Nach Abbruch: Das wird Zürichs neue Brücke über die Limmat

Wegen des Hochwasserschutzes muss die Rathausbrücke weg. Erstmals zeigt die Stadt jetzt die Pläne für den Neubau.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Teil der Zürcher Altstadt wird neu. Die Stadt reisst die Rathausbrücke, im Volksmund Gemüsebrücke genannt, ab und errichtet eine neue Version. Der Baubeginn ist für 2023 vorgesehen, das Ende für 2026. Heute Montag hat die Stadt das Siegerprojekt für die neue Brücke vorgestellt.

Das Projektteam um die Firma Bänziger Partner AG, 10:8 Architekten und F. Preisig AG hat das Rennen gemacht, wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt. Dieses Projekt habe stadtinterne und externe Fachleute durch eine gelungene Interpretation der Brücke als Platz über der Limmat, ausgewogene Aufenthaltszonen mit langen Sitzbänken an beiden Brückenrändern sowie eine hohe Flexibilität für verschiedenste Nutzungen überzeugt.

Gerade Brückenränder: So sieht der Plan für die neue Gemüsebrücke aus. Bild: Bänziger Partner AG, 10:8 Architekten und F. Preisig AG

Der Neubau der Gemüsebrücke wird kleinflächiger, schlanker und filigraner als die heutige Brücke. «Die neue Rathausbrücke bietet mit dem klar strukturierten Platz und seiner freien Mitte eine schnelle und bequeme Verbindung zwischen der Altstadt rechts und links der Limmat», heisst es in der Mitteilung. Die freie Platzmitte könne zudem zum Beispiel für Stände des Wochenmarkts oder für das Karussell «Rösslirytschuel» genutzt werden. Was aber nicht mehr vorgesehen ist, sind die heutigen Imbissstände und Kioskbauten. Sie werden abgerissen.

Umfrage

Wie gefällt Ihnen das Siegerprojekt für die neue Gemüsebrücke?




Und weil der Platzcharakter für die Gemüsebrücke zentral ist, soll sie zum Verweilen einladen. Die Aufenthaltsqualität sei von eminenter Bedeutung, heisst es im Schlussbericht des Beurteilungsgremiums. «Der grosse Kontrast zwischen der maximalen Dichte der Altstadt und dem Weitblick auf der Brücke gibt Anlass zu einer wohltuenden Verschnaufpause.» Auffällig ist vor allem der seeseitige Brückenrand der geplanten Rathausbrücke. Im Gegensatz zu heute wird dieser neu in einer geraden Linie verlaufen, aktuell ist der Brückenrand gestuft.

Gerade Brückenränder: So sieht der Plan für die neue Gemüsebrücke aus. Bild: Bänziger Partner AG, 10:8 Architekten und F. Preisig AG

Die heutige Betonbrücke wurde 1973 eröffnet und ist schon länger sanierungsbedürftig. 2017 hat der Stadtrat entschieden, diese nicht einfach zu renovieren, sondern gleich neu zu bauen. Die Kosten veranschlagt die Stadt auf 32 Millionen Franken. Davon übernimmt der Kanton zirka 6 bis 7 Millionen – der Verteilschlüssel ist noch nicht genau definiert. Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung wird voraussichtlich in einer Volksabstimmung über das Projekt befinden können.

Koordination mit Rathaussanierung

Mit ein Grund für den Neubauentscheid waren auch Bauvorhaben, die einige Kilometer südlich im Kanton realisiert werden. Der Hochwasserschutz im Kanton und für die Stadt muss verbessert werden. Deswegen ist ein neuer Sihl-Entlastungsstollen zwischen Langnau am Albis und Thalwil geplant, der Wasser aus der Sihl ab- und in den Zürichsee hineinleitet. Das hat allerdings zur Folge, dass mehr Wasser in den See gelangt, was wieder bedeutet, dass mehr Wasser aus dem See in die Limmat fliesst. Die heutige Rathausbrücke wäre für diese Wassermassen aber nicht gewappnet, sie würde zum Nadelöhr. Zusammen mit dem Brückenneubau wird auch die Limmatsohle ausgebaggert, damit mehr Seewasser abfliessen kann.

Obwohl der heutige Betonbau erst 46-jährig ist, hat die Rathausbrücke eine lange Geschichte. Sie verbindet schon seit dem frühen Mittelalter die beiden Altstadtteile. Ab dem 14. Jahrhundert diente die Brücke auch als Marktplatz, woher auch die heute geläufige Bezeichnung Gemüsebrücke stammt.

Neben der Gemüsebrücke wird zudem noch ein weiteres historisches Gebäude saniert: das Rathaus selber. Hier ist allerdings der Kanton federführend. Rund drei Jahre soll dieser Umbau dauern. Und die Stadt will, wie sie heute mitteilt, wenn immer möglich den Brückenneubau mit der Sanierung des Rathauses koordinieren. Während der Bauzeit wird ein provisorischer, viereinhalb Meter breiter Steg erstellt, damit die beiden Teile der Altstadt weiterhin miteinander verbunden bleiben.

Vom Montag, 20. Mai bis Freitag, 24. Mai 2019 sind die Modelle der Projektteams auf der Rathausbrücke ausgestellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.05.2019, 09:30 Uhr

Artikel zum Thema

«Man macht sich Sorgen um den Platz»

Video Die Zürcher Rathausbrücke wird abgerissen und neu gebaut. Das halten Passanten und ein betroffener Lädelibesitzer von den Plänen für den Neubau. Mehr...

Diese Zürcher Limmatbrücke wird abgerissen

Warum der Übergang beim Rathaus weg muss, wie viel das kostet und wann der Neubau fertig sein soll. Mehr...

Zürich kriegt schon wieder eine Riesenbaustelle

Um die Altstadt vor Hochwassern zu schützen, wird die Rathausbrücke abgebrochen und neu gebaut. Auch das Rathaus soll ab 2023 saniert werden. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...