Die Lichtflut, die alles überblendet

An der Zürcher Bahnhofstrasse erhellen neue LED-Lichter den öffentlichen Raum. Die Videoinstallation kommt nicht nur gut an.

Das neue Kunstwerk: PKZ holt Reaktionen der Passanten ein.


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Die Stadt Zürich ist seit heute Mittwoch um ein Kunstwerk reicher. Und das in stattlichem Ausmass an prominenter Stelle: Eine 50 Quadratmeter grosse Videoinstallation des britischen Künstlers Julian Opie ziert die Fassade der neuen PKZ-Woman-Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse. Olivier Burger, CEO der PKZ-Gruppe, schenkt das imposante Kunstwerk der Stadt Zürich zur heutigen Eröffnung des Flagship-Stores, heisst es in einer Medienmitteilung.

Bereits gestern Dienstagabend huschten die für den Künstler typischen Figuren erstmals über die Leinwand. Die Piktogramme flanierender Passanten erstrecken sich über zwei Etagen. Ein aussergewöhnliches Spektakel, das Passanten in Erstaunen versetzte – und dem man sich kaum entziehen kann. Die LED-Leuchten tauchen den ganzen Strassenabschnitt in gleissendes Licht und scheinen sogar Pestalozzi auf seinem Sockel zu blenden.

«Masslosigkeit unter dem Deckmantel Kunst»

Die neue Kunstinstallation stösst bei Dark-Sky auf Kritik. Die Organisation setzt sich für eine Reduktion der Lichtverschmutzung in der Schweiz ein. «Unter dem Deckmantel Kunst begegnet uns immer wieder Masslosigkeit, die nicht nur uns stört», sagt Lukas Schuler, Präsident Dark-Sky Switzerland. Bei den Opie-Figuren sei die gewählte Lichtfarbe «eher unangenehm fürs Nachtsehen». Die Installation entspreche in der gewählten Leuchtdichte kaum den gültigen Normen, so Schuler. «Und selbst wenn sie den Normen entspricht, muss sie nach Ladenschluss die Nachtruhe einhalten und von 22 Uhr bis 6 Uhr gelöscht oder extrem heruntergefahren werden.»

Gemäss Urs Spinner, Departementssekretär des Zürcher Hochbaudepartements, liege für die Videoinstallation eine Bewilligung vor. Darin ist auch die zulässige Leuchtdichte und Betriebsdauer vorgegeben. Demnach muss die Beleuchtung während der Nachtzeit den geltenden Vorgaben für Leuchtplakate entsprechen. Zudem darf die Installation grundsätzlich nur zwischen der Morgendämmerung und Mitternacht in Betrieb sein. «Die Leuchtdichte ist messbar und kann entsprechend auch geprüft werden», so Spinner.

Stadt behält sich Massnahmen vor

In der Baubewilligung für das Opie-Werk ist zudem festgehalten, dass bei wiederkehrenden Störungen oder Blendungen durch die Lichtimmissionen der Installation eine Reduktion der Leuchtdichte oder weitergehende Begrenzungen der Betriebszeiten angeordnet werden können. «Sollten tatsächlich Störungen gemeldet werden, würden wir die Situation vor Ort prüfen und allenfalls Massnahmen ergreifen», sagt Spinner.

Den Plan Lumière sieht Spinner nicht gefährdet. Dieser wurde vom Zürcher Gemeinderat zur Verminderung der Lichtverschmutzung angeregt und sorgt für eine bessere, präzisere Beleuchtung im Stadtraum. «Mit präziser ist dabei eine der Situation gerechte Beleuchtung wie beispielsweise das Aussparen von Fenstern bei Fassadenbeleuchtungen gemeint», so Spinner. Bei der Beleuchtung eines Kunstwerks bedeute Präzision wiederum, dass sie dem Kunstwerk gerecht werden müsse. «Die Stadt geht grundsätzlich davon aus, dass das Kunstwerk so betrieben wird, wie es bewilligt wurde», hält Spinner abschliessend fest. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2014, 12:35 Uhr

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