Millionen gegen Drogen

50 Polizisten bekämpfen die Drogenkriminalität in der Stadt Zürich. Das kostet mehr als 7 Millionen Franken.

10'000 Hanfpflanzen stellte die Polizei in Bülach sicher. Foto: Kantonspolizei Zürich

10'000 Hanfpflanzen stellte die Polizei in Bülach sicher. Foto: Kantonspolizei Zürich

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40 Polizisten der Kriminalabteilung und mindestens 10 Uniformierte stehen in der Stadt Zürich im Einsatz ­gegen die Betäubungsmittelkriminalität. Der Stadtrat rechnet, dass Zürich mindestens 7,5 Millionen Franken dafür ausgeben muss. In der Summe enthalten sind neben den Löhnen – einschliesslich Sozialleistungen und Zulagen – auch die benötigten Einsatzmittel.

Die Zahlen stammen aus der Antwort des Stadtrats auf eine schriftliche Anfrage der grünen Gemeinderäte Matthias Probst und Markus Kunz. Diese kritisierten, dass «ein grosser Teil der Einsatzkräfte der Stadt für die sinnloseste aller Polizeiarbeiten – die Repression gegen Betäubungsmittel – verwendet» werde. So jage «die Stadtpolizei, sogar unter Einsatz von Drogenhunden, immer noch Tag und Nacht CannabiskonsumentInnen und Kleindealer».

Polizei geht gegen Händler vor

Das sieht der Stadtrat anders: Die Polizisten würden praktisch ausschliesslich Drogenhändler verfolgen, schreibt er in seiner Antwort. Der Einsatz gegen Strassenhändler insbesondere im Langstrassenquartier zeige durchaus Wirkung. Der Handel nehme sofort zu, wenn die Präsenz der zivilen und uniformierten Polizei nachlasse. Die Stadtpolizei arbeite nur dann repressiv, wenn dies Sinn ergebe. Cannabis gelte jedoch weiterhin als verbotenes Betäubungsmittel, schreibt der Stadtrat weiter. Volljährigen Konsumenten mit 10 Gramm Cannabis droht eine Busse von 100 Franken.

Nur 10 Prozent aller Betäubungsmitteldelikte betreffen gemäss Stadtrat den Cannabishandel. Beim grossen Teil handelt es sich um harte Drogen wie Heroin, Kokain sowie Thai-Pillen und Crystal Meth. Im Fokus stünden auch Indoor-Anlagen, die sich aber meist ausserhalb der Stadt befänden.

Die Stadt möchte sich im Weiteren an einem Pilotversuch beteiligen, in dem «neue Formen der Cannabisregulierung und Möglichkeiten eines legalen Konsums erprobt werden», schreibt der Stadtrat in der Antwort. Das ist nicht neu, die Stadt hat diese Absicht mehrmals geäussert. Und der Gemeinderat hat vor zwei Jahren einen Pilotversuch befürwortet. Eine Arbeitsgruppe nimmt laut dem Stadtrat momentan Abklärungen vor. Im Spätsommer hiess es bei den Gesundheitsdiensten noch, dass kein konkretes Projekt in Planung sei.

Fast jeder 30. verzeigt

Eine Statistik im stadträtlichen Schreiben gibt im Weiteren erstaunliche Zahlen preis: Beinahe jeder 30. Stadtzürcher ist demnach mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt geraten. 2012 wurden von 1000 Einwohnern 30 verzeigt, weil sie gegen das Gesetz verstossen hatten. Im vergangenen Jahr ging die Zahl auf 28 zurück. Damit liegt Zürich im Mittelfeld. In Basel-Stadt waren es mit 19 und 18 Verzeigungen pro 1000 Einwohner in den beiden Jahren deutlich weniger, in der Stadt Bern mit 54 und 50 Verzeigungen dagegen wesentlich mehr. Noch mehr Verzeigungen weist die Stadt Lausanne auf: 2012 waren es 57, letztes Jahr gar 62 auf 1000 Einwohner. Die Stadt Winterthur weist 24 im Jahr 2012 und 23 im Jahr 2013 auf. Die Höhe der Zahl dürfte mit der Häufigkeit der Kontrollen ­zusammenhängen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2015, 21:14 Uhr

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