Mit Absperrband gegen längere Öffnungszeiten im Letzipark

Das Einkaufszentrum Letzipark hatte am Samstag erstmals bis 20 Uhr geöffnet. Die Leitung spricht von einem Erfolg. Die Gewerkschaften protestieren – und wollen dies weiterhin tun.

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Am Samstag um 18 Uhr ist im Letzipark noch nichts von Ladenschlussstimmung zu spüren. Die Schlangen vor den Kassen sind lang, noch länger ist die Schlange der Kinder vor der Hüpfburg. Statt der Durchsage, das Einkaufszentrum schliesse demnächst, erschallt der Aufruf, man solle nun aus Solidarität mit dem Verkaufspersonal nach Hause gehen. Die Lautsprecher und die Redner sind von der Gewerkschaft Unia, die sich seit vier Monaten gegen die Ausdehnung der Öffnungszeiten im Letzipark wehrt. Die Gewerkschafter und ein Teil der betroffenen Angestellten verteilten Flyer, die sich in einem entschuldigenden Ton an die Kundschaft wenden und um Verständnis für die Protestaktion bitten. Weniger zurückhaltend als der Text auf dem Flyer ist das Vorgehen der Gewerkschafter, die sich nach 18 Uhr daranmachen, vor den Geschäften Absperrband zu spannen und die Kundschaft explizit auffordern, den Laden nicht zu betreten.

Lieber ausschlafen

Das Verkaufspersonal verhält sich unterschiedlich. Einige gesellen sich zu den Protestierenden, andere begnügen sich damit, den Kunden an der Kasse einen Flyer mitzugeben. Nicht wenige stellen sich auch sichtbar gegen die Protestaktion. «Wir schlafen morgens gerne aus», verkünden zwei Verkäuferinnen einer Modeboutique. Deshalb mache es ihnen nichts aus, am Abend länger zu arbeiten. Der Chef im Dienst bei Vögele hat kein Verständnis für den Protest. «Die Sache ist ja eh schon beschlossen, was soll man sich noch aufregen? Ich bin nur ein kleiner Fisch, ich kann nichts daran ändern», erklärt er. Gegen diejenigen, die vor seinem Geschäft stehen und die Kunden wegzuweisen versuchen, bestellt er den Sicherheitsdienst. «Vor dem anderen Eingang steht auch noch einer, der soll auch abfahren!», ruft er den Securitas zu, als sie zu dritt anrücken. Das Sicherheitspersonal hält sich dann aber zurück – schliesslich sind Kunden anwesend.

Auch das Verständnis der Kundschaft ist geteilt. Einige lassen sich in Gespräche mit den Gewerkschaftern verwickeln, soweit eine Verständigung wegen des gellenden Trillerpfeifenlärms möglich ist. Andere wollen sich nicht durch politische Fragen vom Shoppen abhalten lassen.

Gegenseitige Vorwürfe

Am Ende der Protestaktion fühlen sich beide Parteien als Sieger. Mario Tomaschett, Geschäftsführer des Manor und Vizepräsident der Mietervereinigung, gibt sich sichtlich erleichtert. «Das war ein Tag! Wir waren schon etwas angespannt», sagt er. Nun sei alles gut ausgegangen. In allen Geschäften habe man jederzeit einkaufen können, der Umsatz bei Manor sei gut gewesen, ein finanzieller Schaden nicht entstanden. Von der Belegschaft des Manor habe niemand an der Protestaktion mitgemacht, sagt er.

Die Gewerkschaft verkündet demgegenüber, drei Viertel aller Angestellten hätten sich an der Protestpause beteiligt, «trotz massiver Drohung und Einschüchterung durch die Zentrumsleitung». Den Vorwurf der Einschüchterung weist Tomaschett weit von sich. Es sei im Gegenteil die Unia gewesen, die enormen Druck auf die Geschäfte und die Angestellten ausgeübt habe. Als blanke Lügen bezeichnet er die Klage der Gewerkschaft, im Letzipark seien 12-Stunden-Tage und 14 Arbeitstage am Stück keine Seltenheit.

Tomaschett wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die Zentrumsleitung habe «leichtfertig eine Eskalation herbeigeführt», indem sie die Verhandlungen habe platzen lassen, wie die Unia dies in einer Medienmitteilung kommunizierte. Die Gewerkschaft habe sich mit ihren Anliegen einfach an den falschen Gesprächspartner gewandt, als sie von der Mietervereinigung flankierende Massnahmen verlangte, um die längeren Öffnungszeiten abzufedern. Die Mietervereinigung könne die einzelnen Geschäfte nicht zwingen, in ihre Arbeitsverträge besondere Klauseln aufzunehmen, etwa, dass die Angestellten höchstens einen Samstag pro Monat bis 20 Uhr arbeiten dürften. Maria José de Olazabal von der Unia entgegnet, dieses Argument sei nur eines von vielen Zeichen für die «Arroganz der Zentrumsleitung im Umgang mit den Angestellten». Selbstverständlich wäre es möglich, die Mieter zu Schutzmassnahmen für die Arbeitnehmer zu verpflichten, sagt sie. Das beste Beispiel hierfür sei das Shopville, wo die Mieter gewisse Pflichten in der Arbeitszeitplanung ihrer Angestellten eingehen müssen.

Die Gewerkschaft kündigt nun an, «immer wieder im Letzipark zu sein und zu protestieren». Tomaschett möchte die Mietervereinigung noch einmal einberufen, um die Frage der Öffnungszeiten ein weiteres Mal zu verhandeln. Die Unia wertet dies als einen Etappensieg. Tomaschett macht aber klar, dass ihm trotz Verhandlungsbereitschaft die Hände gebunden seien. Die verlängerten Öffnungszeiten würden dem Letzipark von der Konkurrenz praktisch aufgezwungen, zu den flankierenden Massnahmen könne die Mietervereinigung die einzelnen Geschäfte rechtlich nicht zwingen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2008, 21:57 Uhr

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