Nur sechs bewilligte Bordelle in Zürich

Die Anzahl Zürcher Sexsalons sank innert sechs Jahren von 350 auf 160. Seit einem Jahr müssen sie zudem höhere Auflagen erfüllen. Das führt zu einem weiteren Salonsterben.

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Ende 2013 hat die Stadtpolizei Zürich 161 Sexsalons in der Stadt Zürich gezählt. Sie alle haben während des Jahres zweimal Post von der Stadtpolizei erhalten. Die rund 60 grösseren Betriebe sind aufgefordert und gemahnt worden, bis zum 31. Dezember ein Gesuch um eine Betriebsbewilligung gemäss der neuen Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO) einzureichen. Zudem sollten sie eine gültige Baubewilligung für ihre Etablissements vorweisen. Eine Baubewilligung müssen auch die übrigen rund 100 Salons mit einer oder höchstens zwei Prostituierten einreichen. Diese 100 brauchen aber keine zusätzliche Betriebsbewilligung der Sittenpolizei.

Die Schreiben der Polizei haben im Milieu für viel Aufruhr gesorgt. Zunächst trudelten nur wenige Gesuche ein. Innert der Frist sind dann doch 52 von gut 60 Betriebsgesuchen eingetroffen, wie Marco Cortesi, Infochef der Stadtpolizei, sagt. Fünf sind seit Anfang Jahr dazugekommen. Das macht insgesamt 57. Mit anderen Worten: Es fehlen noch vereinzelte. Diese werden in den kommenden Tagen zum dritten Mal angeschrieben und erhalten eine weitere 30-tägige Frist. Bewilligt worden sind laut Cortesi bisher sechs Bordelle.

Zügel angezogen

Verunsichert durch die Briefe der Polizei waren vor allem die 100 Kleinstsalons. Sie brauchten zwar schon seit fast 15 Jahren eine Baubewilligung, weil die Stadt keine Sexsalons mehr in Zonen mit mindestens 50 Prozent Wohnanteil tolerieren will. Doch die Behörden nahmen es mit der Kontrolle nicht so genau. Auch weil das Gewohnheitsrecht gilt: Wer an dieser Adresse schon immer angeschafft hat, durfte dies weiterhin tun.

Seit Inkrafttreten der PGVO Anfang 2013 werden die Zügel angezogen. Jenen Ein- oder Zweifraubetrieben, die keine Baubewilligung oder zumindest ein Gesuch dafür vorweisen können, droht die Schliessung, heisst es im letzten Brief. Wie viele über eine bestehende Baubewilligung verfügen, ist nicht bekannt. «Wir können nur vermuten, dass eher wenige Salons bereits im Besitz einer Bewilligung sind», sagt Martina Vogel, Mediensprecherin des Hochbaudepartements.

Nur 24 Baugesuche

Klar ist: Lediglich 24 Sexsalons haben bisher ein Baugesuch eingereicht – fünf davon sind im heutigen «Tagblatt» publiziert worden. Fünf dieser nachträglichen Gesuche sind bisher entschieden, wobei das Departement keine Auskunft darüber gibt, wie viele positiv beurteilt wurden. Falls nur wenige bereits über eine Bewilligung verfügen und nur 24 rechtzeitig ein Gesuch eingereicht haben, dürfte die Zahl der Sexsalons am Ende nochmals stark sinken.

2007 zählte die Stadt Zürich noch rund 350 Sexetablissements. 2008 waren es noch gut 300 und im Januar 2013 – als die Verordnung in Kraft trat – 220. Innert des letzten Jahres ist die Zahl also um ein Viertel gesunken. Ende 2014 dürfte die Anzahl der Sexsalons in Zürich schliesslich näher bei 100 als bei 160 sein.

Erstellt: 29.01.2014, 23:16 Uhr

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