Muslime räumen Sektflaschen weg

Während andere an Silvester feiern, leisten sie gemeinnützige Arbeit: Rund 40 junge Muslime sammeln heute in der Innenstadt freiwillig Glas ein.

Sie freuen sich auf den ungewöhnlichen nächtlichen Einsatz: Vier der Freiwilligen vor der Mahmud-Moschee am Balgrist.

Sie freuen sich auf den ungewöhnlichen nächtlichen Einsatz: Vier der Freiwilligen vor der Mahmud-Moschee am Balgrist.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Silvesterzauber in der Innenstadt hinterlässt Spuren: Jedes Jahr bleiben rund sechs Tonnen Glas liegen. Hätte Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) nicht tatkräftige Unterstützung, würde dieses Glas in der Kehrichtverbrennungsanlage landen. Die Flaschen und Gläser können nur von Hand eingesammelt werden.

Genau das tun rund 40 freiwillige Helfer in der Silvesternacht. Von neun Uhr abends bis um vier Uhr früh lesen sie Flaschen und Gläser auf – unterbrochen einzig vom Feuerwerk. Die Sammler sind junge Männer, die in der Jugendorganisation der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft organisiert sind. Das ist die Gemeinschaft, der die Mahmud-Moschee am Balgrist gehört.

Dienst an der Gemeinschaft

Die muslimischen Sammler sind dieses Jahr schon zum fünften Mal unterwegs. Bekannt machen sie ihren Einsatz aber erst jetzt. Es gehe ihnen eben nicht um ihr Image, erklärt Abdul Waraich, Präsident der Amadiyya-Jugendlichen: «Ziel ist es vielmehr, dass unsere Jugendlichen lernen, etwas mit ihren Händen zu tun und eine Arbeit zu leisten, die nicht so prestigeträchtig ist.» Sein Bruder Rashid ergänzt, der Dienst an der Gemeinschaft sei im Islam ein wichtiger Wert: «Wir leisten immer wieder gemeinnützige Einsätze.» Wenn damit das Bild der Muslime in der Öffentlichkeit etwas verbessert werde, sei das einfach ein positiver Nebeneffekt.

Viele der jungen Männer machen die Aufräumarbeit offenbar gern, einzelne reisen sogar extra aus anderen Städten an. Der 22-jährige Abrar, der schon zum fünften Mal dabei ist, erzählt: «Beim ersten Mal kam es mir zwar ein bisschen komisch vor, an Silvester Glas zu sammeln, weil ich glaubte, alle würden mich erkennen», so Abrar. «Mit der Zeit machte es aber richtig Spass, und wir veranstalteten einen Wettbewerb, wer am meisten Glas sammelt.»

Sie feiern später in der Moschee

Auch der 14-jährige Basel findet das Glassammeln abenteuerlich. Verlegen grinsend erzählt er: «Wir haben so eine Art Basketball gespielt, also den Korb etwas weggestellt und geguckt, wer am meisten Flaschen hineinwerfen kann.» Er habe aber auch viel gelernt, sagt Basel: «Zum Beispiel, wie man mit Betrunkenen umgehen soll.»

Die beiden jungen Männer stört es nicht, unter ausgelassen Feiernden gemeinnützige Arbeit zu leisten. «Wir haben ja auch Spass», sagt Basel. Alkohol trinken dürfen die gläubigen Muslime ohnehin nicht, und Silvester hat für sie keine grosse Bedeutung. Ihre eigene Feier halten sie erst nach getaner Arbeit ab, früh um fünf Uhr beim gemeinsamen Gebet, erzählt Abdul Waraich: «Dann ist die Moschee immer‹pumpevoll›.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.12.2010, 22:13 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...