Neubau der Bank Sarasin am See ist blockiert

Ein Nachbar befürchtet, dass sein Gebäude wegen der Bauarbeiten einstürzen könnte.

Immer noch nicht verschwunden: Die Parkplätze auf dem Areal der Villa Rosau zwischen Kongresshaus und Hotel Baur au Lac. Der Neubau der Bank Sarasin ist bis auf weiteres verhindert.

Immer noch nicht verschwunden: Die Parkplätze auf dem Areal der Villa Rosau zwischen Kongresshaus und Hotel Baur au Lac. Der Neubau der Bank Sarasin ist bis auf weiteres verhindert. Bild: Keystone

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Eigentlich hätten die 120 Parkplätze zwischen Kongresshaus und Hotel Baur au Lac längst verschwinden sollen: Auf der Parzelle bei der Villa Rosau plant Hotelier Charles Roulet einen fünfstöckigen 110-Millionen-Bau. Den Grossteil der Fläche will die Privatbank Sarasin mieten, um darin ihren neuen Zürcher Sitz einzurichten. Geplant war, mit dem Glasbau von Gigon/Guyer Anfang 2012 zu starten, 2014 hätten 300 Sarasin-Angestellte einziehen sollen.

Dieser Plan ist gescheitert, denn der Herrliberger Architekt Max Dietschi hat gegen die Baubewilligung Rekurs eingereicht. Ihm gehört das Gebäude, das an der Claridenstrasse stadteinwärts an das Rosau-Areal grenzt. Dietschis Liegenschaft steht wie viele Gebäude in der Gegend auf Pfählen, da der aufgeschüttete Untergrund locker und instabil ist. Roulets Bauvorhaben könne zu Erschütterungen und Absenkungen führen, die Dietschis Gebäude beschädigen könnten, sagt Rudolf von Erlach, Dietschis Anwalt: «Im Extremfall kann die Fassade herunterkommen oder das ganze Gebäude zusammenkrachen». Es stehe viel auf dem Spiel, der Schaden könne bis zu 100 Millionen Franken betragen, sagte der Anwalt zum «Landboten».

Vorwurf: Stadt hat geschlampt

Es gehe nicht darum, Roulets Bau zu verhindern, sondern darum, das Eigentum Dietschis zu schützen, sagt von Erlach. Die Baubehörden hätten beim Erteilen der Baubewilligung arg geschlampt, es sei nicht zu verantworten, dass Roulet die Erlaubnis erhalten habe, zwei Geschosse tief in den lockeren Untergrund zu bauen. Von Erlach fordert für seinen Mandanten, dass Roulet beim Bau verschärfte Auflagen einhalten muss, zum Beispiel tiefere Erschütterungs-Grenzwerte. Dagegen wehrt sich Roulet: «Wenn ich diese Auflagen einhalten müsste, würde mir das Bauen nahezu verunmöglicht.» Die städtischen Baubehörden weisen die Vorwürfe des Anwalts zurück. Man habe sich bei den Grenzwerten an gängigen Schweizer Richtlinien orientiert, sagt Sprecherin Martina Vogel.

Es zeichnet sich ein langwieriger Streit ab: Roulet und Dietschi kommunizieren nur noch via Anwälte, beide Seiten sind vermögend und entschlossen, den Prozess bis zum teuren Ende durchzuziehen. Dietschi hat bereits Gutachten von Geologen, Hydrologen und Baustatikern eingeholt, aber Roulet sagt: «Ich lasse mich nicht nervös machen. Ich kann mit dem Baubeginn zuwarten.» Bei der Bank Sarasin ergeben sich laut einer Sprecherin keine Probleme, man habe mit Verzögerungen gerechnet. Vor dem Baurekursgericht hat Roulet obsiegt; nun liegt der Fall beim Verwaltungsgericht. Beide Parteien sprechen schon jetzt davon, bei einer Niederlage ans Bundesgericht zu gelangen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2012, 09:53 Uhr

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