Markus Theunert.

Die Boulevard-Medien hätten ihn unzulässig zugespitzt zitiert: Der Männerbeauftragte Markus Theunert. Bild: Keystone

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Der Zürcher Männerbeauftragte Markus Theunert windet sich lange am Telefon. Und sagt schliesslich nur, dass er nichts sagen dürfe zum Artikel in der Gratiszeitung «20 Minuten». Diese berichtete gestern, Theunert fordere als Präsident des Vereins Männer.ch, dass Lehrer ihren Schülern Pornofilme zeigen sollten. Die Autorin berief sich auf einen Artikel der «NZZ am Sonntag», der über Forderungen des Dachverbands aller Männer- und Väterorganisationen differenzierter berichtet hatte.

Männer.ch hatte schon Ende Oktober die Stellungnahme zu einer Gesetzesrevision auf Bundesebene zur Strafbarkeit von Pornografie veröffentlicht. Der Dachverband fordert darin unter anderem, dass sich «Eltern und geschulte Fachleute nicht mehr strafbar machen, wenn sie mit klarem pädagogischem Ziel innerhalb eines sorgfältig gewählten und klar definierten Settings pornografische Darstellungen unter 16-Jährigen zugänglich machen». Jugendliche dürften jedoch nicht gegen ihren Willen mit solchem Material konfrontiert werden.

«In Boulevard-Falle getappt»

Theunert ist erst seit zwei Wochen im Amt als kantonaler Männerbeauftragter und durfte gestern weder zu den Presseartikeln noch zu den Vorschlägen von Männer.ch etwas sagen. Er verwies auf die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann. Diese schrieb in einer kurzen Mitteilung, Theunert habe sich als Privatperson geäussert, seine Aussagen würden nicht die Meinung der Fachstelle wiedergeben. Die angesprochenen Fragen gehörten nicht in ihr Zuständigkeitsgebiet. Und der Mediensprecher von Justizdirektor Martin Graf (Grüne) teilte mit, dass keine weiteren Fragen beantwortet würden.

Den ganzen Tag hat Theunert aber nicht geschwiegen: Morgens um 6.02 Uhr hatte er sich zum vermeintlichen Skandal geäussert – auf seiner persönlichen Facebook-Seite: «Läuft grad in die Boulevard-Falle und muss schon frühmorgens eine Richtigstellung schreiben: Natürlich will Männer.ch nicht, dass Lehrer Schülern Pornos zeigen.» Die Richtigstellung veröffentlichte er dann auch auf der Männer.ch-Homepage. Er schreibt dort, dass die beiden Zeitungen die Meinung von Männer.ch in unzulässiger Weise zugespitzt hätten.

Theunert sage lauter kluge Sachen

Markus Theunert stehe als erster Männerbeauftragter der Schweiz stark unter Beobachtung der Medien und Politik, sagt Ivo Knill, Vorstandsmitglied von Männer.ch. Mit seinem Amt sei Theunert eine öffentliche Person geworden. Theunerts Stelle hat im In- und Ausland für viel Aufsehen gesorgt. Selbst die deutsche Feministin Alice Schwarzer äusserte sich dazu: Er sage lauter kluge Sachen – und sehe auch sehr gut aus.

Erstellt: 17.07.2012, 07:27 Uhr

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