Nötig sind Nerven wie Kranseile

Die Bauherren in Zürich brauchen viel Geld, Zeit und Geduld.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Obwohl wegen der Kälte auf einigen Baustellen die ­Arbeit ruhte, war dies eine tolle Woche für Poliere und Kranführer. Drei Grossprojekte im Zentrum von Zürich haben grünes Licht erhalten: die Kunsthaus-Erweiterung, der Hauptsitz der Zurich-Versicherung und der Modulbau des Unispitals, der die Voraussetzung bildet für die Gesamterneuerung des riesigen Spitalkomplexes. Diese drei Bauten sind gross im Vergleich zu ihrer Umgebung – und seit dem Scheitern des grossen Kongresszentrums am See gilt jede grössere Baugrube im Stadtzentrum als vermint.

Dennoch kann in Zürich immer noch gebaut werden, auch wenn in diesen drei Fällen Gegner aufgetaucht sind, mit denen niemand gerechnet hat. Den Kunsthaus-Neubau hiessen alle politischen und gerichtlichen Akteure gut; der Heimatschutz gab knurrend klein bei. Da tauchte aus Luzern die Stiftung Archicultura auf. Von ihr hatte in Zürich noch nie jemand gehört, dennoch konnte sie den Neubau um zwei Jahre verzögern. Ihr Rekurs war «aussichtslos und mutwillig», wie das Gericht befand, doch erst am letzten Montag gab die Stiftung auf.

Die Zurich-Versicherung darf am heiklen Seeufer ein Hochhaus bauen, wofür der Stadtrat einen 8-Millionen-Beitrag an die Hafenpromenade Enge ausgehandelt hat. Ein Double-Win, möchte man meinen, doch diesmal empörten sich nicht die Heimatschützer, sondern SVP und FDP. Ihnen ist das zügellose Unternehmertum so heilig und der rote Stadtrat so zuwider, dass sie weder Zurich einen Neubau noch der Stadt einen Obolus von 8 Millionen gönnen.

Der Stadtrat wiederum war für das Unispital der Feind aus dem Hinterhalt – ausgerechnet der Stadtrat, der mit dem Kanton zusammen die Entwicklung des Hochschulquartiers plant. Die Verweigerung des Modulbaus war ein Revanchefoul für andere Übergriffe des Kantons. Immerhin sah der Stadtrat früher ein als erst gestern der Heimatschutz, dass man kein Spital im Herzen der Stadt haben kann ohne Konzessionen. Kurz: Die Stadt ist auch im Zentrum nicht gebaut, aber die Bauherren brauchen raffinierte Planer, viel Geld, sehr viel Zeit und Nerven, Nerven, Nerven.

Erstellt: 06.02.2015, 20:22 Uhr

Artikel zum Thema

Baustopp wegen frierender Arbeiter

Angesichts der frostigen Temperaturen hat die Gewerkschaft Unia die Aussenarbeiten auf zwei Grossbaustellen in Zürich zum Erliegen gebracht. Sie fürchte um die Gesundheit der Arbeiter. Mehr...

Argumente zum Schein

Analyse Ist Zurich gegen Zürich ein unfaires Duell? Ja, meint die FDP. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...