Hintergrund

«Personen mit niedrigen Einkommen direkt unterstützen»

Die Zürcher Stadtregierung will den sozialen Wohnungsbau mit einer eigenen Stiftung fördern. Der falsche Weg, meint Immobilienexperte Urs Hausmann von Wüest und Partner.

Wohnungen oft nur für Wohlbehabende: Ein Neubau im Zürcher Kreis 6.

Wohnungen oft nur für Wohlbehabende: Ein Neubau im Zürcher Kreis 6. Bild: Keystone

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Die Stadt Zürich will eine 75 Millionen Franken schwere Stiftung schaffen, um damit günstigen Wohnraum zu bauen. Wie viele Wohnungen sie realisieren will, lässt Finanzvorstand Martin Vollenwyder jedoch offen. «Entscheidend ist die Frage, ob alleine mit diesem Geld gebaut wird oder ob die Stiftung auch mit Fremdkapital arbeitet», sagt Urs Hausmann, Partner der Beratungsfirma Wüest und Partner. Die reinen Baukosten für einen Quadratmeter Wohnraum betragen laut dem Immobilienexperten im Durchschnitt 3000 Franken.

Würde die Stadt auf eigenem Land bauen, könnte die Stiftung so aus eigenen Mitteln 25'000m2 Wohnraum realisieren. Nicht eingerechnet sind dabei jedoch Abschreibungen. Die Stadt möchte beispielsweise eine 4-Zimmer-Wohnung knapp 100 m2 gross bauen. So würden 250 Wohnungen für 750 Personen entstehen. Bei einem Bestand von total 206'000 Wohnungen auf Stadtgebiet sind 50'000 subventioniert. «Da haben 250 Wohnungen symbolischen Charakter», sagt Hausmann. Einen Einfluss auf den Wohnungsmarkt wird das nicht haben, so der Immobilienexperte.

«Direkte Unterstützung viel effizienter»

«Eine solche Stiftung ist vor allem ein politisches Bekenntnis für günstigen Wohnraum», sagt Hausmann weiter. Allerdings sei das nicht der günstigste Weg: «Statt Wohnobjekte zu fördern, wäre es viel effizienter, wenn man die Personen mit niedrigen Einkommen direkt unterstützt.» Bei Mietsubventionen würden zwar die Bau- und Immobilienbranche profitieren. «Aber das Geld wird ja sowieso ausgegeben. Doch mit Direktzahlungen könnte man die Subventionen besser steuern», sagt er. Für solche Verbilligungen will die Stadt in den nächsten Jahren 30 Millionen Franken ausgeben. Seit 2005 waren es über 20 Millionen Franken.

Den Nutzen von 250 neuen Sozialwohnungen für 750 Personen sieht Hausmann nur kurzfristig. Bei einer Bevölkerung von 380'000 Personen mache das sehr wenig aus. Zudem sei die Situation oft so, dass Genossenschafts- oder Sozialwohnungen vom Markt verschwinden, wenn sie bezogen sind. «Denn die Leute bleiben oft Jahrzehnte dort.» Das ist vor allem dann ein Problem, wenn die Kinder ausziehen oder die Einkommen der Mieter gestiegen sind. «Dann erfüllen sie zwar die Kriterien für die Wohnung nicht mehr, bleiben aber oft trotzdem dort, weil sich niemand getraut, die langjährigen Mieter rauszuwerfen», sagt Hausmann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2011, 17:15 Uhr

Beurteilt Genossenschaftwohnungen kritisch: Urs Hausmann, Partner der Beratungsfirma Wüest und Partner. (Bild: PD)

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