Parkplatz-Kahlschlag in Höngg

Die Stadt Zürich will an zwei Quartierstrassen über hundert Parkplätze in den blauen Zonen ersatzlos streichen. Die Anwohner wehren sich.

An der Segantinistrasse sollen fast die Hälfte aller Parkplätze in den blauen Zonen abgebaut werden. Bild: Stefan Hohler

An der Segantinistrasse sollen fast die Hälfte aller Parkplätze in den blauen Zonen abgebaut werden. Bild: Stefan Hohler

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Das Tiefbauamt will die Segantinistrasse und Kettberg-Strasse sicherer machen und aufwerten. Das Amt will an der Segantinistrasse das Trottoir verbreitern, im für Motorfahrzeuge nicht befahrbaren Abschnitt einen neuen Fuss- und Radweg realisieren sowie zwölf neue Bäume pflanzen. Zudem erneuert die Stadt den Strassenbelag und die Werkleitungen. Am Kettberg, einer Parallelstrasse zur Emil-Klöti-Strasse am Hönggerberg, will das Tiefbauamt ebenfalls die Trottoirs verbreitern und eine Trottoirnase bauen.

Dies hat Konsequenzen für die Parkplätze. Nach den Plänen der Stadt sollen die Parkplätze an den beiden Quartierstrassen in der blauen Zone massiv reduziert werden: An der Segantinistrasse sollen von den 181 bestehenden Parkplätzen 87 abgebaut werden, am Kettberg werden alle 16 Parkplätze gestrichen – obwohl in dieser kleinen Strasse nur Zubringerdienst gestattet ist und sie wie die Segantinistrasse nicht durchgehend ist.

Anwohner wehren sich gegen die Pläne

Nun regt sich Widerstand, wie die Quartierzeitung «Zürich Nord» berichtet. Christoph Zürcher – er wohnt seit langer Zeit im Kettberg – hat die IG Kettberg gegründet und Einwendungen beim Tiefbauamt eingereicht. Wie er dem «Tages-Anzeiger» sagt, gebe es keinen äusseren Zwang für den Abbau der Parkplätze.

Beide Strassen würden in Wohnquartieren am Hang liegen, beide seien vom Durchgangsverkehr befreit, und die Hanglage sei nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Durch die vollständige Aufhebung am Kettberg sei auch die Versorgung älterer Personen durch Pflegedienste oder allgemein die Versorgung durch Handwerker, Reinigungsinstitute und Ähnlichem nicht mehr möglich, da die zahlreichen älteren Häuser über keine Besucherparkplätze verfügen.

Die Kettberg-Strasse ist eine Sackgasse und nur für die Anwohner bestimmt. Bild: Stefan Hohler

Zürcher ist erstaunt, dass die Stadt in den blauen Zonen in reinen Wohnquartieren mit dem Abbau von Parkplätzen beginne. Im Fall Kettberg hätten knapp 50 Parteien Einwendungen eingereicht. Die Einwendungen sind aber keine Rechtsmittel, sondern nur Wünsche seitens der Betroffenen. Rechtsmittel in Form von Einsprachen können erst gegen die konkreten Projektpläne eingereicht werden, vermutlich gegen Ende Jahr.

Auch an der Segantinistrasse hat sich ein Interessengemeinschaft gegründet. Dort wurden die Anwohnerinnen und Anwohner in einem Brief informiert und aufgefordert, sich beim Einwendungsverfahren zu beteiligen. Laut «Zürich Nord» sind die Anwohner befremdet, dass nun auch an der Segantinistrasse Parkplätze verschwinden sollen. Umso mehr, als seit dem Abbau eines Teils der Parkplätze in der benachbarten Michelstrasse die Autoparkierer auf die Segantinistrasse ausweichen.

Stadt macht Bundesnormen geltend

Sabina Mächler, Projektleiterin Kommunikation beim Tiefbauamt, verneint, dass man nun auch in den blauen Zonen in reinen Wohnquartieren mit dem Abbau von Parkplätzen beginne. Der Parkplatzabbau erfolge nicht wegen der Parkplatzverordnung. Aber bei Sanierungsarbeiten müssen alle geltenden Bundesnormen bezüglich Strassenbreiten umgesetzt werden. So seien die Durchfahrts-, Trottoir- und Parkplatzbreiten am Kettberg heute nicht mehr normgerecht. Beispielsweise werde für Kehricht- und Rettungsfahrzeuge eine Breite von drei Metern verlangt.

Weiter sagt Mächler, dass bei der Segantinistrasse die Sichtverhältnisse von privaten Ausfahrten ausschlaggebend für die Verringerung der blauen Zone seien. 25 Meter links und rechts von Garagenausfahrten dürfen keine Fahrzeuge parkieren, welche die Sicht auf die Strasse behindern.

Gefragt, ob die Stadt in Höngg noch weitere ähnliche Bauprojekte plant, verneint Mächler. Sie erwähnt, dass es in Höngg gemäss den aktuellsten Zahlen etwa 17 Prozent mehr Parkplätze gibt, als Anwohner-Parkplatzkarten für blaue Zonen ausgestellt wurden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2019, 13:29 Uhr

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Planauflage

Die beiden Projekte in Höngg befinden sich in der Projektierungsphase. Die Planauflage ist ein Mitwirkungsverfahren, bei dem die Bevölkerung Empfehlungen und Einwendungen abgeben kann. Das Tiefbauamt berücksichtigt diese soweit möglich in der weiteren Planung. Sie sind aber rechtlich nicht bindend. Darauf folgt die Planauflage. Dabei sind nur noch Direktbetroffene des Projekts legitimiert, Einsprache zu erheben. Diese Einsprachen muss das Tiefbauamt prüfen. Wenn es keine Einsprachen gibt oder wenn diese bereinigt
wurden, wird das Bauprojekt dem Stadtrat zum Entscheid vorgelegt. Wenn der Stadtrat das Projekt gutheisst, können die Anwohner beim Baurekursgericht Einsprache erheben. (hoh)

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