Mitten in Zürich vergammelt ein Haus

Grosses Unverständnis an der Langstrasse: Die Nummer 95 steht seit Jahren leer und ruiniert das Quartierbild. Doch der Besitzer lässt sich mit dem Umbau Zeit.

Aussen marod, innen mit Absicht vollständig zerstört: Das Haus an der Langstrasse 95. Bild: Clarissa Rohrbach

Aussen marod, innen mit Absicht vollständig zerstört: Das Haus an der Langstrasse 95. Bild: Clarissa Rohrbach

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«Das Haus ist eine Schande!» sagt Andy Bleiker, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Kreis 4, gegenüber dem «Tagblatt der Stadt Zürich». Die Liegenschaft an der Langstrasse 95 steht seit über fünf Jahren leer, und niemand weiss, was damit passieren wird. 2010 feierten dort noch rund 200 Hausbesetzer eine legendäre Party, Polizisten in Kampfmontur rückten aus.

Danach hielten verbretterte Fenster neugierige Blicke fern. Denn der Innenraum wurde vollkommen zerstört, um illegale Besetzer abzuschrecken. Laut Bleiker zirkulieren im Quartier viele Gerüchte über das versprayte Geisterhaus, doch Gewissheit gebe es keine. «Ich finde, die Stadt müsste auf den Besitzer Druck ausüben; solch ein Objekt passt nicht an die Langstrasse.»

«Der Eigentümer kann frei entscheiden»

Doch den Behörden sind die Hände gebunden. «Das Haus ist in privatem Besitz, der Eigentümer kann frei entscheiden, was er damit machen will», sagt Heike Isselhorst, Sprecherin des Hochbaudepartements. Die Baukontrolle dürfe nur einschreiten, falls die Sicherheit der Passanten gefährdet sei. Fakt ist: 2013 wurde eine Baubewilligung erteilt, um das Erdgeschoss in ein Restaurant umzuwandeln. Wann der Umbau tatsächlich stattfindet, ist Sache des Besitzers, meint Isselhorst.

Auf Anfrage erklärt der Eigentümer der Langstrasse  95, dass die Arbeiten unterbrochen wurden, weil die angeheuerte Baufirma in Konkurs ging. Nun wartet der Stadtzürcher, der seit 30  Jahren in der ­Innerschweiz lebt, auf eine «vernünftige Offerte». Er wolle nicht unnötiges Geld ausgeben für ein überrissenes Projekt. Der 66-Jährige möchte im Haus zehn Wohnungen schaffen. Die 2-Zimmer-Wohnungen sollen rund 1300 Franken kosten, die 3-Zimmer-Wohnungen rund 1800 Franken. Pläne seien bereits vorhanden.

Verkaufen ist keine Option

Der Besitzer der Liegenschaft habe fast ein Dutzend Angebote bekommen von Interessenten, die das Haus gern gekauft hätten. Einige wollten daraus ein Hotel machen. «Aber verkaufen ist für mich keine Option.» Wenn alles klappe, solle der Umbau im Winter beginnen. «Aber es kann sich natürlich auch wieder alles verschieben.» Das Quartier muss sich wohl weiterhin in Geduld üben.

Erstellt: 22.04.2015, 12:03 Uhr

Bambus-Haus

Der «Schandfleck der Löwenstrasse»

Der Bambus Store ist der Stachel im Fleisch der Löwenstrasse. Mitten im Tempel der Konsumgesellschaft zelebriert der Laden für Armee- und Seefahrermode seinen punkigen Anarchismus. Seit Jahrzehnten weigert sich die Besitzerin, die heruntergekommene Ladenfassade zu renovieren. Auch im Innern regiert das Chaos. Die konsequente Absage, beim konsumistischen Wettglänzen mitzumachen, brachte dem Laden den Titel «Schandfleck der Löwenstrasse» ein. Kunsttheoretisch handelt es sich um ein perfektes Readymade, ein fixfertiges engagiertes Statement gegen die Konsumgesellschaft. Anstatt dass die Stadt versuchte, die Besitzerin mittels Auflagen zu Renovationen zu zwingen (was bisher mässig erfolgreich war), könnte sie den Bambus, so wie er ist, unter integralen Schutz stellen. Das kostete keinen Rappen und liesse sich sicher hervorragend vermarkten.(bat)

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