«Mein Naturell ist für einige eine Art Provokation»

Doris Fiala hat weiterhin Ambitionen aufs Stadtpräsidium – trotz der Turbulenzen um ihre Masterarbeit.

Doris Fiala: Die 56-jährige Zürcher Unternehmerin schaffte 2007 den Sprung von der Lokalpolitik nach Bundesbern in den Nationalrat.

Doris Fiala: Die 56-jährige Zürcher Unternehmerin schaffte 2007 den Sprung von der Lokalpolitik nach Bundesbern in den Nationalrat. Bild: Reuters

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Tages Anzeiger: Frau Fiala, schon wieder sind Sie in den Schlagzeilen. Ihr Traum vom Stadtpräsidium sei geplatzt, so die «NZZ am Sonntag», weil Sie bei Ihrer ETH-Arbeit unsauber ans Werk gegangen seien. Haben Sie wirklich bereits aufgegeben?

Wissen Sie, genau das wollen meine Kritiker jetzt hören. Mir wird unterstellt, dass ich wegen der Plagiatsvorwürfe nun zum Rückzug blase. Dabei habe ich bis heute zu einer Kandidatur fürs Stadtpräsidium weder Ja noch Nein gesagt. Ich habe nur gesagt: Das ist das schönste politische Exekutivamt, das es in der Schweiz gibt.

Wir wollen jetzt Klartext hören. Treten Sie an?

Eine Wahlschlappe können und wollen wir uns nicht mehr leisten. Meine Partei muss zuerst herausfinden, welche Kandidatin, welcher Kandidat die grösste Wahlchance haben könnte. Wenn sich herausstellen sollte, dass ich am geeignetsten wäre und die Partei auch geschlossen hinter mir stünde, dann erst überlege ich mir eine Kandidatur konkret.

Das heisst: Lust und Begeisterung sind ungebrochen – trotz der negativen Schlagzeilen?

Mein begeisterungsfähiges Naturell, mein positives Denken, meine fast stets gute Laune sind offenbar für einige eine Art Provokation. In einer Krise muss man Schritt für Schritt gehen, möglichst unaufgeregt handeln und nicht «s Gschirr verrüehre». Meine Sorge gilt heute professioneller Schadensbegrenzung.

Wie fest hat Sie persönlich die Plagiatsgeschichte verletzt?

Ich versuche bei groben Anwürfen gegen meine Person immer, die Frage zu stellen: Was von den Vorwürfen gilt effektiv mir und was entspringt vielleicht eher dem Frust des Angreifers und hat nur wenig mit mir zu tun? Die Psychologie nennt das Projektion. Was auch immer geschehen mag: Ich werde nicht frustriert enden.

Hatten Sie Kontakt mit dem Angreifer, einem ehemaligen SVP-Mitglied?

Nein. Sein Name ist mir zwar bekannt. Jeder Spezialist weiss um die Fragwürdigkeit sogenannter Plagiatsentdeckerprogramme per Computer. In meinem Falle zeigte das Programm offenbar sogar das Inhaltsverzeichnis meiner Arbeit an. Das zeigt, wie unzuverlässig das ist. Interessant ist die Tatsache, dass der Angriff just dann gestartet wurde, als mich die Medien als Stadtratskandidatin ins Spiel brachten.

Jeder Politiker muss doch damit rechnen, dass alles irgendwann ans Licht kommt, was Schlagzeilen und Quoten bringt. Was würden Sie im Nachhinein anders machen? ‹br› Ich würde der Forderung nach derart hoher Transparenz widerstehen und meine Arbeit nicht mehr im Lebenslauf auf meine Website stellen. Zudem würde ich bei einer Masterarbeit die formalen Aspekte noch viel genauer abklären. Die wichtigste Frage dabei wäre: Wie intensiv darf die Fachliteraturwissen als Allgemeinplatz zitiert werden und wie exakt muss es trotzdem referenziert sein.

Die NZZ, das Leibblatt des Freisinns, warf Ihnen darauf vor, Sie würden auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Wie kontern Sie diese Kritik?

Wie gesagt: Ich bin ein begeistertes Arbeitstier. Kann sein, dass die sehr hohe Kadenz in meinem Arbeitsalltag, dass dieser Kantenlauf – zusammen mit Weiterbildung und Beruf – seinen Tribut gefordert hat und ich in der Masterarbeit deshalb zu wenig exakt war.

Und all das soll jetzt laut dem gestrigen Bericht dazu geführt haben, dass Sie sich selber aus dem Rennen um einen Sitz in der Zürcher Stadtregierung genommen haben. Was steckt dahinter?

Innerhalb der FDP und auch innerhalb der NZZ-Gruppe gibt es noch immer die unbeantwortete Frage des Sinns oder Unsinns einer bürgerlichen Allianz. Das zeigte sich im Artikel der «NZZ am Sonntag». Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich zur bürgerlichen Allianz stehe. Das gefällt nicht allen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2013, 07:56 Uhr

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