Metro: Zürcher schielen neidisch nach Lausanne

Die Lausanner Metro zog am Wochenende die Besucher zu tausenden an und löste Begeisterungsstürme aus. Zürichs Verkehr bleibt oberirdisch, viele Zürcher sind eifersüchtig.

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London, Paris, Berlin, Madrid und neuerdings auch Lausanne. Die viertgrösste Stadt der Schweiz hat in Sachen unterirdischer Verkehr die Nase vorn. 150'000 Menschen haben bis vergangenen Sonntagabend die erste vollautomatische Metro der Schweiz testen und lieben gelernt. Viele würdigten nach der ersten Fahrt die Metro sogar mit Standing Ovations. Weniger enthusiastisch sind die Reaktionen aus Zürich, wie folgende Lesermeinungen beweisen:

U.B.: Lausanne hat das gemacht, was in Zürich schon seit 40 Jahren fällig wäre. Aber die Stadt Zürich setzt immer noch auf die sehr langsame Strassenbahn.

Hansueli Meili: Bravo Lausanne, leider haben es die Zürcher verpasst eine U-Bahn zu bauen, sie bauen immer noch Tram-Linien wie vor 100 Jahren und sind noch stolz darauf den gesamten Verkehr zu blockieren. Die Schweiz braucht wieder Visionen wie sich die Zukunft bewältigen lässt.

B.F.: Gratulation an Lausanne! Ich hoffe, dass ich das neue Verkehrsangebot in Lausanne schon bald mal selber testen kann. (Da bin ich doch schon fast ein bisschen neidisch... :-) )

1973 wollten die Zürcher keine Metro

Stadtrat Andreas Türler, der oberste Chef der VBZ, kann diese neidvollen Gefühle verstehen: «Ja, das ist schade, dass wir in Zürich keine Metro haben. Mit dem Volksentscheid von 1973 wurden die Weichen gestellt, und dieser Entscheid lässt sich nicht umbiegen. Wir haben in Zürich dafür das S-Bahn-Netz und das VBZ-Tram- und Busnetz als Feinverteiler. Über 850'000 Fahrgäste sind täglich mit der VBZ-Zürilinie unterwegs, das spricht für sich.»

Nachdem schon 1962 die Tiefbahn keine Chance hatte beim Stimmvolk, wurden 1973 die U-Bahn-Pläne für Zürich definitiv begraben. Nach einem erbitterten Abstimmungskampf sprachen sich überraschenderweise 71 Prozent der Stadtzürcher gegen die U-Bahn aus. Heute zeugt nur noch der Tunnel zwischen Milchbuck und Schwamendingen von den ambitiösen Plänen. Wo täglich die Tramlinien 7 und 9 verkehren, hätte ursprünglich Zürichs U-Bahn fahren sollen.

VBZ-Netz wird bis 2025 massiv ausgebaut

Mit dem Nein zur U-Bahn wurden vor 25 Jahren die Weichen für den Ausbau des Tram- und Busnetzes der VBZ gestellt. Seither wird dieses dauernd erweitert. Die Pläne der VBZ reichen bis ins Jahr 2025. Als nächste Projekte stehen das Tram Zürich-West, dessen Spatenstich am 9. September erfolgt ist. 2015 soll das Tram Hardbrücke, 2020 die Tramtangente Rosengarten folgen. Und im Jahr 2025 stehen die Tramtangente Zürich-Süd, sowie die Verlängerung der Forchbahn an. Eine unterirdische Bahn hat in diesen Zukunftsplänen keinen Platz. Wer in der Schweiz Metro fahren will, dem bleibt vorläufig also nur die Reise nach Lausanne. Für ein wenig Metro-Feeling reicht eventuell auch eine Fahrt mit der Skymetro am Flughafen Zürich, oder, mit viel Fantasie, eine Tramfahrt nach Schwamendingen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2008, 09:48 Uhr

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