«Ob Badi Enge oder Werdinsel: Es war laut»

Die Band Radio 200'000 trat am Wochenende auf der Werdinsel und im Seebad Enge auf. «Zürich ist die schönste Stadt der Welt», sagt Redl. «Das stimmt doch nicht», entgegnet Trumpfbuur.

Krasseranze, Redl, Trumpfpuur und Okocha (v.l.) von Radio 200 000 bei ihrem Auftritt am Samstag in der Badi Enge. (Bild: Jurt)

Krasseranze, Redl, Trumpfpuur und Okocha (v.l.) von Radio 200 000 bei ihrem Auftritt am Samstag in der Badi Enge. (Bild: Jurt)

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Am Freitag beim Werdinsel-Openair hat es zuerst in Strömen geregnet. Hartgesottene Musikfans kamen aber dennoch zu eurem Auftritt. Ihr seid backstage fast im Schlamm stecken geblieben, habe ich gehört. Stimmt das?
Redl: Nun, stecken geblieben nicht gerade. Doch der Backstage-Bereich lag in einer Senke und war teilweise überschwemmt; wir stapften also schon zünftig durch den Matsch. Super wars trotzdem.

Am Samstag habt ihr dann im Seebad Enge gespielt. Vom Publikum her ein krasser Unterschied zur Werdinsel: das in der Seebadi gilt als szenig, zweiteres als eher alternativ. Fühltet ihr euch trotzdem wohl?
Redl: Natürlich. Das Publikum war zwar komplett verschieden, doch die Stimmung glich sich: Es war laut, die Leute schrien, johlten und klatschten. Überhaupt: Nichts ist langweiliger, als vor immer gleichem Publikum zu spielen.
Krasseranze: Und es gibt ja auch Yuppies, die unsere Musik mögen.

Ihr als Mitglieder der Band Radio 200 000 gilt als Zürcher Lokalmatadoren. Ehrt euch das?
Redl: Sicher ehrt uns das. Zürich ist die schönste Stadt der Welt.

Warum?
Redl: Die Lebensqualität ist enorm. Im Schmelztiegel Zürich leben Menschen vieler Länder und Kulturen auf friedvolle Art zusammen. Grossstadtflair zeichnet Zürich aus - und doch ist die Stadt sauber. In unseren Seen schwimmen noch Fische, in der Luft fliegen Vögel. Gleichzeitig ist die Stadt eine grosse Festmeile.
Trumpfpuur: Ich kanns nicht mehr hören: Das stimmt doch nicht. Zürich lebt im Kleinen, an wenigen Orten, dort aber sehr intensiv - ausserhalb dieser Kernpunkte ist Zürich eine Schlafstadt. Ohne die Langstrasse etwa wäre die Stadt ein Dorf. Ich sehe die Sündenmeile als gesunden Ausgleich zum Glanz der Bahnhofstrasse.

Ihr habt eine Hymne auf die Langstrasse geschrieben - auf das Pflaster, das andern eher ein Dorn im Auge ist.
Krasseranze: Gerade das gefällt mir so an Zürich: An Orten wie der Langstrasse pulsiert das Leben. Auch sonst läuft was, das Angebot für den Ausgang ist gross, auch wirtschaftlich ist die Stadt eine Schweizer Hochburg. Und das alles, obwohl Zürich klein ist; quasi eine Dorfstadt. Trotzdem ist die Mentalität jene einer Grossstadt. Trumpfpuur: Zürich ist geil, ja, aber so offen finde ich die Mentalität nun auch wieder nicht. Manchmal sind die Leute sehr steif in ihrer Denkweise. Wenn jemand nicht gerade eine Bankkarriere präsentieren kann, wird er schnell schief angeschaut. Künstler haben es in der Schweiz viel schwerer als etwa in Berlin. Oder der Lärm: Schweizer nörgeln stets schon ob des geringsten Lärms herum. Werte wie Ruhe ... Redl: ... oder Ordnung ...
Trumpfpuur: ... werden eidgenössisch-gutbürgerlich richtiggehend zelebriert.
Krasseranze: Also der Verkehrslärm etwa nervt mich schon. Drum find ich auch das autofreie Limmatquai sehr cool.
Trumpfpuur: Siehst du, das ist doch genau so eine typische Schweizer Haltung. Meiner Meinung nach wird der Verkehr zu sehr verteufelt.

Und was sagt ihr zum Dauerthema hohe Mieten in Zürich?
Krasseranze: Die gefallen mir gar nicht.
Redl: Dieser Meinung bin ich nicht. Die meisten Mietzinse halte ich für angemessen - es ist ja schliesslich Zürich ...
Trumpfpuur: ... und wer in der schönsten Stadt der Welt leben will, muss halt etwas tiefer in die Tasche greifen.
Redl: Ganz nahe am Publikum: Die «erwachsenen Kindskopfpunkdiscorapper». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.08.2008, 07:48 Uhr

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