Mit Farbmonstern gegen Vandalen

So gross anrichten wie an der Rötelstrasse konnten Graffitikünstler in Zürich noch nie. Die monumentale Malerei soll Sprayer fernhalten.

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Die Figuren sind riesig, farbig und skurril. Und sie machen rundum Freude, wie Christa Gilgen von der reformierten Kirchenpflege Wipkingen sagt. Ihre Kirchgemeinde ist eine der Auftraggeberinnen der wohl grössten Graffiti-Fassadenmalerei der Stadt. Natürlich habe es im Vorfeld ein paar Diskussionen über den Kunststil gegeben, doch sei der Entscheid für das Projekt zumindest in ihrem Gremium einstimmig gefallen.

«Gemeinsam stark» heisst das Motto

Projektiert und ausgeführt hat die Fassadenmalerei das Künstlerkollektiv One Truth. Es darf bereits als renommiert bezeichnet werden, wenn auch nicht klar ist, ob dieses Attribut in ihrer Szene erwünscht ist. Seit geraumer Zeit bemalt und besprayt One Truth ganz legal Hauswände. Die acht Hausfassaden an der Rötelstrasse sind aber ihr bisher grösstes Projekt. Allein für die Ausführung waren fünf von ihnen eineinhalb Wochen lang tätig. Von 8 bis 22 Uhr. Die Figuren sind ihrer Fantasie entsprungen. Das von den Auftraggebern – neben der Kirchgemeinde zwei Vereine, die der reformierten Kirche nahestehen – vorgegebene Motto hiess «Gemeinsam stark». «Dieses Motto passt auch perfekt zu der Art, wie wir funktionieren», sagt Michael Senn von One Truth.

Den Ausschlag für die ungewöhnliche Kunst am Bau gab der Ärger darüber, dass die Fassaden häufig das Ziel von Vandalismus waren. «Statt diese Sprayereien immer wieder zu überstreichen, wollten wir die Sache positiv angehen», sagt Christa Gilgen. «Wir hoffen nun, dass der Ehrenkodex, dass gut gestaltete Fassaden tabu sind, von den Sprayern eingehalten wird.»

Ein Auftrag von Gökhan Inler

Bereits sind auch Promis auf die kreativen Köpfe aus der Zürcher Street-Art-Szene aufmerksam geworden. One Truth wurde vom bei SSC Napoli spielenden Schweizer Fussballer Gökhan Inler angefragt, ob sie eine Wand seiner Villa in Neapel verzieren wollen. Natürlich wollen sie: Geplant ist ein Fussballer im eigenwilligen One-Truth-Stil. Als Reverenz an den Schweizer Nati-Captain trägt er goldene Schuhe.

Erstellt: 24.04.2012, 10:20 Uhr

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