Nie mehr untendurch

Die SP Kreis 3 fordert einen durchgehenden Fahrradweg zum Hauptbahnhof. Die Stadt legte nun Pläne für eine neue Velobrücke vor. Der Partei ist dieses Projekt jedoch zu teuer und zu umständlich.

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Das Friesenbergquartier und die Binz im Zürcher Kreis 3 boomen. Zahlreiche neue Siedlungen sind dort entstanden oder werden saniert. Der Friesenberg zählt zudem zu den kinderreichsten Gegenden der Stadt. Und viele dieser Familien sind mit Velos und Anhängern unterwegs.

Doch ausgerechnet das Velonetz im Kreis 3 weist grosse Lücken auf – insbesondere auf dem Weg zum Zürcher Hauptbahnhof. Lücken, die die SP endlich schliessen will. «Derzeit fehlen zwei Teilstücke dazu», sagt SP-Gemeinderat Hans-Urs von Matt gegenüber Tagesanzeiger.ch. «Ein Teil des Agnes-Robmann-Wegs (siehe Karte links) wäre als Radweg vorgesehen. Allerdings herrscht auf dem Abschnitt zwischen Borrweg und Binzstrasse noch immer ein Fahrverbot für Radfahrer, weil der Weg bisher nicht verbreitert wurde.»

Von Matt hat bereits Anfang 2008 ein Postulat überwiesen, das die bauliche Anpassung dieser Strecke zugunsten eines Veloweges fordert. Ende Mai 2010 wurde es an den Stadtrat überwiesen. Die Frist zur Erfüllung läuft in den kommenden Wochen ab.

Umstrittene Verkehrsführung

Nun zeichnet sich auch eine baldige Schliessung der zweiten Lücke im durchgehenden Veloweg zum HB ab: die sichere Querung der Manessestrasse. Das Tiefbauamt der Stadt Zürich führte eine entsprechende Planauflage durch (Bild 15/16). Die Unterführung der Geleise der Sihltal-Zürich-Uetliberg Bahn (SZU) soll für den Fuss- und Veloverkehr verbreitert werden. Zudem ist eine neue Fuss- und Velobrücke über die Manessestrasse geplant.

Alles läuft also im Sinne der SP. Doch der Vorschlag der Stadt entspricht nicht ganz den Vorstellungen von Hans-Urs von Matt. «Wir befürchten, dass die Akzeptanz der Velofahrenden nicht gegeben ist, wenn die Brücke über die Manessestrasse wie in der Planauflage vorgesehen auf der anderen Seite der SZU-Gleise zu liegen kommt. Das wäre viel zu umständlich», erklärt er.

Alte Brücke verbreitern, statt neue zu bauen

«Unser Vorschlag ist ein Veloweg vom Kehrplatz der Eichstrasse über das Wiedikergleis und danach entlang der bereits bestehenden Eisenbahnbrücke der SZU über die Sihl», so von Matt (Bild 14). Die Querung des Wiedikergleises würde mit einer Barriere gesichert, die bereits bestehenden Fusswege auf der Brücke müssten für einen Velostreifen verbreitert werden. «Diese Variante ist viel direkter und schneller und erst noch um einiges kostengünstiger als der Bau von zwei Brücken über die Manessestrasse sowie eine zusätzliche über die Sihl.»

Die SP3 hat daher im Planauflageverfahren, das gestern Montag abgeschlossen wurde, eine Einwendung beim Tiefbauamt eingereicht. Es sei die beste Gelegenheit, um an dieser problematischen Stelle eine Veränderung zu bewirken, ist von Matt überzeugt. Auch politisch will er den Druck auf die Stadt für die Schliessung dieser Lücke im Veloweg verstärken. «Am Mittwoch wollen wir in der SP-Fraktion des Gemeinderats entscheiden, ob wir einen entsprechenden Vorstoss einreichen werden.»

Querung der Wiedikergleise «ist nicht unmöglich»

Bei der SZU ist wenig Begeisterung für die Pläne der SP zu spüren. «Die Planung und der Bau einer Barrierenanlage sind mit hohen Kosten verbunden und müssten durch Dritte finanziert werden», betont Mediensprecher Armin Hehli auf Anfrage. Zudem stelle man fest, dass vor allem im innerstädtischen Bereich geschlossene Barrieren häufig unterquert würden, «was immer ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt.»

Die SZU ist der Meinung, dass Verkehrswege unterschiedlicher Nutzung möglichst entflechtet und getrennt geführt werden müssten. Trotzdem muss auch Hehli feststellen, dass «die niveaugleiche Querung der Wiedikergleise grundsätzlich nicht unmöglich» ist. «Voraussetzungen sind, dass unter Einhaltung der Bauvorschriften genügend Platz und Verkehrsfläche vorhanden ist und dass der Übergang mit einer Barrierenanlage gesichert würde.»

Tiefbauamt wartet Ende des Planauflageverfahrens ab

Das Tiefbauamt der Stadt Zürich (TAZ) will sich zu den Vorschlägen der SP im laufenden Verfahren nicht äussern. Zunächst würden alle eingegangenen Einwendungen geprüft, hält TAZ-Mediensprecher Stefan Hackh auf Anfrage fest. Anschliessend werde ein Bericht publiziert. «Sollten alle eingegangenen Einwendungen berücksichtigt werden können, wird kein Bericht verfasst. Die angeregten Änderungen werden in diesem Fall in die Pläne des Bauprojekts aufgenommen. Diese werden danach im Planauflageverfahren nach § 16 des Strassengesetzes nochmals öffentlich aufgelegt», erklärt Hackh. Ob also eine Querung der Gleise mit Barrierensicherung möglich ist oder nicht, muss sich noch weisen. Sicher ist schon jetzt, dass eine solche Anlage vom Bundesamt für Verkehr bewilligt werden müsste.

Erstellt: 03.04.2012, 13:12 Uhr

Der Agnes-Robmann Weg im Kreis 3

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