Neuer Ärger wegen Stadionveranstaltung

Bereits vor dem Volksentscheid starten die Zürcher Stadionpromotoren den Beteiligungsprozess für Anwohner – und ernten Kritik.

Bei der künftigen Nutzung der Erdgeschoss- und Freiflächen in der Stadionüberbauung soll die Quartierbevölkerung mitreden können. Visualisierung: Nightnurse Images

Bei der künftigen Nutzung der Erdgeschoss- und Freiflächen in der Stadionüberbauung soll die Quartierbevölkerung mitreden können. Visualisierung: Nightnurse Images

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«Ihre Meinung ist uns wichtig!», lautet die Überschrift des Inserats. Darin laden die Bauherren des Zürcher Stadion-Projekts «Ensemble» die Bevölkerung im Kreis 5 zu einem Beteiligungsprozess ein.

An zwei Veranstaltungen am 29. Januar und am 21. März sollen Quartierbewohnerinnen und -bewohner «ihre Bedürfnisse und Vorstellungen zur Gestaltung des Aussenraums und zur Nutzung der Erdgeschossflächen artikulieren». Die Ergebnisse würden in die Planung einbezogen, heisst es im Inserat.

Abstimmung im Mai

Hinter dem Projekt «Ensemble» stehen die Credit Suisse, die Baufirma HRS, die Fussballclubs FCZ und GC sowie die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich. Sie wollen auf dem Hardturm ein neues Fussballstadion mit 18'000 Plätzen bauen, dazu 174 gemeinnützige Wohnungen sowie zwei 137-Meter-Hochhäuser mit 570 Wohnungen. Das Volk hat dem 570-Millionen-Franken-Projekt im November 2018 mit 53,8 Prozent Ja zugestimmt.

Allerdings hat die IG Freiräume Zürich-West inzwischen das Referendum gegen den Gestaltungsplan zustande gebracht, womit es voraussichtlich im kommenden Mai zu einer erneuten Volksabstimmung über «Ensemble» kommen wird. Davon ist in der Einladung zum Beteiligungsprozess allerdings keine Rede.

«Nicht ernst genommen»

Dass die Stadionpromotoren noch vor dem definitiven Volksentscheid eine derartige Veranstaltung durchführen, «verletzt die demokratischen Spielregeln», kritisiert Lisa Kromer, Sprecherin der IG Freiräume. Ihrer Meinung nach wäre es nichts als anständig gewesen, wenn man die Abstimmung abgewartet hätte. Das Vorgehen zeuge von Arroganz gegenüber dem Referendumskomitee, sagt Kromer. Die Gegner würden schlicht nicht ernst genommen.

Auch der grüne Gemeinderat Markus Knauss zeigt sich irritiert. Dass die Stadionbauherrschaft die demokratischen Spielregeln nicht akzeptiere, sei stossend. Es sei ein Gebot der Fairness im politischen Prozess, dass man mit solchen Veranstaltungen zuwarte, bis der Volksentscheid stehe.

Referendum als «Zwängerei»

«Ensemble»-Sprecher Hans Klaus weist die Kritik zurück. «Statt von einer Verletzung demokratischer Spielregeln zu sprechen, sollte sich die IG besser fragen, wie demokratisch ihr Referendum ist. Immerhin haben die Stimmberechtigten klar Ja zum Stadion gesagt.» Klaus spricht in diesem Zusammenhang von Zwängerei.

Zudem sei das Mitwirkungsverfahren aufgegleist worden, lange bevor das Referendum ergriffen worden sei. Eine zeitliche Verschiebung sei nicht mehr möglich gewesen. Die Veranstaltungen hätten zudem keinen Einfluss auf die Abstimmung im Mai, ist Klaus überzeugt. Er ruft die IG auf, sich ebenfalls am Mitwirkungsverfahren zu beteiligen. «Es geht um die positive Weiterentwicklung des Quartiers.»

«Unzulässige Beeinflussung»

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Stadiongegner über ein Vorpreschen der Befürworter nerven. So hatten sie bereits das Tram der VBZ, welches seit einigen Monaten für das Fussballstadion wirbt, als unzulässige Beeinflussung der politischen Meinungsbildung kritisiert. Die VBZ dürften laut ihren Geschäftsbedingungen keine politische Werbung auf ihren Fahrzeugen machen.

Erstellt: 15.01.2020, 11:03 Uhr

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