Hintergrund

Opfer des Wasserrohrbruchs sind «schockiert»

Vom Wasserrohrbruch an der Uetlibergstrasse betroffene Bewohner fühlen sich von der Stadt und der Versicherung alleingelassen. Jetzt erhalten sie von der politischen Rechten Schützenhilfe.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwei Monate nach dem verheerenden Wasserrohrbruch in der Uetlibergstrasse sind die Bewohner des stark beschädigten Hauses aufgebracht: «Wir empfinden es als unerträglich, dass wir bis zum heutigen Tag seitens der Stadt Zürich nicht zu diesem Vorfall kontaktiert worden sind», steht in ihrem offenen Brief an die Stadt, Vermieter und Versicherung, der Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt.

Die Vorwürfe kommen für die Behörde Wasserversorgung Zürich (WVZ) überraschend. «Wir haben geglaubt, es wäre alles auf gutem Weg», sagt WVZ-Direktor Erich Mück. Man habe sich um die Leute gekümmert. Er räumt aber ein: «Vielleicht hätten wir transparenter machen sollen, dass auch die Versicherungsleute, die mit den Bewohnern geredet haben, im Namen der Stadt agierten. Und wir hätten schneller auf die Leute eingehen sollen.» Die Kommunikation mit den Betroffenen sei aber nicht immer ganz einfach. «Die einen haben nur eine Postfachadresse hinterlassen, von anderen haben wir nur eine E-Mail-Adresse, wieder andere können wir per Mobiltelefon erreichen.»

Schockiert über städtische Versicherungsleistung

Besonders schockiert sind die Verfasser des Briefes über die Leistung der städtischen Versicherung HDI-Gerling. «Man wird uns lediglich den Zeitwert unseres Mobiliars ersetzen. (...) wir würden auch hier mit grossen finanziellen Einbussen leben müssen.» Der WVZ-Direktor bestätigt diese Angaben. Die Schadensleistungen würden kulant erbracht werden, um Härtefälle zu vermeiden. «Wir werden aber sicher nicht den Neuwert der beschädigten Habe ersetzen.»

Laut Mück wurden bereits mit vielen der 20 Betroffenen Vergütungsvereinbarungen abgeschlossen und teilweise auch finanzielle Unterstützung ausgerichtet. Die Schadenssumme sei für alle betroffenen Liegenschaften noch nicht zu benennen. Erst wenn diese ermittelt sei, könne auch zur Entschädigungsfrage Stellung genommen werden.

Letzte Hoffnung Stadt- und Gemeinderat

Die Angelegenheit hat jetzt eine politische Dimension angenommen. Der Departementschef Industrielle Betriebe, Stadtrat Andres Türler, wird sich mit dem Fall beschäftigen müssen: Am 12. Juni behandelt der Zürcher Gemeinderat auf Begehren der Schweizer Demokraten Patrick Blöchlinger und Christoph Spiess ein dringliches Postulat zum Thema «Wasserrohrbruch an der Uetlibergstrasse, Entschädigung der betroffenen Mieterinnen und Mieter». Darin wird der Stadtrat gebeten, «zu prüfen, wie die betroffenen Wohnungsmieter so entschädigt werden können, dass sie nicht neben allen anderen Unannehmlichkeiten auch noch einen erheblichen finanziellen Schaden davontragen».

Die Postulanten sind sich bewusst, dass die Stadt nicht verpflichtet ist, Kulanz zu zeigen, und fordern eine unbürokratische Lösung: «Die Geschädigten erleiden neben dem Verlust liebgewonnener Sachen und allen Unannehmlichkeiten des monatelangen Lebens in einem Provisorium auch noch eine erhebliche finanzielle Einbusse. Es stünde der Stadt Zürich trotz des Fehlens einer entsprechenden Rechtspflicht gut an, sie wenigstens davor zu bewahren.»

Kein Präjudiz schaffen

Mit einer grosszügigeren Entschädigung könnte ein Präjudiz geschaffen werden. Im Postulatstext werden diese Bedenken aber zerstreut: «Eine unerwünschte präjudizielle Wirkung für andere Fälle ist kaum zu befürchten, sind doch vom städtischen Werkleitungsnetz ausgehende Schadenereignisse dieser Grössenordnung glücklicherweise ausserordentlich selten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.05.2013, 11:14 Uhr

Bildstrecke

Wenn ein Haus Totalschaden erleidet

Wenn ein Haus Totalschaden erleidet Ein Haus an der Uetlibergstrasse ist am stärksten vom grossen Wasserrohrbruch vom 28. März 2013 betroffen. Ob die Bewohner je wieder in ihre angestammten Wohnungen zurückkönnen, ist offen.

Artikel zum Thema

Umzug ins Abbruchhaus

Die Mieter des stark ramponierten Hauses an der Uetlibergstrasse haben derzeit kein Zuhause und wissen noch immer nicht, wie es weitergeht. Verwaltung und Stadt sind sich uneinig, ob die Wohnungen gerettet werden. Mehr...

Sogar die Gläser im Schrank sind mit Wasser gefüllt

Nach dem grossen Rohrbruch an der Uetlibergstrasse wissen die Bewohner noch nicht, ob sie in ihre Wohnungen zurückkönnen. Ein Abriss ist nicht ausgeschlossen. Mehr...

Im schlimmsten Fall droht Kündigung auf einen beliebigen Zeitpunkt

Nach dem Wasserrohrbruch von vergangener Woche ist noch immer unklar, wo die Mieter der Uetlibergstrasse 27 künftig leben werden. Der Mieterverband nimmt nun die Stadt in die Pflicht. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Politblog Deutschland soll ins Staunen kommen

Geldblog Rente oder Kapital? Das müssen Sie wissen

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...