Neue Synagoge in Zürich

Es ist mehr als 50 Jahre her, dass in Zürich eine neue Synagoge gebaut worden ist. Nun soll eine jüdische Gebetsstube in Wiedikon zu einer Synagoge erweitert werden.

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Zürich hat ein reiches jüdisches Leben. Fast die Hälfte der rund 18'000 Juden in der Schweiz wohnen hier. Sie gruppieren sich vornehmlich in den Quartieren Enge und Wiedikon, weil die drei Synagogen nicht weit sind. Auch fast alle zehn zusätzlichen Gebetsräume finden sich in den Kreisen 2 und 3.

Einer dieser Räume wird nun umgebaut und erweitert. So sind im amtlichen Teil des aktuellen «Tagblatts» der Umbau eines Restaurants in eine Synagoge und ein Anbau an der Zelgstrasse 1 gleich bei der Autobahnauffahrt zur Sihlhochstrasse ausgeschrieben. Zudem soll im Untergeschoss ein Bad zur rituellen Waschung gebaut werden.

Synagoge statt Beiz

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Das Restaurant gibt es seit einiger Zeit nicht mehr. Seldwyla und Milk 'n' Honey hiessen die Gasthäuser einst, zuvor war es eine Backstube. Nun ist das Haus etwas heruntergekommen. Die Fenster im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes sind weiss verkleidet. Neben der Türe hängt ein Schild mit der Aufschrift «Beis Midrasch Moische Zichron». Beis Midrasch weist auf eine jüdische Gebetsstube hin. Der Name Moische Zichron ist einem ultraorthodoxen Viertel in Jerusalem entlehnt.

Im Erdgeschoss ist eine provisorische Türe neben einer kleinen Garderobe mit einem Code gesichert. Aber anklopfen genügt, und man wird freundlich hereingelassen. Der Raum ist eng und vollgestopft, es hat einfache Bänke mit blauen Stühlen. Viele reich verzierte Schriften kleiden die Wände, Hebräisch dominiert. Bücher liegen offen auf den Tischchen, hier werden religiöse Schriften studiert.

Mehr Platz für die vielen Gläubigen

Das ist auch der Unterschied zu einer Synagoge. In eine Synagoge geht man vor allem für Gottesdienste und um zu beten. Im Gebetshaus darf man studieren und auch essen und trinken, erklärt mir ein Mann, der aber schnell wieder wegmuss. Er sagt noch, es sei unklar, ob dies wirklich eine Synagoge werde. So werde sie von aussen kaum als solche erkennbar sein. Die Räume werden saniert, das Haus wird auf der Seite Manessestrasse erweitert, wie die Baugespanne zeigen. Die Gläubigen erhalten vor allem mehr Platz und ein rituelles Badehaus im Untergeschoss.

Wie der Projektverantwortliche Mosi Rhein von der Liegenschaftsfirma Euro Estates erklärt, werde man die künftigen Räumlichkeiten Synagoge nennen dürfen oder auch grosser Betraum. Der Unterschied sei schwer zu erklären. Immerhin wird es eine grosse neue Türe auf der Seite Manessestrasse geben.

«Alle sind willkommen»

Die letzte Zürcher Synagoge ist 1960 an der Ecke West-/Erikastrasse gebaut worden. Es ist jene der Agudas Achim, einer osteuropäisch-orthodox geprägten Gemeinschaft. 1924 wurde die Synagoge der ebenfalls orthodoxen Israelitischen Religionsgemeinschaft an der Freigutstrasse gebaut. Die älteste moderne Synagoge wurde von der Israelitischen Cultusgemeinde 1883/84 an der Löwenstrasse errichtet. Die Jüdische Liberale Gemeinschaft Or Chadasch hat keine eigentliche Synagoge. Die beiden Letzteren sind vom Staat als Religionsgemeinschaften anerkannt. Die Orthodoxen wollen das gar nicht.

Hinter der neuen Synagoge an der Zelgstrasse steht keine spezifische Gemeinschaft. In der Umgebung des Gebetssaals wohnen viele orthodoxe Juden. Tatsächlich trägt fast jeder Mann, der bei unserem Besuch in der Umgebung spaziert, einen grossen runden schwarzen Hut, Mantel und Bart. Es gebe hier alle möglichen Ausrichtungen, sagt einer. «Und alle sind willkommen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2014, 13:08 Uhr

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