Nach Anklage geht Babini in die Gegenoffensive

Gemeinderat Mario Babini (Ex-SVP) muss sich nach der Anklage durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht verantworten. Auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet kündigt er eine Gegenanzeige an und verteidigt sich gegen die Vorwürfe.

«Übertriebene Vorwürfe»: Gemeinderat Mario Babini.

«Übertriebene Vorwürfe»: Gemeinderat Mario Babini. Bild: Benno Gasser

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Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich hat gegen den Zürcher Lokalpolitiker Mario Babini Anklage wegen Drohung, Tätlichkeiten, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung erhoben. Dabei sind neue Vorwürfe publik geworden.

Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, am 30. Juni 2014 einem Mitarbeiter der Beder-Bar im Kreis 2 einen Faustschlag versetzt zu haben, nachdem er von diesem gebeten worden war, das Lokal zu verlassen. Dies teilte die Oberstaatsanwaltschaft heute Montagnachmittag mit. Weiter wird dem Politiker vorgeworfen, trotz des sofort ausgesprochenen Hausverbots kurze Zeit später die Lokalität erneut betreten zu haben. Dabei sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen ihm und einem Gast gekommen. Als der gleiche Bar-Mitarbeiter versuchte, den Streit zu schlichten, soll ihm Babini gedroht haben, er werde nach Hause gehen, eine Waffe holen und erneut wiederkehren.

Sturmgewehr, Axt und Samuraischwert

Bei seiner Festnahme durch die herbeigerufene Stadtpolizei wurden in Babinis Wohnung ein Sturmgewehr, eine Axt und ein Samuraischwert sichergestellt. Der Beschuldigte soll sich durch dieses Verhalten der Drohung, des Hausfriedensbruchs sowie einer Tätlichkeit schuldig gemacht haben, schreibt die Oberstaatsanwaltschaft.

Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 30. Mai 2014 – also 30 Tage vor dem Vorfall in der Beder-Bar – eine Bierflasche gegen die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos geworfen zu haben, um den Lenker auf das fehlende Licht aufmerksam zu machen. Dadurch habe er sich unter anderem der Sachbeschädigung schuldig gemacht.

Sodann soll Babini im Mai und Juni 2014 verschiedentlich eine von ihm an eine Kinderkrippe vermietete Wohnung ohne Einwilligung der Mieterschaft betreten haben. Dabei habe er teilweise auch Sachen beschädigt, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Neben der Sachbeschädigung wird ihm auch in diesem Fall Hausfriedensbruch vorgeworfen.

Gast verzichtete auf Anzeige

Die Staatsanwaltschaft I hat am 29. Oktober 2014 Anklage erhoben. Die Strafanträge werden an der Hauptverhandlung erläutert, wie es weiter heisst. Es liegen Anzeigen der drei Parteien Beder-Barista, Kinderkrippe und Autofahrer vor.

Der Bar-Gast, der von Babini mit einem Messer oder Nagelclip bedroht worden sein soll, hat auf eine Anzeige verzichtet. Deshalb ist der Vorfall nicht weiter untersucht worden, schreibt die Oberstaatsanwaltschaft.

«Rücktritt ist kein Thema»

Die Staatsanwaltschaft führte seit dem 30. Juni 2014 ein Strafverfahren gegen einen ehemaligen SVP-Gemeinderat wegen Drohung, Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte. Babini war drei Monate in U-Haft.

Der 57-jährige Mitinhaber einer Anlagefirma ist im Frühling auf der SVP-Liste ins Stadtparlament gewählt worden. Am 22. Oktober wurde er von der Fraktion ausgeschlossen, am Tag danach trat er aus der Partei aus. Auf Anfrage bekräftigte er, nicht aus dem Gemeinderat austreten zu wollen: «Rücktritt ist kein Thema.» Er sucht nach wie vor Anschluss an eine andere Fraktion, etwa die FDP oder GLP. Diese haben sich bisher aber abweisend gezeigt.

Faust oder flache Hand?

Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sagt der 57-Jährige gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass die Anklage übertrieben sei. Bezüglich des Faustschlags gegen einen Mitarbeiter der Beder-Bar, erklärt Babini, dass er ihn nur mit der flachen Hand zurückgestossen habe.

Auch den Flaschenwurf gegen die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos sieht Babini anders als die Staatsanwaltschaft. Er habe das Auto aufhalten wollen, als es ohne Licht nachts unterwegs war. Doch der Wagen sei auf der Strasse «fadegrad» auf ihn zugefahren, sodass er sich mit einem Sprung zur Seite noch retten konnte: «Dann ist mir dummerweise die Bierflasche aus der Hand gefallen.» Babini will den Lenker wegen Gefährdung des Lebens anzeigen.

Rache der Krippenleitung

Die Anzeige wegen Sachbeschädigung in der Kinderkrippe in seinem eigenen Haus sei eine Rache der Krippenleitung. Die Krippe sei schon ausgezogen gewesen, als er mit Umbauarbeiten begann. «Ich habe von der Krippe noch Tausende Franken offene Rechnungen.»

Beruflich habe die dreimonatige Untersuchungshaft keine finanziellen Konsequenzen gehabt, sagt Babini weiter. Er betreue als Vermögensverwalter nur eine Handvoll Kunden, die ihn gut kennen. Babini sagt weiter, dass er jetzt einmal pro Woche beim bekannten Psychiater Mario Gmür eine Therapiesitzung habe. Die politische Zukunft sieht der Ökonom «sehr locker». Er habe viele Reaktionen erhalten – alle positiv und mit der Aufforderung, weiterhin mit dem gesunden Menschenverstand zu politisieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2014, 14:20 Uhr

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