Neuer Hardturm wird mindestens 150 Millionen Franken kosten

Das Hardturmstadion soll realisiert werden. Der Stadtrat und die beiden Zürcher Clubs informierten heute über das weitere Vorgehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Stadtrat und Vertreter der beiden Zürcher Fussballklubs stellen heute die Pläne fürs neue Hardturmstadion vor. Bisher ist für alle klar: Man will kein Stadion bauen, das höher als 25 Meter ist. Auch in die Tiefe darf wegen Grundwasser nicht zu weit gebaut werden. Und: Das Stadion soll 19'000 Plätze haben. 2015 soll es frühestens zum ersten Spatenstich kommen. Gebaut wird voraussichtlich bis 2017.

Zum Thema Stehplätze, sagt Stadtrat Gerold Lauber, gehen die Meinungen auseinander. Allerdings wolle man diese beibehalten. Man wolle, dass die Clubs laute und tolle Fankurven haben. Aus Sicherheitsgründen werden deshalb zwei Fankurven, eine im Norden, eine im Süden des Stadions eingerichtet.

Eine Mantelnutzung stehe nicht mehr zur Debatte, mit Experimenten müsse man aufhören, es gehe darum, jetzt voranzugehen. Es gebe aber immer noch viele Hürden zu nehmen, nicht zuletzt die Zürcher Stimmbevölkerung.

Anwohner- und umweltfreundlich

Hochbaudepartementvorsteher André Odermatt zeigt auf, welche Voraussetzungen für jene Architekten gelten, die beim Wettbewerb für das Stadion mitmachen. Einerseits soll ein Stadion gebaut werden, das mittels Solarenergie über ein gesamtes Jahr gerechnet seinen Stromverbrauch selbst gewährleisten kann. Neben hoher Funktionalität sollen die Zuschauer möglichst nahe am Feld sein. Der Verkehr zum Stadion soll die Anwohner möglichst nicht stören. Das Stadion soll ausserhalb von Fussballspielen von der Quartierbevölkerung als Sportplatz genutzt werden können.

Zudem ist eine Wohnüberbauung in Stadionnähe geplant, die 160 preisgünstigen Wohnungen Platz bietet. Ein Teil gehört der Stadt, ein anderer wird von einer Stiftung für kinderreiche Familien vermietet. Auf der zum Stadion hin gerichteten Seite wird es in der Überbauung Gewerbeflächen geben.

Pfingstweidstrasse oft gesperrt?

Laut Polizeivorsteher Daniel Leupi ist die Sicherheit des geplanten Stadions deutlich besser als beim Letzigrund. Die geschlossene Bauweise, Zäune und sicherere Eingänge würden die Arbeit der Sicherheitskräfte erleichtern. Ein Problem gibt es jedoch. Da die FCZ-Kurve nach wie vor im Süden und die GC-Kurve im Norden angelegt sind, müssen die Fans vom Bahnhof Altstetten über die Pfingstweidstrasse zum Stadion geführt werden. Bei Hochrisikospielen könne es vorkommen, dass diese gesperrt werden muss.

Das Polizeidepartement geht von jährlichen Kosten für Polizeieinsätze zwischen 600'000 und 1,4 Millionen Franken aus. Im letzteren Fall müsse jedoch der Beitrag der Klubs (heute bei 500'000 Franken pro Jahr) angehoben werden. Am Konzept, dass die Polizei ausserhalb des Stadions und die Betreiberin innerhalb für die Sicherheit zuständig ist, werde nichts geändert.

Kosten von 150 Millionen

Laut Finanzvorsteher Martin Vollenwyder wird das Stadion teurer als bisher erwartet. Da wegen der beiden Kurven für die jeweiligen Klubs eine Passerelle rund ums Stadion angelegt werden muss, damit gegnerische Fans nicht aufeinandertreffen, werden die Kosten rund 150 Millionen Franken betragen. Einen Drittel wird die Stadt beisteuern, 20 Millionen die Fifa und je fünf Millionen kommen von Fans und Klubs. Rund 70 Millionen sollen über Darlehen eingeschossen werden.

Vollenwyder stellt klar, dass das Stadion die Stadt auch bei Inbetriebnahme weiter Geld kosten wird. Höchstens die Zuschauerzahlen erhöhen sich massiv gegenüber der jetzigen Situation im Letzigrund. Die Stadt rechnet aber damit, dass sie jährlich rund fünf bis acht Millionen Franken als «Kulturförderung» beisteuert.

Die beiden Klubs sowie Vertreter der Anwohner zeigen sich mit den jetzigen Plänen einverstanden. Für die Klubs steht die Tatsache im Vordergrund, dass man wieder ein Fussballstadion in der Stadt hat und dieses massiv sicherer ist als das Letzigrund. Die Anwohner zeigen sich zufrieden, dass kein «Giga-Projekt» mehr geplant ist, eine Mantelnutzung wegfällt und günstiger Wohnraum gebaut werde.

Erstellt: 14.07.2011, 14:33 Uhr

Umfrage

Soll man aus Sicherheitsgründen auf Stehplätze im neuen Hardturm-Stadion verzichten?

Ja

 
50.4%

Nein

 
49.6%

2174 Stimmen


Artikel zum Thema

«Wenn sie ohne Südkurve nicht spielen können, sollen sie in den Jodelverein»

Der Hooliganismus-Experte Dölf Brack hält Stehplätze in Fussballstadien für ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Er kritisiert die Club-Verantwortlichen und die Stadt scharf. Mehr...

Also doch: Im neuen Fussballstadion auf dem Hardturm gibt es Stehplätze

Der Architekturwettbewerb ist ausgeschrieben für eine Arena mit maximal 19'000 Zuschauern. Mehr...

Hoher Mietzins im neuen Hardturm-Stadion

Der Businessplan der Stadt für den neuen Hardturm birgt Zündstoff: GC und der FCZ sollen bis zu 5 Millionen Franken Miete bezahlen – viel mehr als im Letzigrund. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...