Namibia, Bhutan, neue Ämter: Vollenwyder plant seine Zukunft

Martin Vollenwyder tritt Mitte Mai aus der Zürcher Stadtregierung zurück. Nach elf Amtsjahren bricht der charismatische Freisinnige zu neuen Ufern auf.

Martin Vollenwyder, hier bei der Vorstellung des Budgets 2013 in Zürich. (Bild: Nicola Pitaro, Tages-Anzeiger)

Martin Vollenwyder, hier bei der Vorstellung des Budgets 2013 in Zürich. (Bild: Nicola Pitaro, Tages-Anzeiger)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Fortsetzung seiner Karriere auf nationalem Parkett kommt für Martin Vollenwyder nicht infrage. Als Erstes wird «entschleunigt», sagt Vollenwyder im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Dazu zieht er sich mit seiner Frau auf ein Hausboot zurück und tuckert sieben Wochen lang genüsslich durch Frankreich.

Nachher wird es abenteuerlich: Drei Wochen durch Namibia, geführt von einer Verhaltensbiologin. Und anschliessend reist Vollenwyder – auf eigene Kosten – mit einer kleinen Delegation der Stadt ins Himalaya-Königreich Bhutan.

Neue Ämter

Wenn er zurückkommt, ist es Zeit für neue Ämter: Am 1. Oktober übernimmt er das Präsidium der Zürcher Volkshochschule und der Eleonoren-Stiftung, Trägerin des Zürcher Kinderspitals. Anfang 2014 kommt das Tonhalle-Präsidium dazu.

Vollenwyder, der dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, hat seinen letzten Arbeitstag am 14. Mai. Damit schliesse er 39 Jahre politisch aktiven Lebens ab, und er habe dabei «kein schlechtes Gewissen». Eine Kandidatur für National- oder Ständerat kommt für ihn denn auch nicht infrage.

Beeindruckende Begegnung

Blickt er auf seine Zeit als Zürcher Finanzvorstand zurück, nennt Vollenwyder vor allem zwei «Highlights»: die Sanierung und Rettung des Hallenstadions sowie die strukturelle Besoldungsrevision, die gestoppt und dann neu aufgegleist wurde. Dies waren «Punkte, die in der Sache sehr wichtig waren».

Als ganz persönliches Highlight ist ihm die Begegnung mit dem früheren UNO-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan in besonderer Erinnerung geblieben. Vollenwyder hatte die Gelegenheit, eine Weile in kleinstem Kreis mit Annan zu sprechen. Der Ghanaer mit der grossen Ausstrahlung beeindruckte den Zürcher Magistraten zutiefst.

Was Vollenwyder zudem schätzte, war die «gute Streitkultur», die all die Jahre im Stadtrat gepflegt wurde. Da sei nicht jeder nach einer Diskussion «zu seinem Lieblingsjournalisten» gegangen. Man konnte «Vertrauliches bis Privates» besprechen, ohne dass etwas hinaussickerte.

Persönliche Verunglimpfungen

Ein Tiefpunkt war für den scheidenden Magistraten etwa die verlorene Kongresshaus-Abstimmung. Aber auch der Abstimmungskampf um den Baurechtsvertrag mit der Villa Winkelwiese. Was es damals an «persönlichen Verunglimpfungen» gab, sei «absolut jenseitig» gewesen. So etwas habe er – zum Glück – vorher und nachher nie mehr erlebt.

Bevor Vollenwyder 2002 in die Stadtregierung gewählt wurde, war er vier Jahre lang Kantonsparlamentarier, zuvor hatte er während elf Jahren im Stadtparlament politisiert. Eines seiner zentralen Anliegen bei Amtsantritt sei es gewesen, die Stadt aus ihrer «leicht lethargischen Haltung» aufzurütteln, wieder Entwicklung zu ermöglichen, sagt er.

Zudem wollte er erreichen, dass die Stadt nach den Schuldenjahren wieder handlungsfähig wurde. Er machte deshalb von Anfang an klar, dass eine Steuerfusssenkung erst dann zur Diskussion stehen könne, wenn die Stadt wieder über ein Eigenkapital zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Franken verfüge.

Mehr Tempo

Dass er damit richtig lag, zeigte sich, als die Finanzkrise losging: Die Stadt kam dank ihrem Finanzpolster bis heute recht gut über die Runden. Was würde Vollenwyder anders machen, könnte er nochmals beginnen? Nicht viel, sagt er. Das System gebe ohnehin nicht viel Spielraum. Aber er würde wohl «mehr aufs Tempo drücken». Wenn man für ein Problem Lösungen habe, müsse man diese möglichst rasch umsetzen und nicht «auf dem Reissbrett verrotten lassen». (rub/sda)

Erstellt: 05.05.2013, 11:46 Uhr

Artikel zum Thema

Drei Szenarien für die Finanzen

Noch ist nicht sicher, ob das Schlüsseldepartement bürgerlich bleibt oder an die Linke geht: Am 15. Mai entscheidet die Stadtregierung, wer Nachfolger von Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) wird. Mehr...

«Wenn die UBS 2017 wieder zahlt, wird noch etwas übrig sein»

Interview Finanzvorsteher Martin Vollenwyder sagt, Zürich hatte 2011 noch 714 Millionen Franken Eigenkapital. Weil die Grossbanken aber kaum noch Gewinnsteuern abliefern, schmilzt es dahin. Mehr...

Zürcher Finanzvorsteher warnt vor «ruinösem Steuerwettbewerb»

Hintergrund Wegen des Streits mit der EU die Unternehmenssteuern fast halbieren? Die Pläne der kantonalen Finanzdirektorin kommen beim Stadtzürcher Kassenwart Martin Vollenwyder gar nicht gut an. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Haben sich an ihren Lebensraum angepasst: Vier ausgewachsene Antilopen und ein Junges laufen in der Wüste Rub Al-Khali in Saudiarabien über den trockenen Boden. (19. Dezember 2018)
(Bild: VALDRIN XHEMAJ) Mehr...