«Nagelhaus» muss der Strasse weichen

Das Bundesgericht in Lausanne hat gestern die Beschwerde des Kantons Zürich gutgeheissen und damit einen langen Rechtsstreit beendet. Die Turbinenstrasse kann neu gebaut werden.

Das «Nagelhaus» an der Turbinenstrasse, im Hintergrund Mobimo-Tower und Fifty-One-Gebäude. Foto: Dominique Meienberg

Das «Nagelhaus» an der Turbinenstrasse, im Hintergrund Mobimo-Tower und Fifty-One-Gebäude. Foto: Dominique Meienberg

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Bewohner und Besitzer des sogenannten «Nagelhauses» in Zürich-West waren bis zuletzt optimistisch, dass sie bleiben können (TA vom Donnerstag). Das Bundesgericht hat diese Hoffnungen mit seinem gestrigen Urteil zunichtegemacht und eine Beschwerde des Kantons Zürich gutgeheissen. Damit kann die neue Turbinenstrasse so gebaut werden, wie sie Stadt und Kanton geplant haben. Die Häuser an der Turbinenstrasse 12 und 14 müssen damit definitiv weichen.

Das höchste Gericht des Landes hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aufgehoben und die Plangenehmigung für den Bau der neuen Turbinenstrasse bewilligt. Die Eigentümer der Häuser Nummer 12 und 14 werden ­enteignet. Damit endet ein seit rund 15 Jahren dauernder Planungs- und Rechts­streit.

«So seelenlos wie Neu-Oerlikon»

«Wir sind über das Urteil enttäuscht», sagt Rechtsanwalt Peter Ettler, der die Interessen der Hausbesitzer vertritt. Die Richter hätten beim betroffenen Areal verschämt von einer Begegnungszone gesprochen. Den Konflikt, der sich dabei mit der Anbindung an die Nationalstrasse ergebe, hätten sie nicht erkannt oder beiseitegeschoben. Ein «Nagelhaus»-Mieter, der anonym bleiben will, bedauert den Entscheid: «Das Haus setzt im Quartier einen Kontrapunkt, ist es einmal nicht mehr da, wird Zürich-West so seelenlos wie Neu-Oerlikon.»

Mit dem Bundesgerichtsentscheid startet das Enteignungsverfahren. Dabei geht es allein um die Höhe der Entschädigung für die Hausbesitzer. Ettler rechnet mit einem Zeithorizont von drei bis vier Jahren. Der Kanton Zürich spricht von einem realistischen «Zeitraum von einem Jahr bis drei Jahren».

Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran schreibt auf Tagesanzeiger.ch: «Es ist ein Skandal, dass der Kanton ­Zürich den Fall überhaupt ans Bundesgericht weitergezogen hat.» Alteingesessene würden vertrieben, nur damit die Mobimo AG eine gepützelte Strasse bekomme. Klar passe ein schiefes Nagelhaus nicht zur reichen Klientel, die im Mobimo-Turm millionenteure Eigentumswohnungen kaufen sollte.

Der Kanton Zürich begrüsst das Urteil des Bundesgerichts. «Wir sind mit dem Entscheid zufrieden. Das Bundesgericht ist unserer Argumentation gefolgt und hat das Projekt des Kantons bestätigt», sagt Markus Gerber, der Sprecher des Amts für Verkehr des Kantons Zürich. Es habe damit die Aspekte Verkehrssicherheit und die im Maag-Areal geltenden städtebaulichen Vorgaben angemessen gewichtet.

Interesse der Eigen­tümer zu stark gewichtet

Wie die Lausanner Richter in einer öffentlichen Beratung am Donnerstag ausgeführt haben, hat das Bundesverwaltungsgericht das Interesse der Eigen­tümer viel zu stark gewichtet. Sowohl die städtebauliche Situation im Zürcher Entwicklungsgebiet Zürich-West als auch die verkehrs- und sicherheitstechnischen Aspekte hat die Vorinstanz gemäss den Bundesrichtern verkannt.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Mai 2013 die Plangenehmigung für die grosszügige Erschliessung des Maag-Areals durch die neue Linienführung der Turbinenstrasse aufgehoben. Es legte fest, dass das Projekt im Sinne der Variante Horber geändert werden muss. Diese sieht vor, dass die Häuser 12 und 14 stehen bleiben. Die neue Strasse würde zwischen diesen Häusern und dem Gebäude Nummer 51 an der Pfingstweidstrasse (Fifty-One) verlaufen. Diese Variante erfüllt gemäss den Lausanner Richtern nicht die hohen Anforderungen, die an den Anschluss an eine Nationalstrasse gestellt werden. Es würde eine unübersichtliche Verkehrssituation geschaffen, bei der bis zu zwei Meter an die bestehenden Gebäude heran gebaut werden müsste.

Bei abgeschlossener Überbauung wohnen auf dem Maag-Areal Plus 2000 Einwohner, 4000 Arbeitsplätze sind darauf angesiedelt, was laut Gericht zu hohem Verkehrsaufkommen führt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2014, 20:51 Uhr

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