«No sports» in der Hohen Promenade

Eines der beliebtesten Gymnasien Zürichs hat keine Turnhalle mehr. In die alte Halle wurde eine Mediothek eingebaut. Geturnt wird jetzt sonst wo in der Stadt, oft verbunden mit einer langen Anreise.

Stolz: Der Rektor der Kantonsschule Hohe Promenade, Konrad Zollinger, präsentiert die neue Mediothek seiner Schule.

Stolz: Der Rektor der Kantonsschule Hohe Promenade, Konrad Zollinger, präsentiert die neue Mediothek seiner Schule. Bild: Nicola Pitaro

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Seit den Sommerferien sind die 770 Schülerinnen und Schüler der Stadtzürcher Kantonsschule Hohe Promenade (HoPro) aus ihrem Oerliker Exil zurück. Dort haben sie in Provisorien zwei Jahre lange ausgeharrt, während ihr Schulhaus auf dem Hügel über dem Bellevue saniert und umgebaut wurde. Was die Restaurateure vollbracht haben, ist eindrücklich. Doch vor allem für die Sportfreunde der Schule hat die Renovation einen Wermutstropfen hinterlassen: In der Turnhalle gibts keine Kletterstangen und keine Sprossenwand mehr, sondern eine Mediothek. Am gestrigen Besichtigungsrundgang raunte einer der Besucher: «Fast wie an einer Uni.»

Bei Konrad Zollinger, seit drei Wochen Rektor in der Hohen Promenade, überwiegt die Freude an der neuen Mediothek, die er als «Herz der Schule» bezeichnet. Dass damit der Turnunterricht schwierig geworden ist, verschweigt er allerdings nicht. Die Sportlehrerinnen und -lehrer wollen offiziell nicht Stellung nehmen, aber glücklich sind sie nicht. Es gibt zwar in der benachbarten Kantonsschule Stadelhofen zwei Turnhallen, doch die reichen bei weitem nicht, um den 1400 Gymnasiasten beider Schulen wöchentlich drei Turnstunden zu bieten.

Turnen in den Randstunden

Die Sportlehrer und die Schüler an der Hohen Promenade sind zu Nomaden geworden. Sie müssen in der Halle der Sekundarschule Hirschengraben turnen, im Bildungszentrum Riesbach, in den zwei Turnhallen am Pfauen und neuerdings auch im Sport-Center Polyterrasse der ETH. Und weil dort die Klassen aus den eigenen Schulen Vorrang haben, müssen die HoPro-Klassen oft mit den Randstunden Vorlieb nehmen. Besserung kann Rektor Zollinger nicht versprechen, im Gegenteil: In den nächsten Jahren wird sich die Situation noch verschärfen, denn die zwei Turnhallen am Pfauen werden bald dem Erweiterungsbau des Kunsthauses weichen müssen und Ersatz ist nicht in Sicht.

Martin Lüscher, Präsident der Lehrpersonenkonferenz der Mittelschulen (LKM), kennt die Sorgen an der Kantonsschule HoPro aus persönlicher Erfahrung. An der Kantonsschule Enge, an der er unterrichtet, gibt es vier Turnhallen für die etwa 1400 Schüler der beiden Kantonsschulen Enge und Freudenberg. Doch die Hallen reichen für den geordneten Sportunterricht nicht. Es müssen Lektionen in die Sportanlagen Sihlhölzli und Fluntern ausgelagert werden. Für Lüscher ist es nötig, das Problem der knappen Turnhallen in der Zürcher Innenstadt zu diskutieren: «Sport ist an den Mittelschulen wichtig.»

«Mehr Kreativität nötig»

Für Marc Kummer, Chef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, war der Umbau der Turnhalle in der Hohen Promenade sinnvoll. Erstens sei sie viel zu klein gewesen und habe mitten in der Schulanlage für zu viel Lärm gesorgt. Dennoch ist ihm das Problem des Sportunterrichts bekannt. «Die meisten Turnhallen sind praktisch ausgebucht», erklärt er. In den beiden Turnhallen der Kantonsschule Stadelhofen sind nun wöchentlich rund 100 Lektionen geplant.

Gemäss Kummer gibt es knapp genügend Hallen in der Innenstadt: «Rein rechnerisch geht es immer noch auf.» Die Zürcher Gymnasien müssten aber davon ausgehen, dass in Zukunft nicht mehr für jede Turnlektion eine Halle direkt neben der Schule zur Verfügung stehe. Sport könne auch im Freien, in einem Gymnastik- oder in einem Kraftraum stattfinden. «Es braucht etwas mehr Kreativität», sagt Kummer. Für neue Turnhallen in der Innenstadt fehle Geld und Land.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2010, 23:09 Uhr

Neues Flair im fast 100-jährigen Haus

Konrad Zollinger, Rektor der Kantonsschule Hohe Promenade (HoPro) erklärte gestern vor den Medien, dass viele Jugendliche an sein Gymnasium kämen, weil es ein schönes Schulhaus sei: hohe Räume, breite Gänge und vor allem ein prächtiger Ausblick über den See. Nun ist das 1913 für 1,7 Millionen Franken erstellte Schulhaus noch schöner geworden. Für 40 Millionen Franken hat es der Kanton saniert. Die von Meletta Strebel Architekten geplante Renovation hatte drei Schwerpunkte: eine neue Mediothek, ein neues, im Pausenplatz eingelassenes Atrium, umrundet von unterirdischen Klassen- und Musikzimmern, und die restaurierte Aula im obersten Stockwerk. Ziel der Sanierung sei es auch gewesen, neues Flair ins Schulhaus zu bringen, wie Kantonsbaumeister Stefan Bitterli erklärte. Dies wurde vor allem mit einer neuen Farbgestaltung angestrebt. Statt des einheitlichen Weiss wurde auf jedem der vier Stockwerke eine andere Farbgebung gewählt. Wichtig war den Restaurateuren auch die Kunst. In den alten Gebäudeteilen wurden die zahlreichen Bilder und Fresken restauriert. Für die künstlerische Gestaltung des Neubauteils (Atrium und unterirdische Unterrichtsräume) ist der Aargauer Künstler Hugo Suter engagiert worden. Er hat sein Augenmerk vor allem auf das Lichtspiel gelegt. Durch Oberlichter wird das Sonnenlicht in unterschiedlichen Bildern an die Wände geworfen.

Das Herz der Schule bildet die neue Mediothek in der alten Turnhalle. Sie bietet neben einer grossen Auswahl an Büchern und Medien moderne Arbeitsplätze und bequeme Lesesitzgruppen. Das ganze Haus ist rollstuhlgängig, und die veraltete Haustechnik wurde ersetzt. Derzeit werden auf der Anlage die letzten Umgebungsarbeiten gemacht. Am 25. Oktober wird das restaurierte Schulhaus offiziell eingeweiht. (sch)

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