Optische Täuschung als Bremsklotz

Island testet einen 3-D-Fussgängerstreifen. Wäre so was auch in Zürich möglich?

Der Trick mit der Farbe: Eine isländische Firma sorgt mit 3-D-Effekt für mehr Sicherheit auf der Strasse (Video: Tamedia/Vegamálun GÍH).

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Das isländische Städtchen Ísafjörður sorgt momentan für mediales Aufsehen: Der Ort im nordwestlichen Teil des Landes verfügt über einen Fussgängerstreifen mit 3-D-Effekt. Anders als bei üblichen Fussgängerübergängen scheinen die Streifen zu schweben. Möglich machts eine raffinierte Bodenbemalung. Die Fussgängerstreifen sehen wie Blöcke aus, die Schatten auf den Belag werfen. Erst aus der Nähe betrachtet, erweist sich das Ganze als optische Täuschung.

Hinter der aufsehenerregenden Neuerung steckt das isländische Unternehmen Vegamálun. Ziel dieses dreidimensionalen Tricks sei, die Aufmerksamkeit der Automobilisten zu wecken und dadurch die Sicherheit der Fussgänger zu verbessern. Die vermeintlich schwebenden Balken würden den Eindruck erwecken, dass etwas die Strasse blockiere, sagt Vegamálun-Geschäftsführer Ivar Halldorsson. Autofahrer gehen so automatisch vom Gas.

Idee stammt aus Indien

Halldorsson hält jedoch fest, dass die Idee aus Delhi stamme, wo es bereits solche 3-D-Fussgängerstreifen gebe. Dort hat sich die Zahl der Unfälle laut Angaben der Behörden bereits erheblich verringert. Auch Spanien, Russland und China haben mit ähnlichen Massnahmen experimentiert. Wie also sieht es in der Stadt Zürich aus? Wären solche 3-D-Fussgängerstreifen auch hier eine Option?

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Darüber müsste Bern entscheiden, sagt Martin Guggi, Leiter Recht und Bewilligungen bei der Dienstabteilung Verkehr Zürich. Der Fussgängerstreifen ist ein schweizweit gesetzlich geregeltes und normiertes Element des Strassenraums und sieht überall ähnlich aus. «Der 3-D-Fussgängerstreifen weicht so stark von den gesetzlichen Vorgaben ab, dass er nur im Rahmen eines Versuchs mit Einwilligung des Bundesamts für Strassen angebracht werden könnte, um seine Wirkung zu testen», sagt Guggi. Zudem sei davon auszugehen, dass mit der aufwendigen Markierung auch höhere Kosten entstehen würden, da über kurz oder lang alle Fussgängerstreifen der Schweiz wieder gleich aussehen sollten.

Aufklebbarer Fussgängerstreifen: Wie es in Indien funktioniert (Video: Youtube.com)

Zwar hat auch Guggi den Eindruck, dass zumindest bei den Autofahrern die aufmerksamkeitserregende Wirkung beim 3-D-Fussgängerstreifen grösser ist als bei herkömmlichen. Aus Sicht der Fussgänger sei der neue Fussgängerstreifen jedoch eher verwirrend. Auch ob die 3-D-Variante sicherer ist, stellt Guggi infrage. «Die Erfahrung zeigt, dass ein Fahrzeuglenker in erster Linie die querende Person zu Fuss sehen muss, um adäquat reagieren zu können.»

Simpler Trick, grosse Wirkung: Der 3-D-Fussgängerstreifen in Ísafjörður (Bild: Vegamálun)

3000 Fussgängerstreifen überprüft

Die Dienstabteilung Verkehr hat just in diesem Sommer die Überprüfung der rund 3000 Fussgängerstreifen in der Stadt Zürich abgeschlossen. Sie hat im Rahmen des Projekts «Zebra-Safari» jeden Übergang aufgrund eines Kriterienkatalogs mit 50 Punkten erfasst und wertet nun die Daten aus. Erhoben wird dabei unter anderem, ob die Signalisation klar genug ist, die Beleuchtung ausreicht und ob die Platzierung eines Fussgängerstreifens stimmt oder ob die Übersicht für eine Querung nicht ausreichend ist.

Parallel dazu wurden gemäss Guggi erste Sanierungsmassnahmen umgesetzt. «Im Kreis 1 ist jetzt jeder Fussgängerstreifen durch ein Schild signalisiert, weitere Kreise sind kurz davor.» 2018 werden dann alle Fussgängerstreifen der Stadt Zürich eine Signalisation haben, obwohl dies gesetzlich nicht vorgegeben wäre: Das Signal «Standort eines Fussgängerstreifens» ist nur ausserorts obligatorisch. Weitere Massnahmen sind die periodische Auffrischung der Markierung oder auch die Absenkung der Trottoirränder, um alle Fussgängerstreifen rollstuhltauglich zu machen. Gegen Ende Jahr will die Dienstabteilung Verkehr über die Resultate des Projekts «Zebra-Safari» sowie über die Sanierung der städtischen Fussgängerstreifen informieren.

Erstellt: 04.10.2017, 11:29 Uhr

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