Migros wirbt mit Raser auf E-Bike

Die Migros-Tochter M-Way wirbt mit einem Temposünder ohne Helm, der auf einem E-Bike durch die Stadt rast. Ausgerechnet die Unfälle mit schnellen Elektrovelos nehmen aber rasant zu.

«Einmal hat mir ein Radar zugeblitzt»: Auf ihrem Plakat suggeriert die Migros, die Käufer ihrer schnellen E-Bikes sollen das Tempolimit überschreiten.

«Einmal hat mir ein Radar zugeblitzt»: Auf ihrem Plakat suggeriert die Migros, die Käufer ihrer schnellen E-Bikes sollen das Tempolimit überschreiten. Bild: Leserrerporter

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So schnell fahren, dass es blitzt – und das ohne Helm; mit diesem Bild wirbt die Migros für ihre E-Bikes von M-Way. Gemäss dem Geschäftsführer von Pro Velo Kanton Zürich, Dave Durner, belegt die Unfallstatistik der Stadtpolizei Zürich, dass 2011 dreimal mehr E-Bikes verunfallten als noch im Jahr zuvor.

Das liege zwar auch an der steigenden Anzahl von Elektrovelos im Strassenverkehr, «aber rund ein Drittel davon waren schnelle E-Bikes, die eine Geschwindigkeit von 25 km/h übersteigen. Das ist eine überproportionale Unfallrate», sagt Durner auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Mit Augenzwinkern betrachten

Angesichts dieser Zahlen sei die Werbung der Migros «nicht sinnvoll». Ihn störe weniger, dass ein Radfahrer ohne Helm abgebildet ist. «Verwerflich finde ich eher den Slogan, der eine Übertretung der Verkehrsregeln suggeriert», erklärt Durner.

Auch Rolf Moning, Mediensprecher des Beratungsstelle für Unfallverhütung, ist nicht zufrieden mit der Werbung: «Die BfU setzt sich für das Fahren mit angepasster Geschwindigkeit ein. Insofern entspricht die Werbung sicher nicht unseren Wunschvorstellungen.» Anderseits arbeiteten Werbeschaffende nun einmal mit provokativen Elementen, sagt Moning: «Die Sprache und der Gesichtsausdruck des Mannes sollten wohl ausdrücken, dass die Werbung mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis zu nehmen ist.»

Migros muss nachbessern

Die Kampagne, die laut M-Way auf abgesperrten Strassen fotografiert wurde, solle zwar den Spass an der Geschwindigkeit vermitteln, sagt der Marketing- und Kommunikationschef, Thomas Schröder, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Aber wir empfehlen ausdrücklich, einen Helm zu tragen und wollen die Fahrer nicht dazu animieren, Verkehrsregeln zu übertreten.» Das wäre laut Schröder ohnehin nicht möglich: «Das schnellste Elektrovelo in unserem Sortiment erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 48 km/h.» Dabei vergisst er allerdings, dass es in den Städten unzählige Tempo-30-Zonen gibt.

Der Bundesrat hat erst letzte Woche ein Helm-Obligatorium für Elektrovelos erlassen, die schneller als 25 km/h sind. Deshalb soll der Elektrovelofahrer auf den M-Way-Plakaten bald einen Helm bekommen: «Nach dem beschlossenen Helm-Obligatorium haben wir neue Bilder mit Helm angefertigt und werden die Kampagne dementsprechend anpassen», sagt Schröder.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2012, 14:20 Uhr

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