Polizei führt Knigge für Tattoos ein

Um ins Polizeikorps aufgenommen zu werden, trennen sich jedes Jahr mindestens zehn Anwärter von ihren Tätowierungen. Dabei sind die Regeln gar nicht so streng.

Weg mit der Jugendsünde: Polizeiaspiranten trennen sich lieber von ihrem Tattoo als später im Langarmhemd Dienst zu leisten.

Weg mit der Jugendsünde: Polizeiaspiranten trennen sich lieber von ihrem Tattoo als später im Langarmhemd Dienst zu leisten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit den sommerlichen Temperaturen ist in Zürich auch wieder mehr Haut zu sehen. Und diese ist nicht selten mit allerlei Tattoos bestochen. Blumen, Delfine, Sterne, Kois, Totenköpfe und Tribals – die Vielfalt der Motive ist unerschöpflich.

Dass Tätowierungen weit verbreitet sind, bekommen auch die Zürcher Polizeikorps zu spüren. «Wir werden immer häufiger von Polizeiaspiranten gefragt, ob Tattoos bei uns erlaubt sind oder nicht», sagt Judith Hödl, Mediensprecherin der Zürcher Stadtpolizei. «Damit mussten wir uns auseinandersetzen. Deshalb haben wir in diesem Frühling unsere Vorgaben zum Thema Tattoos präzisiert.»

Hautfarbener Strumpf übers Tattoo

Die Regelungen besagen, dass sichtbare Tattoos bei der Stadtpolizei Zürich nicht erlaubt sind. Wer eine Tätowierung hat, muss diese je nach Einsatzbereich mit Uniform oder mit ziviler Kleidung abdecken können. «Ist ein kleiner Teil des Tattoos trotzdem noch zu sehen, muss der zuständige Abteilungsleiter entscheiden, ob das zulässig ist oder nicht», fügt Hödl hinzu. Generell nicht erlaubt seien Motive und Inhalte, «die nicht mit dem Polizeiberuf zu vereinbaren sind». Konkrete Beispiele nennt Hödl nicht.

Ausgenommen von diesen Regelungen sind langjährige Mitarbeiter der Stadtpolizei, die ein grosses Tattoo am Arm haben. Sie dürfen gemäss Hödl einen hautfarbenen Strumpf zum Abdecken der Körperzeichnung verwenden. Dieser Ausnahmefall komme aber nur bei rund einem Dutzend Polizisten zur Anwendung. «Aspiranten werden von Anfang an darauf aufmerksam gemacht, wenn ein Tattoo nicht zum Beruf passt.»

Tattoo passt nicht zum Gesamtbild

Ähnlich sieht die Situation beim Korps der Kantonspolizei Zürich aus. «Kantonspolizisten dürfen Tattoos haben, so viele sie wollen. Solange man sie nicht sieht, wenn sie Uniform tragen», sagt Mediensprecher Beat Jost auf Anfrage, denn: «In Uniform repräsentieren die Polizisten das Polizeikorps.» Schliesslich müsse man Gesetze durchsetzen und im Einsatz seriös wirken, so Jost. Es gehe aber auch darum, als Einheit wahrgenommen zu werden. «Das Gesamterscheinungsbild muss stimmen, da passt so etwas Individuelles wie ein Tattoo nicht rein.»

Weil die Anfragen der Aspiranten zum Thema Tattoo meist vor der Bewerbung bei der Kantonspolizei eingehen, musste gemäss Jost «fast noch nie jemand wegen Körperzeichnungen abgewiesen werden». Nur in sehr seltenen Fällen stelle der Arzt bei der sportmedizinischen Abklärung eines Polizeiaspiranten Tätowierungen fest, die sich nicht mit den Vorgaben im Korps vereinbaren lassen. «Dann wird der Bewerber abgelehnt.»

Jugendsünden werden weggelasert

Einigen ist die Aufnahme im Polizeikorps so wichtig, dass sie sich dafür von ihren Tätowierungen trennen. «Wir behandeln jährlich mindestens zehn Polizeiaspiranten, die sich ein Tattoo entfernen lassen möchten», sagt Peter Steiner, Leiter der Tattooentfernungspraxis in Schwerzenbach.

Es seien hauptsächlich Zeichnungen am Unterarm, die weggelasert werden. «Die Patienten wollen später als Polizisten nicht immer mit langärmligen Uniformen Dienst leisten müssen», so Steiner. Die Tattoos seien meist in jungen Jahren gestochen worden, als die Patienten noch nicht wussten, dass sie später einmal zur Polizei gehen würden.

Wer eine solche Jugendsünde weglasern will, muss dafür fünfmal so viel bezahlen wie damals fürs Tattoo. Der Preis für die Entfernung wird nämlich gemäss Steiner nach Fläche berechnet. Pro Quadratzentimeter kostet sie einen Franken. Hinzu kommen Pauschalen für Behandlungszeit und Material. Ein paar Gedanken an die weitere Zukunft sind also sicher angebracht, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.06.2015, 11:01 Uhr

Artikel zum Thema

Feldzug gegen Tätowierungen

Fast drei Viertel der jungen Amerikaner sind nicht diensttauglich. Striktere Vorschriften für Tätowierungen sind ein neuer Ablehnungsgrund. Mehr...

Auch Polizisten dürfen sich einen Bart wachsen lassen

Ein Bartverbot wie in Genf ist für Stadt- und Kantonspolizei Zürich kein Thema. Dafür gibt es andere Outfit-Regeln. Mehr...

Gefährliche Tattoos

Jede zweite Tattoo-Farbe in der Schweiz gefährdet Gesundheit. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Gross ist die Hoffnung: In Kashmir sucht ein indisches Mädchen am letzten Tag von Navratri, einem der wichtigsten Feste im Hinduismus, nach versenkten Münzen. (17. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Jaipal Singh) Mehr...