Quartier kann sich Stadion mit Mantelnutzung vorstellen

GC-Präsident André Dosé schwebt ein reines Fussballstadion mit Mantelnutzung auf dem Hardturm vor. Anwohner und VCS sehen dafür Chancen – unter Voraussetzungen.

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Am Dienstag gab GC-Präsident André Dosé gegenüber Fussballfans und der Mannschaft auf dem Hardturmareal bekannt, dass der Club mit privaten Investoren den Bau eines neuen Stadions vorantreiben will. Bereits existiere ein Konzept, welches eine Mantelnutzung vorsehe und bis 2018 realisiert werden könne.

Dosé erhält für seine Pläne Unterstützung vonseiten einzelner Rekurrenten, die das 2003 vom Stimmvolk angenommene Pentagon-Stadion bekämpft hatten. Allerdings stellen sie klare Bedingungen.

Markus Knauss, Stadtratskandidat der Grünen und Co-Geschäftsführer beim VCS Zürich, sagt klar: «Eine Mantelnutzung ist nicht ausgeschlossen, darf aber nicht zu Mehrverkehr führen.» Beim Projekt von 2003 wäre das geplante Einkaufszentrum für 95 Prozent des Autoverkehrs verantwortlich gewesen, «das entspricht täglich halb so vielen Autos wie am Gotthard». Zudem hätte es zum Grossteil Kunden von ausserhalb der Stadt angezogen. Das Gebiet vertrage aber nur sehr wenig Mehrverkehr. Eine Mantelnutzung müsse dies berücksichtigen.

Innovationspark, Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten

Vorstellen kann sich Knauss hierzu aber Verschiedenes: «Sicher sind bezahlbare Wohnungen ein Thema, da diese erfahrungsgemäss wenig Mehrverkehr verursachen.» Auch denkbar ist für ihn eine Art Innovationspark, «wo beispielsweise Ingenieure an Projekten arbeiten, die vor Ort gefertigt werden können.» Solche Gebiete gebe es in der Stadt deutlich zu wenig, sie hätten eine hohe Wertschöpfung «und verursachen höchstens Lieferantenverkehr, da die meisten Angestellten mit dem öffentlichen Verkehr anreisen.»

Auch Einkaufsmöglichkeiten sind für Knauss nicht ausgeschlossen: «Allerdings nur solche, die für das Quartier gebaut werden und nicht auf Kunden aus den Nachbarkantonen ausgerichtet sind.» Wichtig sei dabei, dass man möglichst wenige Parkplätze anbiete, damit das Einkaufszentrum hauptsächlich von Quartierbewohnern genutzt oder über den öffentlichen Verkehr erreicht werde.

«Gewinn erwrtschaften ist unmöglich»

Walter Vismara, Co-Präsident der IG Hardturmquartier, sieht dies ähnlich: «Eine kleine Mantelnutzung mit Restaurants, kleinen Lebensmittelläden, einem Fitnesscenter oder Arztpraxen ist machbar und würden wir auch nicht bekämpfen.» Wichtig sei, dass sie dem Quartier etwas bringe und ein allfälliger Mehrverkehr «im überschaubaren Rahmen» bleibe. Auch eine Wohnüberbauung, wie sie bei der kürzlich abgelehnten Stadionvorlage vorgesehen war, «ist sicher sinnvoll».

Diese würde auch Katharina Prelicz-Huber, Alt-Nationalrätin der Grünen und Quartierbewohnerin, unterstützen, «sofern sie für Normalverdiener konzipiert wird». Ein zusätzliches Einkaufszentrum brauche es im Quartier schlicht nicht: «Erstens gibt es bereits zwei Einkaufzentren, von welchen eines nicht genügend Kunden hat, zweitens entsteht gerade ein zusätzlicher Coop.»

Prelicz-Huber stellt das Konzept einer Mantelnutzung aber grundsätzlich in Frage: «Vonseiten der Stadion-Initianten wird stets verschwiegen, dass man mit der Mantelnutzung Gewinn erwirtschaften will.» Deshalb sei die CS ja auch aus dem Projekt ausgestiegen: «Sie wusste, dass es defizitär werden könnte.» Noch klarer gelte dies für eine Mantelnutzung mit Kleingewerbe oder Wohnungen im Normalsegment: «Ein Teil des Kleingewerbes hat dem Kreis 5 den Rücken gekehrt, weil die Mieten nicht mehr zu bezahlen waren.»

Prelicz-Huber erwartet, dass wegen der Ausrichtung auf Gewinnerwirtschaftung, auch eine erneute Mantelnutzung von den Anwohnern bekämpft wird. «Man soll uns mal ein Konzept zeigen, das gewinnbringend ist und keinen Mehrverkehr verursacht.» Denn unter dem Verkehr leide das Quartier schon jetzt genug.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2013, 14:35 Uhr

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