Pestizid im Thai-Gemüse

Auberginen, Pak Choi und Bohnen aus Thailand sind Risikoprodukte: Lebensmittelkontrolleure finden darin oft Chemie-Rückstände.

Pak-Choi-Stauden: Der Kanton Zürich nimmt häufiger Proben.

Pak-Choi-Stauden: Der Kanton Zürich nimmt häufiger Proben. Bild: PD

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Thailändisches Essen hat während der letzten Jahre in der Schweiz einen wahren Boom erlebt: Immer mehr Konsumenten kommen auf den Geschmack, mehr thailändische Produkte werden importiert. Damit steigt das Risiko, dass sich darunter Lebensmittel befinden, die nicht einwandfrei sind. Vor allem Thai-Gemüse wie weisse Auberginen, Pak Choi und Bohnen sind häufig mit Pestiziden weit über dem Grenzwert belastet. Das geht aus dem Jahresbericht des kantonalen Labors hervor.

Intensive Kontrollen

Letztes Jahr mussten 51 von 176 Proben bei Thai-Gemüse beanstandet werden. Zum Vergleich: Von 187 Proben von Schweizer Gemüse wies 2010 keine einzige zu hohe Rückstände von Pestiziden auf. Besonders alarmierend: Der Anteil der belasteten Lieferungen von thailändischem Gemüse hat sich innert nur zweier Jahre verdoppelt. Das sei zum Teil mit den gezielteren Kontrollen erklärbar. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass die EU die Importvorschriften Anfang 2010 drastisch verschärft hat. Heute muss von gewissen Produkten jede zweite Sendung analysiert werden. «Es könnte durchaus sein, dass deshalb mit risikoreichen Sendungen in die Schweiz ausgewichen wird», schreibt Kantonschemiker Rolf Etter. Zwar hat auch der Bund letztes Jahr eine intensivere Kontrolle der Importe angeordnet – allerdings nur für ein Jahr. Deshalb will das kantonale Labor selbst häufiger Proben nehmen.

Ursachen für die hohe Pestizidbelastung gibt es mehrere: Einerseits seien sich die Bauern in Asien oft nicht über die Risiken der verwendeten Chemikalien im Klaren, sagt Brunner. Oft fehle es auch an Alternativen. Anderseits seien manche Pestizide zugelassen, die in Europa verboten sind. Verschärft werde die Situation dadurch, dass vermehrt unerfahrene Importeure auf den Markt drängen. Diese sind besonders oft betroffen. Grosshändler haben weniger Probleme. «Aber auch dort passieren Misstritte», sagt der stellvertretende Kantonschemiker Martin Brunner.

Thailand sperrt Exporte

Thailand hat inzwischen auf die Kritik reagiert. Eine Zeit lang unterband das Land den Export von Lebensmitteln fast gänzlich und verschärfte die eigenen Vorschriften und Kontrollen. Die Folge: Viele Produkte waren in der Schweiz zeitweilig nicht erhältlich. Coop beispielsweise bietet erst seit ein paar Tagen wieder das volle Sortiment an – in den letzten Monaten fehlten viele Produkte, weil sie niemand mehr in der benötigten Menge liefern konnte. Anders das Thai-Restaurant Blue Monkey in Zürich: «Wir suchten die notwendigen Zutaten in den Thai-Shops in der Umgebung zusammen», sagt Geschäftsführer Emanuel Fiegl. Sorgen wegen der Pestizidrückstände macht er sich nicht: «Ich habe Vertrauen in die Kontrolle der Behörden hier. Und auch in Thailand selbst wird das Gemüse heute untersucht.»

Neben Gemüse aus Südostasien steht auch türkisches Gemüse und Obst im Fokus der Lebensmittelkontrolleure. Allerdings ist die Situation dort nicht ganz so dramatisch. Zwar konnten letztes Jahr in den Proben aus Peperoni und Zucchetti durchwegs Chemierückstände nachgewiesen werden, aber die Grenzwerte wurden nur in 13 Prozent der Proben überschritten. Für die Konsumenten sei das belastete Gemüse vor allem dann bedenklich, wenn es über längere Zeit mehrmals pro Woche verzehrt werde, sagt Brunner: «Dann reichern sich die Chemikalien im Körper an. Akute Vergiftungen sind hingegen nicht zu befürchten.»

Erstellt: 22.06.2011, 21:40 Uhr

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