Hintergrund

Millionen für «Grünes Ruhekissen» an Bahnhofstrasse gestoppt

Die Pestalozziwiese beim Globus hätte die wichtigste Einkaufsmeile Zürichs aufwerten sollen. Doch nun hat das Stadtzürcher Tiefbauamt die 4,5 Millionen Franken teure Neugestaltung sistiert.

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Ein «grünes Ruhekissen» sollte es werden. Mitten in der Zürcher City, zwischen Bahnhofstrasse und Globus. So sahen es die Pläne der Stadt für die Neugestaltung der stark frequentierten Pestalozziwiese vor. Weil Zürichs Mini-Central-Park nach Ansicht der Stadt den heutigen Ansprüchen zum Teil nicht mehr genügt, wollte sie die Grünanlage umgestalten und leicht vergrössern. 2007 führte die Stadt einen Projektwettbewerb durch. Als Sieger ging das Team Hager Landschaftsarchitekten, Huggenberger Architekten und D’lite Lichtdesign hervor.

Das Siegerprojekt sah eine durchgehende, sanft gewölbte Rasenfläche vor, in welche die bestehenden Bäume und das Pestalozzidenkmal integriert würden. Die Grünanlage sollte allseitig geöffnet und durchlässiger gestaltet werden. Gegen die Usteristrasse und die Schweizergasse waren neue Aufenthaltsbereiche mit Bäumen, Sitzbänken und einem Brunnen geplant.

«Prioritäten setzen»

«Der Hektik des umgebenden Stadtzentrums wird damit ein grünes Ruhekissen im bildlichen und funktionalen Sinne entgegengesetzt», lobte die Jury und sprach von einem «wohltuenden Anachronismus» im Gefüge der Bahnhofstrasse. Im Zuge der Neugestaltung sollte auch die Ausfahrt aus dem Globus-Parkhaus mit der heiklen Querung der Bahnhofstrasse aufgehoben und durch eine kombinierte Ein- und Ausfahrtsrampe auf die Löwenstrasse ersetzt werden.

Auf 4,5 Millionen Franken hatte die Stadt die Kosten für die Umgestaltung veranschlagt, 2,5 Millionen Franken wollte sie für die Änderung des Verkehrsregimes ausgeben. Der Baubeginn war für Anfang 2012 vorgesehen, später dann auf 2013 verschoben worden. Doch jetzt stellt sich heraus: Das grüne Ruhekissen kommt bis auf weiteres gar nicht. «Die Neugestaltung der Pestalozziwiese wurde auf unbestimmte Zeit zurückgestellt», bestätigt der Tiefbauamtsprecher Stefan Hackh. Vor dem Jahr 2020 werde das Projekt bestimmt nicht wieder aktuell.

Die Anlage ist nicht in einem so schlechten Zustand, dass sich eine Sanierung aufdrängt.

Als Gründe für die Sistierung nennt Hackh einerseits finanzielle Überlegungen. Wegen der angespannten Situation in der Stadtkasse müsse das Tiefbauamt Prioritäten setzen und sich auf dringend nötige Sanierungen konzentrieren. Andererseits spielt laut Hackh auch der Umbau der Bahnhofstrasse eine Rolle, der noch bis kommenden November dauert.

Diese Bauarbeiten seien mit Unannehmlichkeiten für die Geschäfte und deren Kunden verbunden. Deshalb wolle man nicht gleich nach Abschluss der Strassensanierung die Pestalozzianlage umbauen und damit der Bevölkerung und Ladenbesitzern erneut Einschränkungen zumuten. Den Umbau des Parks zeitgleich mit der Sanierung der Bahnhofstrasse vorzunehmen, sei nicht möglich gewesen, erklärt Hackh. Politischen Widerstand oder grundsätzliche Einwände gegen die Neugestaltung habe es dagegen nur sehr vereinzelt gegeben.

Parkhausausfahrt bleibt

Schubladisiert ist mit diesem Entscheid auch das Verkehrsprojekt. Die bestehende Ausfahrt aus dem Parkhaus Globus mit anschliessender Querung der Bahnhofstrasse bleibe vorerst weiter bestehen, wie Globus-Sprecher Jürg Welti sagt. Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, nimmt die Sistierung des Projekts mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Die Änderung der Ausfahrt aus dem Parkhaus hätte er begrüsst.

Andererseits sei es verständlich, dass die Stadt den Ladenbesitzern und Kunden nicht noch mehr Bauarbeiten zumuten wolle. Sie seien dadurch bereits jetzt erheblich belastet. Zudem befinde sich die Pestalozzianlage noch nicht in einem derart schlechten Zustand, dass sich eine sofortige Sanierung derzeit aufdränge.

Landschaftsarchitekt Guido Hager, der das Siegerprojekt entworfen hat, reagiert auf den Rückschlag gelassen: «Das gehört zum Geschäft.» Wenn bauliche Änderungen an einem so prominenten Ort geplant seien, müsse man mit Verzögerungen rechnen. Es gebe Projekte, an denen sein Büro bereits seit 30 Jahren arbeite.

Einst eine Hinrichtungsstätte

Die Pestalozzianlage gilt als Zürichs teuerste Wiese und als geschichtsträchtiger Ort. Bis 1860 sollen dort Verbrecher guillotiniert worden sein. Seine heutige Gestalt bekam der Park erst mit dem Abbruch des Linth-Escher-Schulhauses und dem Neubau des Globus-Warenhauses im Jahr 1968. Bis in die 70er-Jahre war die Wiese mit einem Schild «Rasen betreten verboten!» versehen. Das Pestalozzidenkmal steht seit 1899. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2014, 10:32 Uhr

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