Ein Zürcher ÖV-Ticket für die PET-Flasche

Wie erhöht man die Recyclingquote von Plastikflaschen? AL-Gemeinderat David Garcia Nuñez hat so eine Idee.

Geht es nach zwei AL-Gemeinderäten, kann hier bald mit Getränkeflaschen bezahlt werden: Ticketautomaten im HB Zürich.

Foto: Keystone (Gaëtan Bally)

Geht es nach zwei AL-Gemeinderäten, kann hier bald mit Getränkeflaschen bezahlt werden: Ticketautomaten im HB Zürich. Foto: Keystone (Gaëtan Bally)

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In Rom, Mumbai und Peking stehen sie schon: Automaten, die leere PET-Flaschen schlucken und im Gegenzug ÖV-Tickets ausspucken. Erst im vergangenen Sommer hat die römische Stadtverwaltung drei solche Geräte aufgestellt.

Die Initiative heisst «+Ricicli+Viaggi»: Je mehr du recycelst, desto mehr reist du. «So einfach funktioniert die Kreislaufwirtschaft», sagte Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi bei der Lancierung. Die Sache ist auch ganz im Sinn der EU, die bei PET-Flaschen bis 2029 eine Recylingquote von 90 Prozent anstrebt.

Automaten am Bellevue und am HB

Begeistert von dem System ist auch ein Zürcher: AL-Gemeinderat David Garcia Nuñez. Er hat die Geräte in Rom bereits ausprobiert. Hierzulande, wo die PET-Recyclingquote trotz grosser Anstrengungen bei 82 Prozent stagniert, wären solche Automaten ebenfalls sinnvoll, finden Garcia Nuñez und sein Gemeinderatskollege Andreas Kirstein.

«Die Kosten für den öffentlichen Verkehr sind für viele Menschen in der Stadt Zürich prohibitiv hoch», begründen sie ihren Vorstoss an den Stadtrat. Wer sich kein VBZ-Ticket leisten könne, dem bleibe nicht nur der Zugang zu Tram, Schiff und Bus verwehrt, sondern auch die Teilhabe am städtischen Sozialleben.

Nun fordern die beiden vom Stadtrat, mit dieser Idee beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) vorstellig zu werden. Er solle sich fürs Aufstellen der Automaten an zentralen Verkehrsknotenpunkten einsetzen, zum Beispiel am Bellevue oder am Hauptbahnhof.

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Im Gegensatz zum klassischen PET-Recyling, um das sich die Händler, Hersteller und Importeure von Gesetzes wegen selber kümmern müssen, schwebt Garcia Nuñez und Kirstein eine Finanzierung der Ticket-Automaten mit Steuergeldern vor. «Auch die neuen, nach Abfallart getrennten Recylingsammelstellen an Tramstationen werden schliesslich von ERZ finanziert», sagt Kirstein.

Wolle man das Klima schützen, indem man den ÖV-Anteil und die Recyclingquote erhöhe, sei es auch Aufgabe des Staates, entsprechende Anreize zu schaffen. «Ich wünsche mir, dass dazu mehr originelle Ideen wie diese geprüft werden.»

So funktioniert der Recycling- Ticketautomat in Rom.

750'000 Flaschen in 11 Wochen

In Rom kommt das Modell nicht nur bei der Bürgermeisterin gut an. «Jenseits aller unserer Erwartungen», lautete nach wenigen Monaten die Bilanz von Pietro Calabrese, Spitzenbeamter für Transport und Verkehr. Innert elf Wochen seien in den drei Automaten 750'000 Flaschen entsorgt worden – für den Gegenwert von 25'000 Fahrkarten. Man wolle weitere Geräte aufstellen.

Noch einfacher als das System in Rom – es werden pro Flasche, die im Automaten verschwindet, fünf Eurocents in einer Ticket-App gutgeschrieben – funktioniert das System in der indonesischen Stadt Surabaya. Seit über einem Jahr schon kann man in der zweitgrössten Metropole des Landes sein Busticket mit Getränkeflaschen oder Plastikbechern bezahlen. Fünf Flaschen nur kostet eine zweistündige Fahrt. Automaten sind keine nötig: Der Busfahrer nimmt den Plastikabfall wie Kleingeld entgegen und liefert ihn bei Dienstende zum Recycling ab.

Plastikgeld einmal anders: In der indonesischen Stadt Surabaya kann direkt mit Getränkeflaschen bezahlt werden.

Erstellt: 09.12.2019, 12:19 Uhr

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