Offene Rechnungen nach der Sauferei

Das erste Zürcher Botellón ist ohne grössere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Doch die Aufräumarbeiten kosten mehrere 10'000 Franken.

Katerstimmung: Die Aufräumarbeiten kosten mehrere 10'000 Franken.

Thomas Burla

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Das erste Zürcher Massenbesäufnis, nach spanischem Vorbild Botellón genannt, ging zwar in den frühen Morgenstunden des Samstags ohne grössere Zwischenfälle zu Ende. Die Folgen aber waren länger zu spüren. Nachdem geschätzte 2000 vorwiegend jüngere Erlebnishungrige auf der Blatterwiese ihren Durst gestillt hatten, blieben sechs Tonnen Abfall zurück. Wegen der vielen Glasscherben musste die beliebte Grünzone beim Chinagarten während des ganzen Wochenendes fürs Publikum gesperrt werden.

In Internetforen kam es in den letzten Tagen zu heftigen Diskussionen über die Frage, wer die Aufräumarbeiten finanzieren sollte. Die Behörden schätzen die Kosten auf mehrere 10 000 Franken. Bei der Polizei hiess es am Sonntag, die Reinigung gehe grundsätzlich zu Lasten der Steuerzahlenden. Es liege an den Politikern, dieses Problem zu diskutieren.

Strebt Stadt einen Präzedenzfall an?

Stadträtin Esther Maurer war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Frage bleibt deshalb offen , ob die Stadt erwägt, im Sinne eines Präzedenzfalls dem ursprünglichen Initiator des Botellóns eine Rechnung zu schicken. Dessen finanzielle Verantwortung könnte juristisch geklärt werden. Das Ergebnis wäre auch für künftige Organisatoren relevant. Beim Initiator handelt es sich um einen 17-jährigen Lehrling, der sich vom Anlass distanzierte, nachdem er die Wirkung seines Aufrufs realisiert hatte.

Klar wurde am Freitag, dass es über Internetforen jedermann möglich ist, an jedem gewünschten Ort jederzeit eine Massenzusammenkunft zu organisieren.

Zu Beginn des Botellóns animierten Journalisten auf der Suche nach möglichst eindrücklichen Bildern und O-Tönen etliche Jugendliche, sich in Szene zu setzen. Dabei wurde ein Dilemma offensichtlich: Einerseits begegneten viele Junge den Medien skeptisch und fühlten sich von ihnen gestört; einige skandierten «Scheiss-Paparazzi». Andere waren fasziniert und drängten sich vor, um Statements in die Kameras und Mikrophone abgeben zu dürfen.

Mehrere Auseinandersetzungen

Laut einer gemeinsamen Medienmitteilung von Stadtpolizei und Schutz & Rettung kam es nach 22 Uhr zu mehreren tätlichen Auseinandersetzungen, die Einsätze erforderten. Vereinzelt seien auch Rettungssanitäter angegriffen worden. Die Polizei setzte in einem Fall Gummischrot ein, «um aggressive, mehrheitlich junge Leute auf Distanz zu halten». Drei Schweizer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren wurden vorübergehend wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Verstoss gegen Sitte und Anstand festgenommen. Nach der polizeilichen Befragung wurden sie wieder entlassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2008, 06:28 Uhr

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