Polizei schliesst ekliges Bordell im Kreis 4

Polizisten und Kübelmänner haben ein «Problemhaus» an der Kanonengasse geräumt. Es war voller Unrat, Spritzen und in desolatem Zustand.

Verwahrlost und dreckig: Der Tam-Tam-Club an der Kanonengasse.

Verwahrlost und dreckig: Der Tam-Tam-Club an der Kanonengasse. Bild: Google Maps

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Ein Problemhaus sei es schon lange gewesen, das Haus im Zürcher Stadtkreis 4 an der Ecke Kanonengasse/Dienerstrasse, sagt Polizeisprecher Marco Cortesi. Doch durchgreifen konnte die Stadtpolizei lange nicht. Gestern aber fuhr sie mit mehreren Einsatzwagen und einem Kehrichtfahrzeug von Entsorgung und Recycling Zürich vor dem Tam-Tam-Club vor. In einer Blitzaktion drangen die Männer ins Haus ein. «Sie haben uns aus dem Bett geholt und gesagt, wir sollten mitnehmen, was wir könnten», sagte Bordellbetreiber Gino Paul Esposito gegenüber «Blick am Abend». Verhaftet wurde niemand.

Danach warfen die Polizisten die Möbel und den Unrat, den sie im Haus fanden, aus dem Fenster. Die Müllabfuhr liess die Ware im Schlund ihres Fahrzeuges verschwinden. Laut Cortesi befand sich das Haus in einem verwahrlosten, dreckigen Zustand. An den Kühlschränken krabbelten Dutzende von Kakerlaken. Nachbarn erzählten, dass die Liegenschaft als Drogenumschlagplatz bekannt sei. Die Polizei fand auch Fixerutensilien. Viele der Bewohner hätten sich illegal in der Schweiz aufgehalten. Im Internet erzählen Freier von billigem Service in «grauenhaften Buden».

Zweifel an Rechtmässigkeit

Obwohl die Polizei vieles davon schon seit einiger Zeit wusste, schritt sie erst gestern zur Tat, weil sie von den Hausbesitzern – einer Erbengemeinschaft – darum gebeten worden war. Der Mieter hatte sich geweigert, die Liegenschaft zu räumen, obwohl kein gültiger Mietvertrag mehr bestand. Auch eine letzte Frist bis Freitag liess er ungenutzt verstreichen. Laut Cortesi haben die Eigentümer Strafantrag gestellt. Der Anwalt von Esposito hingegen bezweifelt die Rechtmässigkeit der Polizeiaktion. Am Freitag noch habe ein Richter einem Fristerstreckungsgesuch stattgegeben. Er prüfe nun rechtliche Schritte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2011, 07:29 Uhr

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