Pelz tragen aus Wertschätzung zum Tier

85 Prozent der Felle gejagter Rotfüchse werden in der Schweiz ungenutzt verbrannt. Doch nun entdecken die Kleiderläden das Geschäft mit dem edlen Pelz. Ganz zum Ärger der Tierschützer.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwei für eins, 30 Prozent, 50 Prozent ...: Den Verkaufseinbruch der Nachweihnachtszeit versuchen Läden mit Aktionen zu umgehen. Bei der Kleiderkette Modissa mit Erfolg. Eine pelzige Winterjacke zum halben Preis gehört momentan zu den Verkaufsrennern. «Schweizer Rotfuchs exklusiv für Modissa», steht auf einem Plakat.

Damit will der Kleiderladen seinen «sinnvollen und nachhaltigen Umgang mit einem Naturprodukt» unterstreichen. Seine Felle bezieht Modissa ausschliesslich von Tieren, die aufgrund der Bestandsregulierung getötet werden. Gemäss der Eidgenössischen Jagdstatistik des Bundesamts für Umwelt (Bafu) werden in der Schweiz jährlich zwischen 30'000 und 35'000 Rotfüchse geschossen. Im Kanton Zürich waren es 2013 knapp 2000. Als Gefahr sieht das Bafu eine Überpopulation und die mögliche Verbreitung des Fuchsbandwurms. 85 Prozent der geschossenen Tiere werden gemäss «Zürcher Tagblatt» in der Kadaverstelle entsorgt, ohne dass die Felle genutzt werden.

«Fortgeschrittene Sensibilisierung»

Kleiderläden wie die Modissa erkennen ein grosses Potenzial: «Es handelt sich um Verwertung eines toten Tiers», sagt Modissa-Geschäftsführer Jean-Pierre Kuhn. Die Nachfrage der Produkte sei in den letzten Jahren stark gestiegen, was sich auch im höheren Preis niederschlage. Kuhn erklärt die Beliebtheit der Rotfuchsfelle mit der «fortgeschrittenen Sensibilisierung» in der Bevölkerung: «Unsere Kunden wissen, dass sie ein Naturprodukt kaufen, das erst noch aus der Schweiz stammt.» Bis jetzt sei die Modissa das einzige grössere Kaufhaus, das im Raum Zürich die Produkte anbietet. Doch Kuhn rechnet in den kommenden Jahren mit einem «Boom».

Thomas Aus der Au, Sprecher des Schweizer Pelzfachverbands Swiss Fur, freut sich über diese Entwicklung. Gleichzeitig bedauert er, dass immer noch ein Grossteil der Fuchsfelle in der Kadaverstelle landet. Für den Kürschner aus Zürich sollten die Felle alleine schon «aus Wertschätzung zum Tier» genutzt werden: «Gejagt werden die Füchse sowieso – aufgrund der Bestandesregulierung.»

Im Atelier von Aus der Au werden für Bekleidung und Accessoires jährlich 200 bis 300 Rotfuchsfelle verarbeitet. Für die Jäger lohne sich der Verkauf allmählich wieder mehr, nachdem der Preis vor 20 Jahren bis auf 5 Franken pro Rohfell gesunken sei. Heute bekomme ein Jäger wieder zwischen 20 und 25 Franken. Ausserdem würden diese Felle in der Schweiz verarbeitet.

«Wer Pelz trägt, sorgt dafür, dass er en vogue bleibt»

Sara Wehrli von der Fachstelle Wildtiere des Schweizer Tierschutzes hat wenig Freude am florierenden Geschäft mit Rotfuchspelzen. Grundsätzlich hegt sie zwar Verständnis für das Verwertungsargument. Ein positives Beispiel sei etwa die Fleischnutzung aus der Hirschregulierung. Beim Fuchspelz sei die Ausgangslage anders: «Wer Pelz trägt, sorgt dafür, dass die Produkte en vogue bleiben.» Der Ottonormalverbraucher auf der Strasse könne nicht erkennen, ob es sich um Fuchs-, Nerz- oder Kunstpelz handle. «99 Prozent der verkauften Pelze in der Schweiz stammen von ausländischen Zuchtfarmen. Diese Tiere werden oftmals unter widrigen Bedingungen gehalten», sagt Wehrli.

Die Tierschützerin hält die Fuchsregulierung für übertrieben und bis zu einem gewissen Grad nutzlos. Der Fuchs sei ein «opportunes Tier», das fast überall überleben kann. «Je mehr getötet werden, desto fruchtbarer wird er», sagt Wehrli. Das habe man in den 70er-Jahren beim Ausbruch der Tollwut gesehen: Gemäss der Tierschützerin ist es damals trotz grosser Anstrengung nicht gelungen, den Bestand zu regulieren.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2015, 16:05 Uhr

Artikel zum Thema

Geldmaschine im Pelz

Analyse Grumpy Cat, die mürrisch dreinschauende Katze, hat ihrer Besitzerin in zwei Jahren Abermillionen eingespielt. Mehr...

Pelz gehört nicht an Kinderjacken

Mamablog Bedenklich: Selbst Kinderkleider werden mit echtem Pelz geschmückt. Ein Plädoyer gegen «Tierliquäler». Zum Blog

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...