Oben drüber statt unten durch

Wer beim Bahnhof Altstetten die Geleise queren will, muss in den nächsten zwei Jahren mehr Zeit einplanen. Die Unterführung wird umgebaut.

Hoch über den Gleisen: So sieht die provisorische Passerelle aus.
Video: Video: Tina Fassbind

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Die Tage der Unterführung beim Bahnhof Altstetten sind gezählt. Am Freitag wird sie geschlossen und danach während rund zwei Jahren erneuert, stufenfrei ausgebaut und vor allem verbreitert. Wenn sie gemäss heutiger Planung im Dezember 2020 wiedereröffnet wird, steht den Passagieren eine 12,5 statt 4 Meter breite Passage unter den Gleisen hindurch zur Verfügung. Doch bis es so weit ist, müssen sie Umwege in Kauf nehmen und mehr Zeit einplanen, um pünktlich zum Zug zu gelangen.

Während der Bauzeit steht ihnen östlich des Bahnhofs eine Passerelle über die Schienen zur Verfügung. Auch die bereits bestehende Unterführung im Westen des Bahnhofs bleibt geöffnet. Von dort gelangt man weiterhin stufenfrei zu den Perrons des Bahnhofs. Die provisorische Passerelle ist bereits ab morgen Dienstag geöffnet, wie SBB-Sprecher Daniele Pallecchi am Montag bei einem Medienrundgang durch die Baustelle bekannt gibt.

Bauen «unter rollendem Rad»

Die Vorbereitungsarbeiten für den Umbau der Unterführung haben schon im Januar 2018 begonnen, ohne dass dadurch der Bahnbetrieb ins Stocken geraten ist. Das wird laut SBB-Gesamtprojektleiter Christian Furrer auch weiterhin so bleiben. Es seien Bauarbeiten «unter rollendem Rad». Unterbrüche gebe es keine, obwohl die ersten Personenzüge schon in den frühen Morgenstunden anrollen und die Güterzüge bis spät in die Nacht verkehren. «Es ist eine Herausforderung, das alles aneinander vorbei zu bringen», sagt Furrer.

Auch die Passerelle aus wiederverwendbaren Blech- und Stahlelementen samt Dach haben die SBB im laufenden Betrieb montiert. Die Verbindungen zwischen den Treppenaufgängen über den Gleisen wurden in der Nacht eingebaut. «Die Passerelle ist genau gleich breit wie die alte Unterführung. Sie ist somit ein Eins-zu-Eins-Ersatz während der Bauzeit», sagt Furrer.

Wo es bis 2020 langgeht: SBB-Plan der Baustelle (zum Vergrössern bitte anklicken)

Sobald die Unterführung geschlossen ist, geht es mit dem Einbau der Gleis- und Perronhilfsbrücken los, einer Art provisorischen Überdachung der Baustelle auf Stelzen. Diese Brücken kommen jeweils zum Einsatz, wenn unterhalb der Schienen und Perrons gebaut werden muss, damit der Bahnbetrieb fortgesetzt werden kann.

Seit September sind die SBB auch daran, den Grundwasserspiegel im Bereich der späteren Baugrube zu senken. Rund 30’000 Liter pro Minute werden abgepumpt und über eine Rückversickerungsanlage abgeleitet. «Wenn die Unterführung fertig gebaut ist, lassen wir das Grundwasser wieder auf seinen heutigen Pegelstand ansteigen», so Furrer.

Alles Neu im Untergrund: So soll die neue Unterführung aussehen (Visualisierung: PD/SBB)

Ab Januar 2019 wird die Baugrube ausgehoben und bis April 2020 der Rohbau der Unterführung erstellt. Danach erfolgt laut Furrer der Innenausbau. «Wir sind frohen Mutes, dass wir die neue Personenunterführung wie geplant im Dezember 2020 in Betrieb nehmen können.»

Bahnhof stösst an seine Grenzen

Die SBB rechnen mit Baukosten von 65,7 Millionen Franken, die der Bund im Rahmen seiner Leistungsvereinbarung mit dem Bahnunternehmen bereits gesprochen hat. Die Modernisierung des Bahnhofs Altstetten und seiner Unterführung sei nötig, weil er seine Kapazitätsgrenze erreicht habe, sagt SBB-Sprecher Pallecchi. Rund 38’000 Personen nutzen den Bahnhof heute. Bis 2050 sollen es weit über 60’000 sein.


Rege genutzt: Die Personenunterführung und die Rampe beim Bahnhof Altstetten im Morgenverkehr (Video: Tina Fassbind).

Mit dem Bau der Limmattalbahn, den zahlreichen Wohnbauten und dem geplanten Hockeystadion werde der Bahnhof Altstetten künftig zur Drehscheibe im öffentlichen Verkehr, sagt Pallecchi. Deshalb sei die Personenunterführung nicht nur für die Zugpassagiere, sondern auch für die Quartierquerung wichtig.

Angesichts der grossen Bautätigkeit in diesem Gebiet will auch die Stadt ihre Unterführung beim Bahnhof Altstetten den Gegebenheiten anpassen und sie von 4,5 auf 9 Meter verbreitern. Der Start der Bauarbeiten erfolgt voraussichtlichen 2024.

Erstellt: 01.10.2018, 14:48 Uhr

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