Prostituierte befriedigen Freier wieder am anderen Ufer

Sie schaffen am Sihlquai im Kreis 5 an und bedienen ihre Kunden auf der anderen Flussseite. Beim Quartierverein Wipkingen ist der Ärger über das nächtliche Treiben gross.

Anschaffen am Sihlquai und dann mit den Kunden über den Viadukt nach Wipkingen: Prostituierte vom Zürcher Strassenstrich.

Anschaffen am Sihlquai und dann mit den Kunden über den Viadukt nach Wipkingen: Prostituierte vom Zürcher Strassenstrich. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen, ist verärgert. «Auf dem Parkplatz beim ehemaligen Bahnhof Letten befriedigen Prostituierte ihre Freier. Dort hatten wir schon im letzten Jahr Ärger. Jetzt ist wieder alles voll Dreck», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch.

Das Areal sei zwar vergittert und normalerweise abgeriegelt, so Weder weiter, «aber der Hag ist zum Teil zerschnitten, und die Türe war offen, als ich am vergangenen Wochenende daran vorbeigelaufen bin». So könnten die Prostituierten problemlos mit ihren Freiern auf den Parkplatz gelangen. «Entweder schlüpfen sie durch die Löcher im Zaun, oder sie können vielleicht sogar mit dem Auto auf den Parkplatz fahren.»

«Wir können nicht 24 Stunden präsent sein»

Die Stadtpolizei Zürich weiss um die Problematik. «Es ist uns bekannt, dass sich die Prostituierten mit ihren Freiern auf dieses Areal zurückziehen», sagt Mediensprecher Adrian Feubli auf Anfrage. Die Frauen würden allerdings nicht an dieser Stelle anschaffen, sondern vom Strassenstrich am Sihlquai aus über den Viadukt dorthin gelangen.

Der Parkplatz befindet sich zwischen zwei Freibädern und grenzt an einen beliebten Spazierweg. Es sei der Polizei daher bewusst, dass die Situation problematisch sei für das Quartier. «Wir kontrollieren das Gebiet im Rahmen unserer Möglichkeiten», betont Feubli. «Wir patrouillieren vor Ort und führen Kontrollen bei Freiern und Prostituierten durch. Allerdings können wir nicht 24 Stunden präsent sein.»

Wo bleibt der Strichplan?

Für Beni Weder geht das nicht weit genug. «Die Stadt hat uns letztes Jahr einen neuen Strichplan versprochen. Jetzt ist noch immer nichts gelaufen.» In einem Problemgebiet des Quartiers habe sich die Situation allerdings verbessert. «Der kleine Park am Kloster Fahr-Weg in der Nähe des Dammstegs ist dank der Auslichtung der Bäume durch Grün Stadt Zürich jetzt relativ sauber. Dort war es in der Vergangenheit am schlimmsten.»

Erstellt: 13.04.2011, 11:06 Uhr

Kondome, Taschentücher, Unrat: In Wipkingen sind die Spuren der Freier zu sehen. (Bild: Beni Weder)

Der Parkplatz im Quartier

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