Mit der Adventszeit kommen die Bettler

In der Zürcher Altstadt sind derzeit auffällig viele Menschen unterwegs, die um Almosen bitten. Und das, obschon Betteln verboten ist.

Bitten um etwas Münz: In der Adventszeit sind mehr Bettler auf den Strassen sichtbar.

Bitten um etwas Münz: In der Adventszeit sind mehr Bettler auf den Strassen sichtbar. Bild: Keystone

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Es war ein beelendendes Bild, das sich einem am vergangenen Wochenende im Zürcher Niederdorf zeigte. An mehreren Stellen sassen junge Männer barfuss zusammengekauert an Hauswänden, eine Schale mit Münzen vor sich auf dem Boden. Die Kapuzenjacken vermochten sie kaum warm zu halten. Mancherorts gingen die Bettler die Passanten auch direkt an, streckten ihnen die hohle Hand oder Zettel entgegen, auf denen sie um etwas Geld bitten.

Betteln ist in der Stadt Zürich grundsätzlich verboten. Aber wer der Polizei nicht gemeldet wird, muss auch nicht mit einer Strafe rechnen. «Wir suchen die Strassen nicht aktiv nach Bettlern ab», sagt Polizeisprecher Marco Cortesi. Offenbar scheinen die Leute in der Adventszeit grosszügiger zu sein, denn bei der Polizei sind dieser Tage kaum Informationen über Bettler eingegangen. «Und die Weihnachtszeit, wenn die Menschen in Geberlaune sind, ist für sie natürlich interessant.»

Anreise per Bus aus dem Osten

Ein Muster punkto Bettleraufkommen lasse sich nicht feststellen, sagt Cortesi. Es gebe Monate, in denen keine einzige Meldung eingehe. In anderen Monaten werde wieder eine Häufung festgestellt. «Insgesamt gibt es pro Jahr zwischen 600 und 700 Verzeigungen, also durchschnittlich zwei pro Tag. Das ist im Vergleich mit anderen Schweizer Grossstädten nicht viel.»

Warten auf Almosen: Ein Bettler im Niederdorf (Bild: Leserreporter/TA)

Es seien vor allem Menschen aus dem Ostblock, die zum Betteln nach Zürich kommen, sagt Cortesi. Wie das Regionaljournal von Radio SRF kürzlich berichtete, sind es oft Roma aus Bulgarien, der Slowakei oder Rumänien. Sie werden etwa mit kleinen Bussen in die Städte gefahren und an Orten platziert, wo sich das Betteln am meisten lohnt. Ob das derzeit in Zürich der Fall ist, lässt sich nicht sagen. Aber auch hier waren bereits Roma-Clans unterwegs.

Einige von ihnen werden laut Radio SRF in den Ursprungsländern sogar extra zum Betteln rekrutiert – insbesondere jene mit einer Behinderung. Das erbettelte Geld müssten sie den Hintermännern jeweils abgeben.

Werden die Bettler in Zürich von der Polizei entdeckt, müssen sie das Geld ebenfalls abgeben. Was damit passiert, entscheidet das Stadtrichteramt. Danach werden sie laut Cortesi für 24 Stunden weggewiesen. Tauche ein Bettler trotz Rayonverbot wieder auf, werde er verhaftet und müsse vor den Richter. «Dieser spricht dann eine Busse aus. Gründe für eine längere Inhaftierung gibt es allerdings nicht.»

Erstellt: 17.12.2019, 14:29 Uhr

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