«Mehrere Stunden, bis die Rauchwolke abzog»

Am letzten Wochenende explodierten am Züri-Fäscht 50'000 Knallkörper. Lokal stiegen die Feinstaubwerte dadurch massiv an.

Lichtermeer über Zürich: 12 Tonnen pyrotechnisches Material wurden am Züri-Fäscht in die Luft geschossen.

Lichtermeer über Zürich: 12 Tonnen pyrotechnisches Material wurden am Züri-Fäscht in die Luft geschossen. Bild: Keystone

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Nach den beiden Feuerwerkspektakeln waberte über Zürich eine grauweisse Rauchfahne. Schlägt sich dies in Ihren Messstationen nieder?
Ja, das können wir deutlich sehen. Die Wolke zog zu unserer Station an der Stampfenbachstrasse, wo wir Feinstaub messen. Dort hatten wir in der Nacht von Freitag auf Samstag über kurze Zeit einen Wert von mehr als 220 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist etwa fünf- bis sechsmal mehr als vorher. In der darauffolgenden Nacht hatten wir dort ebenfalls einen Extremwert, während wir in Wiedikon in beiden Fällen nichts davon bemerkt haben.

Laut Angaben des Veranstalters wurden 12 Tonnen pyrotechnisches Material in die Luft geschossen, darunter 6 Tonnen Schwarzpulver. Wie lang bleibt dies in der Luft?
Das kommt ganz auf die Wetterverhältnisse an. Beim ersten Feuerwerk dauerte es mehrere Stunden, bis die Rauchwolke abzog und sich verdünnte. Interessant ist, dass beim zweiten Ereignis kurz danach die Luft sehr schnell wieder relativ rein war, weil es ab 0.30 Uhr einen heftigen Gewitterschauer gab.

Das heisst, dass der chemische Cocktail aus Verbindungen auf Basis von Kalium, Aluminium, Barium, Magnesium, Strontium, Kupfer, Blei, Eisen, Schwefel und vielem mehr heruntergekommen ist.
Zum grossen Teil ist dies sicherlich der Fall. Wo und wann genau diese Stoffe durch Niederschlag aus der Luft gewaschen oder durch Wind verwirbelt werden, kann man nicht präzis sagen.

Hat ein solches Grossereignis Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung?
Für eine gesunde Person spielt dies in der Regel keine Rolle, weil die erhöhte Feinstaubbelastung nur sehr kurzzeitig und lokal beschränkt ist. Dagegen können die im Rauch enthaltenen kleinen Partikel, wenn sie erst einmal in die Lunge gelangen, bei sehr empfindlichen, alten Menschen, Kleinkindern oder Patienten mit Atemwegserkrankungen negative Effekte haben. Allerdings muss man sagen, dass die chronische Belastung durch Feinstaub in der Stadt eine viel grössere Gefährdung darstellt als zwei solche kurzen Extremwerte an einem Wochenende.

Für Diskussionen sorgte im Vorfeld der Veranstaltung die Patrouille Suisse mit ihren Kampffliegern. Wirkt sich eine solche gigantische Show am Himmel auch auf die Zürcher Luft aus?
Natürlich ist ein Kampfjet nicht umwelt- und klimaverträglich, weil er enorme Mengen an Abgasen produziert. Doch anstatt über Zürich wären sie an diesem Wochenende wahrscheinlich woanders geflogen. Deshalb müsste man sich eher die Grundsatzfrage stellen, ob man es überhaupt will oder nicht. Weil die Tiger F5 ein paar Hundert Meter über Grund fliegen, können wir es hier unten gar nicht messen.

Aufgrund des Züri-Fäscht wurde die Innenstadt an vielen Orten für den Autoverkehr grossflächig gesperrt. War dadurch die Luft zum Teil auch wieder besser als an einem ganz gewöhnlichen Tag?
Das haben wir nicht untersucht. Generell gilt jedoch, dass weniger Autoverkehr auch weniger Emissionen bedeutet.

Dieses Jahr wurde am legendären Züri-Fäscht im Vergleich zu früher mehr geballert. Sollte man aus Ihrer Sicht das riesige Feuerwerk in Zukunft etwas mehr auf Sparflamme fahren?
Es ist ein riesiges Fest, das den Leuten Spass macht. Zumindest den meisten von ihnen. Dennoch sollte man sich Gedanken machen, ob es irgendwo auch Grenzen gibt. Und ob immer alles noch grösser werden soll.

Erstellt: 05.07.2010, 22:02 Uhr

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