Nicht ohne grosse Schanze

Freestyle.ch fällt in diesem Herbst aus. Ob es im kommenden Jahr klappt, ist ungewiss. Aber nicht, weil es dem Sportevent an Unterstützung durch die Stadt fehlt.

Hingucker: Die Freestyle.ch-Rampe von 2012

Hingucker: Die Freestyle.ch-Rampe von 2012 Bild: Reto Oeschger

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An der Tatsache ist nicht mehr zu rütteln: Freestyle.ch fällt auch in diesem Jahr aus. Bereits 2015 mussten die Veranstalter auf die Durchführung des Sportcontests am Zürichsee verzichten, weil zwei Hauptsponsoren absprangen. In diesem Jahr sind die Gründe für das Aus etwas vielschichtiger.

Zwar war es möglich, die Kosten für die Durchführung des Events zu senken. Die Veranstalter wollten in diesem Jahr aber eine grössere Schanze bauen und sie so «den veränderten Bedingungen in diesem Sport anpassen», wie Freestyle.ch-CEO Peter Hürlimann auf Anfrage sagt.

Die Athleten wollen höher hinaus

Den Antrag für eine Verlängerung der sogenannten Big-Air-Rampe, auf welcher Snowboardprofis wie Iouri Podladtchikov ihre Tricks zeigen sollten, haben die Veranstalter im September eingereicht. Am 22. Dezember sei die Antwort der Stadtpolizei bei ihm eingegangen, sagt Hürlimann. «Der Antrag wurde abgelehnt. Aber zu diesem Zeitpunkt war es ohnehin schon zu spät für die Vertragsabschlüsse mit den Sponsoren.»

Das ist für die Freestyle.ch-Veranstalter auch deshalb ärgerlich, weil sie im letzten Sommer die Zusage erhalten hatten, FIS-Weltcupspringen und die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2018 in den Sportarten Snowboard und Freeski Big Air austragen zu dürfen. «Damit die Schanze den olympischen und den FIS-Normen entspricht, müssen wir sie grösser bauen», sagt Hürlimann.

Auch die Athleten selbst würden inzwischen auf grösseren Rampen trainieren. «Sie wollen zeigen, was sie können. Podladtchikov hat schon vor einem Jahr gesagt, dass unsere Schanze zu klein sei.» Teurer werde das Ganze deshalb nicht. Die Geometrie der Rampe sei lediglich eine andere, die Athleten könnten so länger in der Luft bleiben.

Drohen mit Wegzug nach Bern

Für die Durchführung des Sportevents sind die Organisatoren laut Hürlimann auf den Goodwill der Stadt angewiesen. Freestyle.ch koste 2,5 bis 3 Millionen Franken. «Das kann man schlicht nicht zu 100 Prozent privat finanzieren.» Im vergangenen September hat er deshalb eine Anfrage bei der Stadt eingereicht, die Gebühren für die verschiedenen städtischen Leistungen am Freestyle.ch im Umfang von rund 100'000 Franken zu erlassen. Sie beinhalten Wasser- und Stromversorgung, Abfallentsorgungskosten, Parkplatzmiete und eine Platzgebühr von fast 40'000 Franken. Die Reinigung des Areals und die Instandsetzung des Rasens übernehmen die Veranstalter selbst. «Bisher haben wir aber noch keine Antwort auf unser Schreiben erhalten.»

Die Veranstalter sind der Meinung, dass die Behörden kein Interesse daran haben, den Anlass auf der Landiwiese zu halten, und liebäugeln nun mit einem Wechsel nach Bern. «Das kann man durchaus als Drohung auslegen», sagt Hürlimann. Bern habe seine Vorteile, und die Stadtregierung unterstütze den Event in jeder Hinsicht. «Aber wir wollen um den Standort Zürich kämpfen. Die Lage am See ist einmalig. Deshalb geben wir nicht so schnell auf.»

Stadtrat will Freestyle.ch in Zürich behalten

Damit rennen sie bei Filippo Leutenegger, Vorsteher des Zürcher Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, offene Türen ein. Es sei falsch, dass der Stadtrat kein Interesse am Verbleib des Events in Zürich habe, sagt er auf Anfrage. Freestyle.ch spreche eine junge Zielgruppe an und animiere diese zum Sport. «Es ist somit auch eine unkonventionelle Form von Sportförderung.» Der Stadtrat lobt auch den Wirtschaftsfaktor des Anlasses, der 30'000 Gäste nach Zürich bringe und knapp 3 Millionen Franken an Aufträgen für das Gewerbe generiere.

Leutenegger selbst habe kurz nach Weihnachten von dem Antrag für eine grössere Rampe erfahren und die Organisatoren daraufhin ab Anfang Januar mehrere Male getroffen. Das neue Gesuch für einen vergrösserten Anlass sei komplex gewesen, eine saubere Abklärung habe seine Zeit beansprucht. «Seit Februar liegt eine gute Lösungsvariante auf dem Tisch, die umsetzbar ist», sagt Leutenegger. «Ich stehe dafür ein, dass wir für 2017 eine Bewilligung auch für diesen erweiterten Anlass hinbekommen.» Ob die Stadt dann ihre Leistungen für Freestyle.ch unentgeltlich erbringen wird, ist noch unklar. Eine Antwort auf das noch ausstehende Gesuch ist gemäss Leutenegger erst möglich, wenn definitiv feststeht, wie der Anlass aussieht.

Hürlimann bestätigt, dass sich zwar Lösungen mit der Stadt abgezeichnet haben. Im neuen Projekt müsste allerdings ein Teil der vergrösserten Rampe auf dem Areal des angrenzenden Strandbads Mythenquai aufgebaut werden. Das wiederum müsse vom Kanton Zürich abgesegnet werden – und solange diese Zusage nicht auf dem Tisch liege, könne der Event auch im kommenden Jahr nicht auf der Landiwiese durchgeführt werden. «Wir wollen eine langfristige Lösung und nicht jedes Jahr nach einem anderen Standort suchen müssen. Nur so können wir auch Sponsoren für den Anlass gewinnen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2016, 17:33 Uhr

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